Aus der Not geboren? Anleger HCI / MPC Deepsea Oil Explorer fühlen sich im Stich gelassen. Die Angst vor dem Totalverlust steigt – mit dem Alter.

13.07.20101277 Mal gelesen

Erfahrungsgemäß sollte es genau anders herum laufen ? die Lebenserfahrung weiß in vielerlei Hinsicht ein Gefühl von Gelassenheit und Ruhe zu vermitteln. Nicht so im Fall der Deepsea Oil Explorer Kapitalanlage, denn ein sicherer Hafen für die Offshore Erkundungsplattform das sog. "Oil Rig"  ist noch längst nicht in Sicht.

 

1. Außerordentliche Gesellschafterversammlung HCI / MPC Deepsea Oil Explorer

 

Auf der außerordentlichen Gesellschafterversammlung am 8. Juli 2010 in Hamburg stand die Entscheidung über das von der Geschäftsführung vorgelegte Rettungskonzept wegen drohender Zahlungsunfähigkeit der HCI Deepsea Oil Explorer GmbH & Co. KG zur Abstimmung.   

 

Die Brisanz offenbarte sich so manchem Anleger erst vor Ort, da auf der Versammlung kommuniziert wurde, dass der status quo zumindest keine positive Fortführungsprognose erlaubte. Diese Terminologie weckt schon deshalb Emotionen, weil sie ihre Anlehnung im Insolvenzrecht findet und sich hieran das Schicksal des Unternehmens bemisst, ob es saniert werden kann oder der Liquidation anheim fallen wird.

 

Das Ergebnis vorweg genommen, wurde zumindest von den anwesenden Anlegern und Bevollmächtigten solcher, das Finanzierungskonzept mit ca. 90 % der Stimmen befürwortet. Der Weg zur Sanierung einer Unternehmung mit noch unfertigem Produkt scheint daher besiegelt.

 

2. Konsequenzen

 

Für die Anleger bedeutet dies, dass sie definitiv in weiteren sieben Jahren auf ihre erhofften Ausschüttungen verzichten werden müssen, verbunden mit dem Risiko, dass auch diese zum anvisierten Zeitpunkt in 2018  alles andere als sicher sind. Im Klartext gesprochen heißt das, dass es trotz der enormen Finanzspritze keine Garantie für das planmäßige Gelingen der Unternehmung gibt.

 

Auf Nachfrage äußerte der Geschäftsführer der Deepsea Oil Explorer GmbH & Co. KG, Kai-Kristian Meyer, dass trotz Zustandekommens des Finanzierungskonzeptes weiterhin ein Totalverlustrisiko der Kapitalanlage bestehe. 

 

Das Totalverlustrisiko in den Raum gestellt, wollte sich die Geschäftsführung indes nicht auf einen Verjährungsaufschub betreffend die Verjährung etwaiger Schadensersatzansprüche der Anleger einlassen, sei es aus der sog. "Prospekthaftung" oder der "Beraterhaftung" auf Seiten der Banken und freien Berater.

 

3. Problemstellung 

 

Nachdem sich die Aufregung in Hamburg gelegt hat, bleibt ein Resümee, das mitunter mehr Probleme aufzeigt, als zuvor.

 

Das Vertrauen in die Geschäftsführung ist erheblich beeinträchtigt, weil der Informationsfluss in Richtung Kapitalanleger wenn überhaupt, dann so verspätet und lückenhaft erfolgt ist, dass ein Mitbestimmungsrecht fast obsolet erscheinen könnte. Weder informierte die Geschäftsführung zeitnah über den Baufortschritt, die Probleme im Zusammenhang mit einem Brand auf der Werft, die verspätet eingereichten Bauzeichnungen noch über die außergerichtlichen Vergleichsergebnisse mit schadensersatzfordernden Vertragspartnern. Als größtes Manko sehen allerdings viele Anleger, dass nicht sie vorab um einen Nachschuss gebeten wurden, bevor das nunmehr in Eigenregie erstellte Finanzkonzept der Geschäftsführung alternativlos vorgestellt wurde. 

