BAG, 28.06.2011 - 3 AZR 282/09 - Turnusmäßige Anpassung der Betriebsrente; Eingriff in eine Anpassungsregelung durch den Arbeitgeber; Begründungszwang

Bundesarbeitsgericht
Urt. v. 28.06.2011, Az.: 3 AZR 282/09
Gericht: BAG
Entscheidungsform: Urteil
Datum: 28.06.2011
Referenz: JurionRS 2011, 26017
Aktenzeichen: 3 AZR 282/09
 

Verfahrensgang:

vorgehend:

LAG Hamm - 24.02.2009 - AZ: 9 Sa 1651/08

ArbG Dortmund - 24.09.2008 - AZ: 5 Ca 2435/08

Fundstellen:

BAGE 138, 197 - 212

ArbR 2011, 588

AuA 2013, 250-251

AuR 2011, 503

AUR 2011, 503

BB 2011, 2804

DB 2011, 2923-2926

EBE/BAG 2011, 171-176

EWiR 2012, 231

EzA-SD 22/2011, 9

FA 2011, 375-376

NZA 2012, 1229-1234

schnellbrief 2012, 3-4

ZIP 2011, 2164-2168

ZTR 2011, 746

Amtlicher Leitsatz:

1. § 16 Abs. 1 und Abs. 2 BetrAVG schreiben vor, dass der Arbeitgeber alle drei Jahre eine Anpassung der laufenden Betriebsrenten zu prüfen und hierüber nach billigem Ermessen zu entscheiden hat. § 16 Abs. 3 Nr. 1 BetrAVG legt fest, dass diese Verpflichtung entfällt, wenn sich der Arbeitgeber verpflichtet, die Leistungen jährlich um wenigstens 1 vH anzupassen. Dies gilt nach § 30c Abs. 1 BetrAVG nur, wenn die Versorgungszusage nach dem 31. Dezember 1998 erteilt wurde.

2. Eingriffe in Versorgungsregelungen hinsichtlich laufender Leistungen bedürfen tragfähiger Gründe. In der Regel können nur noch geringfügige Verschlechterungen gerechtfertigt sein. Dazu bedarf es sachlich nachvollziehbarer, Willkür ausschließender Gründe. Ein mehr als geringfügiger Eingriff bedarf darüber hinausgehender Gründe.

In Sachen

Beklagte, Berufungsklägerin, Anschlussberufungsbeklagte und Revisionsklägerin,

pp.

Kläger, Berufungsbeklagter, Anschlussberufungskläger und Revisionsbeklagter,

hat der Dritte Senat des Bundesarbeitsgerichts aufgrund der mündlichen Verhandlung vom 28. Juni 2011 durch die Vorsitzende Richterin am Bundesarbeitsgericht Gräfl, den Richter am Bundesarbeitsgericht Dr. Zwanziger, die Richterin am Bundesarbeitsgericht Dr. Schlewing sowie die ehrenamtlichen Richter Heuser und Bialojahn für Recht erkannt:

Tenor:

Die Revision der Beklagten gegen das Urteil des Landesarbeitsgerichts Hamm vom 24. Februar 2009 - 9 Sa 1651/08 - wird zurückgewiesen, soweit sie sich gegen den Feststellungsausspruch richtet. Im Übrigen wird das Urteil aufgehoben und der Rechtsstreit zur neuen Verhandlung und Entscheidung - auch über die Kosten des Revisionsverfahrens - an das Landesarbeitsgericht zurückverwiesen.

Von Rechts wegen!

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