Insolvenz der Göttinger Gruppe

29.06.20072659 Mal gelesen

Erneut ist eine große Kapitalanlagegesellschaft insolvent und wieder sind die Leidtragenden tausende von Anlegern, denen mit vollmundigen Versprechungen das Geld aus der Tasche gezogen wurde. Ihr Name: Göttinger Gruppe. Ihre Hauptgesellschaft: die Securenta AG.
Wie geschickt die Verantwortlichen der Göttinger Gruppe und ihre Vermittler vorgingen, zeigt sich nicht zuletzt an der Wahl des Namens „Securenta“ = sichere Rente. Schamlos wurde die Angst der Menschen vor einer unzureichenden Altersabsicherung ausgenutzt und ihnen suggeriert, dass sie mit einer atypisch stillen Beteiligung an der Göttinger Gruppe und ihren Gesellschaften ohne Risiko eine hohe Rendite als Ergänzung zu ihrer Rente „erwirtschaften“ könnten. Und natürlich würden sie zudem noch Steuern sparen.


Wer bis jetzt nichts zur Sicherung seiner Einlagen bei der Göttinger Gruppe getan hat, sollte spätestens jetzt umgehend tätig werden, weil

  • seine Forderungen bis zum 10. bzw. 20. September 2007 bei den Insolvenzverwaltern in Berlin bzw. Göttingen angemeldet werden müssen;
  • der Berliner Insolvenzverwalter bereits Nachschussforderungen gegen Anleger angekündigt hat;
  • Finanzämter Steuervorteile aus Verlustzuweisungen nachträglich aberkennen und Rückforderungen stellen können;
  • weitere Ratenzahlungen bei Sparverträgen ab jetzt wahrscheinlich unwiederbringlich verloren sind;
  • Ansprüche gegen Vermittler geprüft werden sollten, um möglicherweise überhaupt einen Teil der Einlage zurückzuerhalten.

Was sich schon seit längerer Zeit anbahnte ist nunmehr Gewissheit geworden: Die Göttinger Gruppe musste am 08.06.2007 in Berlin Insolvenz anmelden. Außerdem hat das Amtsgericht Göttingen am 14.06.2007 das Insolvenzverfahren gegen die Securenta AG, die Hauptgesellschaft der Göttinger Gruppe, eröffnet.


Insolvenzantrag beim Amtsgericht Berlin-Charlottenburg
Das Amtsgericht Berlin-Charlottenburg hat am 20.06.2007 aufgrund eines Eigenantrages der Gesellschaften das Insolvenzverfahren über das Vermögen der

  • Göttinger Gruppe Vermögens- und Finanzholding GmbH & Co Kommanditgesellschaft auf Aktien (Az.: 36g IN 2620/07)
  • Interpart GmbH (Az.: 36i IN 2724/07)
  • GöZIT Zentrum für Informations-Technologie GmbH (Az.: 36g IN 2713/07)

wegen Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung eröffnet. Als Insolvenzverwalter wurde für alle drei Gesellschaften der Berliner Rechtsanwalt Rolf Rattunde eingesetzt.

Der Insolvenzantrag der Göttinger Gruppe wurde deshalb in Berlin gestellt, da das Unternehmen vor kurz zuvor den Hauptsitz seiner wirtschaftlichen Tätigkeit von Göttingen nach Berlin verlagert hatte.
Die Insolvenzforderungen sind bis zum 10.09.2007 schriftlich beim Insolvenzverwalter einzureichen. Für den 16.08.2007 ist die erste Gläubigerversammlung geplant. Die Prüfung der angemeldeten Gläubigerforderungen soll am 08.11.2007 erfolgen.



Insolvenzantrag beim Amtsgericht Göttingen
Anfang Juni 2007 stellten ehemalige eigene Anwälte der Securenta AG beim Amtsgericht Göttingen Antrag auf Feststellung der Zahlungsunfähigkeit der Securenta AG.
Das Amtsgericht Göttingen eröffnete nun am 14.06.2007 unter dem Az.: 74 IN 222/07 das Insolvenzverfahren über das Vermögen der Securenta AG. Als Insolvenzverwalter wurde der Steuerberater Peter Knöpfel bestimmt.
Die Insolvenzforderungen sind bis zum 20.09.2007 schriftlich beim Insolvenzverwalter einzureichen. Für den 26.09.2007 ist die erste Gläubigerversammlung geplant. Die Prüfung der angemeldeten Gläubigerforderungen soll am 21.11.2007 erfolgen.



