BAG, 09.12.2010 - 8 AZR 614/08 - Widerspruchsrecht des Arbeitnehmers gegen den Übergang seines Arbeitsverhältnisses nach § 613a Abs. 6 BGB kann grundsätzlich verwirken; Verwirkung des Widerspruchsrechts des Arbeitnehmers bei Betriebsübergang nach § 613a Abs. 6 BGB; Disposition des Arbeitnehmers als Erfüllung des Umstandsmoments; Betriebsveräußerer und -erwerber als Wissenseinheit bei Verwirkungsumständen

Bundesarbeitsgericht
Urt. v. 09.12.2010, Az.: 8 AZR 614/08
Gericht: BAG
Entscheidungsform: Urteil
Datum: 09.12.2010
Referenz: JurionRS 2010, 35722
Aktenzeichen: 8 AZR 614/08
 

Verfahrensgang:

vorgehend:

ArbG Solingen - 10.05.2007 - AZ: 1 Ca 185/07 lev

LAG Düsseldorf - 30.04.2008 - AZ: 7 Sa 1199/07

Redaktioneller Leitsatz:

1. a) Das Widerspruchsrecht des Arbeitnehmers gegen den Übergang seines Arbeitsverhältnisses nach § 613a Abs. 6 BGB kann grundsätzlich verwirken, wobei das für die Annahme einer Verwirkung erforderliche Umstandsmoment dann erfüllt ist, wenn der Arbeitnehmer durch den Abschluss eines Aufhebungsvertrages mit dem Betriebserwerber über sein Arbeitsverhältnis disponiert hat.

b) Hat einer der beiden möglichen Adressaten eines Widerspruchs nach § 613a Abs. 6 BGB Kenntnis von Umständen, die zur Verwirkung des Rechts auf Widerspruch führen, so kann sich der jeweils andere Widerspruchsadressat hierauf berufen, da insoweit Betriebsveräußerer und Betriebserwerber als Einheit behandelt werden.

2. a) Die Unterrichtungspflicht nach § 613a Abs. 5 BGB stellt eine echte Rechtspflicht dar, deren Verletzung einen Schadensersatzanspruch nach § 280 Abs. 1 BGB auslösen kann; bei Verletzung der Pflicht wird das Verschulden nach vermutet (§ 280 Abs. 1 Satz BGB).

b) Macht der Arbeitnehmer geltend, nicht oder nicht vollständig über den Betriebsübergang unterrichtet worden zu sein, ist er so zu stellen, wie er gestanden hätte, wenn er richtig und vollständig informiert gewesen wäre, wofür er die Darlegungs- und Beweislast trägt.

c) Eine fehlerhafte Unterrichtung muss für den eingetretenen Schaden kausal sein; daran fehlt es, wenn der Arbeitnehmer durch Ausübung seines noch bestehenden Widerspruchsrechts den Schaden in dem von ihm gewünschten Sinn vermeiden kann.

In Sachen

Kläger, Berufungskläger und Revisionskläger,

pp.

Beklagte, Berufungsbeklagte und Revisionsbeklagte,

hat der Achte Senat des Bundesarbeitsgerichts aufgrund der mündlichen Verhandlung vom 9. Dezember 2010 durch den Vorsitzenden Richter am Bundesarbeitsgericht Hauck, die Richter am Bundesarbeitsgericht Böck und Breinlinger sowie die ehrenamtlichen Richter Eimer und Dr. Pauli für Recht erkannt:

Tenor:

Die Revision des Klägers gegen das Urteil des Landesarbeitsgerichts Düsseldorf vom 30. April 2008 - 7 Sa 1199/07 - wird zurückgewiesen.

Der Kläger hat die Kosten der Revision zu tragen.

Von Rechts wegen!

Diese Artikel im Bereich Arbeit und Betrieb könnten Sie interessieren

Schadensersatz bei verspäteter Lohnzahlung

Schadensersatz bei verspäteter Lohnzahlung

"Da wird sich mancher Arbeitgeber doch die Augen reiben!" mehr

Kündigungsgrund Arbeitszeitbetrug - LAG Hamm zur Kündigung aus wichtigem Grund

Kündigungsgrund Arbeitszeitbetrug - LAG Hamm zur Kündigung aus wichtigem Grund

Arbeitszeit ist Arbeitszeit. Das heißt der Arbeitnehmer ist während dieser Zeit verpflichtet, seine vertraglich geschuldete Arbeitsleistung zu erbringen und sie nicht für private Dinge zu nutzen. mehr

Anspruch auf Festanstellung bei wiederholter Erneuerung eines befristeten Arbeitsvertrages

Anspruch auf Festanstellung bei wiederholter Erneuerung eines befristeten Arbeitsvertrages

Befristete Arbeitsverträge fortwährend zu erneuern, obwohl eine ständige Stelle besetzt werden müsste, gibt Arbeitgebern Autonomie und Handlungsfreiraum auf Kosten ihrer Angestellten. mehr