 

Im Übrigen merkte ein fachkundiger Anleger, der selbst oftmals die Bauaufsicht in vergleichbaren Projekten gemanagt hatte, an, dass aufgrund seiner vor Ort Kenntnis vom Baufortschritt der hiesigen Plattform, der nunmehr anvisierte Liefertermin gegenüber "Petrobras" utopisch sei. Des Weiteren habe HCI kaum mehr Kontrolle über die zeitplanmäßige Bauausführung und er habe bereits in der Vergangenheit des Öfteren erfolglos versucht, HCI dazu zu bewegen, Druck auszuüben.

 

Ein weiterer Unsicherheitsfaktor ist, dass "Petrobras" jedenfalls nicht ausschließlich auf das hiesige "Oil Rig" angewiesen ist, um sein eigenes Förderprojekt durchführen zu können. Aus diesem Grund ist verständlich, dass "Petrobras" keinen Druck verspürt, weitere verbindliche Zusagen zu machen, denn ein Kündigungsrecht bei verzögerter Lieferung des "Oil Rig" ist vertraglich ab 180 Tagen eingeräumt.

 

Damit steht und fällt das Konzept in gewisser Weise mit der Charter von "Petrobras". Alternativ käme der Verkauf des "Oil Rig" in Betracht, was laut Rechnung von Herrn Dr. Michael Silies (Prokurist) zu einem Gesamtmittelrückfluss vor Steuern von 180 % belaufen würde. Eine Antwort auf die Frage, wie diese Zahl zustande kommt und wie es sich mit einer an "Petrobras" zu zahlenden Strafe bzw. vorrangig zu befriedigenden Gläubigern in diesem Zusammenhang verhalten würde, blieb Herr Dr. Silies den Anwesenden in concreto schuldig.

 

Es sei an dieser Stelle angemerkt, dass bei prospektgemäßem Verlauf ein Gesamtmittelrückfluss von 328,5 % (Prospektszenario) angezeigt war, das im Rahmen des neuen Finanzierungskonzeptes bereits auf 306 % (Basisszenario) herunter gekürzt wurde.

 

Nicht unausgesprochen blieb ein weiteres Risiko, das durch die Havarie von "BP" ausgelöst wurde und dadurch einen unkalkulierbaren politischen und wirtschaftlichen negativen Folgeaspekt zeitigen könnte. Man mag es verstehen wie man will, jedoch hinterlässt es einen bitteren Beigeschmack, wenn Reinhard Hönighaus in der Financial Times Deutschland am selben Tag auf Seite drei berichtet, dass 

 

"Als Konsequenz aus der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko von EU-Energiekommissar Günther Oettinger ein europaweiter Bohrstopp im Meer gefordert wird."

 

Worauf sich das Management indes nicht einlassen wollte, war ein Verjährungsverzicht betreffend potentielle Schadensersatzansprüche der Anleger, zumindest bis zu dem Zeitpunkt, zu welchem der "Petrobras-Deal" in trockenen Tüchern ist. 

4. Resümee

 

Die Verjährung etwaiger Ansprüche im Nacken, werden sich zahlreiche Kapitalanleger aufgrund der risikoschwangeren Anlage nunmehr verstärkt die Frage stellen müssen, ob sie rechtliche Hilfe in Anspruch nehmen oder ihre Ansprüche der Verjährung anheim fallen lassen, in der vagen Hoffnung, dass ihre Geduld irgendwann einmal von einer Ausschüttung belohnt wird.

 

Anlegern die eine Beteiligung an diesem Projekt halten, kann daher nur empfohlen werden Ihre Unterlagen von spezialisierten Rechtsanwälten überprüfen zu lassen, um sich eine Basis für eine Entscheidung zu schaffen.