BAG, 26.08.2009 - 4 AZR 295/08 - Voraussetzungen für die Begründung einer OT-Mitgliedschaft des Arbeitgebers; Eintragung der diese Mitgliedschaft eröffnenden Satzungsänderung in das Vereinsregister als Wirksamkeitserfordernis; Negative Effektivklausel

Bundesarbeitsgericht
Urt. v. 26.08.2009, Az.: 4 AZR 295/08
Gericht: BAG
Entscheidungsform: Urteil
Datum: 26.08.2009
Referenz: JurionRS 2009, 31291
Aktenzeichen: 4 AZR 295/08
 

Verfahrensgang:

vorgehend:

LAG Hamm - 31.01.2008 - AZ: 8 Sa 1130/07

ArbG Bocholt - 3 Ca 324/06 - 28.9.2006

Rechtsgrundlagen:

§ 67 Abs. 4 ArbGG

§ 71 Abs. 1 S. 1 BGB

Art. 9 Abs. 3 GG

§ 5 Nr. 1 S. 1 Lohnabkommen (vom 21. Juli 2005) zum Lohnrahmenabkommen Großhandel-Außenhandel-Dienstleistungen NRW

§ 3 Abs. 1 TVG

§ 4 Abs. 1 TVG

§ 256 Abs. 1 ZPO

§ 256 Abs. 2 ZPO

Redaktioneller Leitsatz:

1. Die Begründung einer OT-Mitgliedschaft in einem Arbeitgeberverband setzt voraus, dass es für diese Mitgliedschaftsform zu dem Zeitpunkt, in dem ein bis heriges Vollmitglied eine OT-Mitgliedschaft begründen will, eine wirksame satzungsmäßige Grundlage gibt. Das setzt wiederum voraus, dass eine dahingehende Satzungsänderung bereits in das Vereinsregister eingetragen ist.

2. Die Eintragung einer Satzungsänderung zur Eröffnung der OT-Mitgliedschaftsform in einem Arbeitgeberverband wirkt nicht auf den Tag der Beschlussfassung zurück.

3. Erst dann, wenn ein Arbeitgeberverband in seiner Satzung die Möglichkeit einer Mitgliedschaft ohne Tarifgebundenheit wirksam vorsieht, sind die Mitglieder, die von dieser Möglichkeit Gebrauch machen, keine Mitglieder iSv. § 3 Abs. 1 TVG.

4. Maßgebend für die Feststellung der Tarifgebundenheit ist der Zeitpunkt der wirksamen und verbindlichen Tarifvereinbarung.

In Sachen

Beklagte, Berufungsbeklagte, Revisionsklägerin und Revisionsbeklagte,

pp.

Kläger, Berufungskläger, Revisionsbeklagter und Revisionskläger,

hat der Vierte Senat des Bundesarbeitsgerichts aufgrund der mündlichen Verhandlung vom 26. August 2009 durch den Vorsitzenden Richter am Bundesarbeitsgericht Prof. Bepler, den Richter am Bundesarbeitsgericht Dr. Treber, die Richterin am Bundesarbeitsgericht Dr. Winter sowie die ehrenamtlichen Richter Hannig und Hardebusch für Recht erkannt:

Tenor:

1. Die Revision der Beklagten gegen das Urteil des Landesarbeitsgerichts Hamm vom 31. Januar 2008 - 8 Sa 1130/07 - wird zurückgewiesen.

2. Auf die Revision des Klägers wird das Urteil des Landesarbeitsgerichts Hamm vom 31. Januar 2008 - 8 Sa 1130/07 - teilweise aufgehoben und zur Klarstellung insgesamt wie folgt neu gefasst:

a) Auf die Berufung des Klägers wird das Urteil des Arbeitsgericht Bocholt vom 28. September 2006 - 3 Ca 324/06 - teilweise abgeändert:

Die Beklagte wird verurteilt, an den Kläger 130,00 Euro brutto nebst Zinsen in Höhe von fünf Prozentpunkten über dem Basiszinssatz ab dem 1. März 2006 zu zahlen.

Es wird festgestellt, dass auf das Arbeitsverhältnis der Parteien das Lohnabkommen für den Groß- und Außenhandel NRW vom 21. Juli 2005 Anwendung findet und die Beklagte verpflichtet ist, den sich aus der Lohntabelle zu § 2 des Lohnabkommens ergebenden Monatslohn zu zahlen.

b) Im Übrigen wird die Berufung des Klägers mit der Maßgabe zurückgewiesen, dass die weitergehende Klage unzulässig ist.

c) Von den Kosten des Rechtsstreits erster Instanz hat der Kläger 55 %, die Beklagte 45 % zu tragen. Von den Kosten des Rechtsstreits zweiter Instanz haben der Kläger 40 %, die Beklagte 60 % zu tragen.

3. Im Übrigen wird die Revision des Klägers zurückgewiesen.

4. Von den Kosten der Revisionsinstanz haben der Kläger 40 %, die Beklagte 60 % zu tragen.

Von Rechts wegen!

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