Eigene Forderungen anmelden und Forderungen der Göttinger Gruppe abwehren!
Alle Anleger sollten jetzt ihre offenen Forderungen beim zuständigen Insolvenzverwalter anmelden. Allerdings ist umstritten, ob atypisch stille Gesellschafter die Möglichkeit haben, ihre Einlage als Forderung im Insolvenzverfahren geltend zu machen. Aufgrund zahlreicher Urteile gegen die Göttinger Gruppe und speziell gegen die Securenta AG bestehen aber gute Chancen, dass Anleger im Falle einer fehlerhaften Beratung über die Risiken der Beteiligung ihre Forderungen geltend machen können. Im Falle einer fehlerhaften Beratung sind die Anleger nämlich so zu stellen, als wenn sie diese nachteiligen Verträge niemals abgeschlossen hätten. Damit wäre auch – zunächst theoretisch – der Weg frei, Forderungen auf Rückzahlung der Einlagen zur Insolvenztabelle anzumelden. Denn dann sind die Betroffenen nicht mehr Anleger und Eigenkapitalgeber, sondern reguläre Gläubiger.

Mit der Aufforderung der beiden Insolvenzverwalter, die Forderungen bei ihnen anzumelden, ist es für geschädigte Anleger aber nicht getan. Zum einen ist noch völlig offen, über wie viel Vermögen (Masse) die Göttinger Gruppe bzw. ihre Gesellschaften verfügen und welchen Anteil davon der betroffene Anleger erwarten kann.
Zum anderen könnten vielen Anlegern sogar Forderungen der Finanzämter und Nachforderungen seitens des Insolvenzverwalters drohen. Denn atypisch stille Beteiligungen bergen bei Insolvenz das Risiko, dass die Finanzämter den Steuervorteil aus den Verlustzuweisungen nachträglich aberkennen und entsprechende Rückforderungen stellen. Zudem sehen viele Beteiligungsverträge für den Fall der Insolvenz Nachschusszahlungen durch die Beteiligten vor. Schlimmstenfalls müssen Anleger einen höheren Betrag nachzahlen als sie bisher eingezahlt haben.
Schon jetzt soll lt. Pressemitteilung der Berliner Insolvenzverwalter Rattunde angekündigt haben, dass er von der rechtlichen Möglichkeit der Nachschussforderung Gebrauch machen will. Das bedeutet, dass Anleger mit Ratensparverträgen, die noch nicht die vertraglich vereinbarte Summe vollständig eingezahlt haben, oder deren Beteiligung ein negatives Auseinandersetzungsguthaben ausweist, aufgefordert werden könnten, weiter Geld in eine insolvente Gesellschaft zu zahlen. Selbst jüngst abgeschlossene Vergleiche mit der Göttinger Gruppe sind bis zu einem Jahr nach Abschluss noch anfechtbar.
Mit dem Argument der fehlerhaften Beratung können die Anleger sich aber auch gegen eventuelle Nachschussforderungen sichern.



Beitragzahlung einstellen und Ansprüche prüfen lassen
Zunächst sollten alle Anleger, die bislang ihren Ratenzahlungsverpflichtungen regelmäßig nachgekommen sind und noch Zahlungen zu leisten haben, ihre Überweisungen einstellen und die entsprechenden Beträge beiseite legen. Forderungen des Insolvenzverwalters, weiter die Raten zu zahlen, sind zwar nicht auszuschließen, doch die Chance zumindest nicht noch mehr Geld zu verlieren, ist größer als das Risiko die Raten nachzuzahlen.

Alle Ansprüche, die getäuschten Anlegern zustehen, sind ab jetzt nicht mehr gegenüber der Gesellschaft Securenta AG / Göttinger Gruppe, sondern gegenüber den Insolvenzverwaltern geltend zu machen. Deshalb sollten alle betroffenen Anleger ihre Ansprüche umgehend bei den zuständigen Insolvenzverwaltern anmelden. Das kann jeder Anleger selbstständig tun. Anlegern, die zu hohe Verluste bei ihrer Forderungsanmeldung befürchten bzw. mit Forderungen seitens des Insolvenzverwalters konfrontiert werden, raten wir anwaltliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Wir prüfen auch, ob geschädigte Anleger Ansprüche gegenüber ihren Vermittlern und Beratern geltend machen können, wenn sie beim Abschluss ihres Beteiligungsvertrages fehlerhaft oder unzureichend beraten wurden. Aus unserer bisherigen Praxis wissen wir, dass dies relativ häufig zutrifft. Dann könnten die geschädigten Anleger u.U. vom Vermittler die vollen Einlagen zurückfordern.



Unser Angebot
Wir beraten und vertreten Anleger der Göttinger Gruppe seit Jahren erfolgreich. Unser Kapitalanlagerechtsteam kennt dieses Unternehmen und all seine Gesellschaften aus einer Vielzahl von Verfahren für geprellte Anleger. Auf Grund der Spezialisierung unserer Anwälte und ihrer umfassenden Erfahrungen garantieren wir in diesen Fällen eine optimale Vertretung. Als Berliner Kanzlei sind wir für Sie vor Ort.

Wir prüfen für 50 Euro sowohl Ihre Ansprüche als auch die Erfolgsaussichten Ihres Falles und sagen Ihnen, welche Kosten bei einer außergerichtlichen oder gerichtlichen Auseinandersetzung auf Sie zukommen.