HCI/MPC Deepsea Oil Explorer das nächste Desaster mit Totalverlust für deutsche Anleger?

06.07.20102101 Mal gelesen
100 Millionen US-Dollar Mehrkosten (netto 67,2 Millionen) für die HCI Deepsea Oil Explorer. Diese Finanzspritze will die HCI Deepsea Oil Explorer GmbH & Co. KG von ihren Anlegern auf der außerordentlichen Gesellschafterversammlung am 8. Juli 2010 im Hamburg abgesegnet wissen – das verunsichert!

Die Beteiligungsgesellschaft Deepsea Oil Explorer mbH & Co. KG fordert von ihren Anlegern die Absegnung der Finanzierung von Mehrkosten in Höhe von netto ca. 67, 2 Millionen US-Dollar.Anleger reagieren mit Verunsicherung. Noch hat ihre Anlage keinen Tropfen Öl gefunden. Angekündigte Ausschüttungen werden vertagt.

 

Handelt es sich bei dem eingeforderten Kapital gleichwohl um einen Tropfen - auf den heißen Stein?

 

Das ist die Frage, die sich zahlreiche Kapitalanleger im Vorfeld der nun anberaumten außerordentlichen Gesellschafterversammlung stellen, denn sie haben bereits enorme Summen investiert, in der Hoffnung jedenfalls ab 2010 von Ausschüttungen profitieren zu können. Die prognostizierte Brutto-Ausschüttung, bezogen auf die Zeichnungssumme sollte für 2010 bei 3 % liegen. Ab 2011 in Höhe von 9,4 % p.a. und für 2018 und 2019 in Höhe von 16 % p.a. 

 

Von diesem Ausschüttungsplan müssen die Anleger sich nunmehr verabschieden. Im Rahmen des erhöhten Finanzierungsbedarfs sollen die prognostizierten Auszahlungen überhaupt erstmals im Jahr 2018 erfolgen. Die Gesamtrückflussprognose wurde von ursprünglich 328 % auf 306 % der Zeichnungssumme (vor Steuern) herunterkorrigiert.

 

Hintergrund 

 

Der exorbitante Bedarf an Basisrohstoffen, wie Öl und Gas ist bekannt. Im Vorfeld der Förderung steht die Erkundung von neuen Öl- und Gasvorkommen. Hier setzte die Investition in die Tiefsee-Halbtaucher-Erkundungsplattform (sog. "Oil Rig") an. 

 

Die Kapitalanleger investierten in das Projekt über eine Beteiligung an der HCI Deepsea Oil Explorer GmbH & Co. KG. Gechartert auf zunächst sieben Jahre von der brasilianischen "Petrobas", woran der Staat nicht unerheblich beteiligt ist, stellte das Konzept auf grundsätzlich verlässliche Säulen. Ungewiss bleibt, wie attraktiv die darauffolgende Charter für die Plattform aussehen wird.

 

Beteiligungsart

 

Die kommanditistische Beteiligung der Kapitalanleger stattet diese unter anderem mit Kontrollrechten, Einsichts- und Teilnahmerechten aus. Die Ausübung ihrer Stimmrechte auf den Gesellschafterversammlungen gehört ebenfalls dazu und ist unmittelbar gefragt. Ebenso ihr Recht auf Ergebnisteilhabe, Entnahme-, Kündigungs- und Liquidationsrechte, das Recht auf Auseinandersetzungs- und Abfindungsguthaben, sowie das Recht auf außerordentliche Kündigung aus wichtigem Grund.

 

Demgegenüber hat der Anleger diverse Pflichten, etwa die Erbringung seiner Einlage sowie Treuepflichten.

  

Entwicklung

 

Die Entwicklung verlief alles andere als planmäßig. Die Fertigstellung des "Oil Rigs" hat und wird sich erheblich verzögern. Unter anderem die verspätete Lieferung von Bauzeichnungen hat die Verzögerung  der Fertigstellung verursacht. Der Finanzbedarf in dem benannten Rahmen ist dadurch erheblich gestiegen. Aber das dürfte nicht die einzige Unwägbarkeit sein, die das Gesamtprojekt auf wackligere Füße stellt, als ursprünglich gedacht. Sollte der Fall eintreten, dass die auf "Petrobas" folgende Charter massiv geringer ausfiele, was durch ein dauerhaftes Verbot von Tiefseebohrungen durch die USA bedingt sein könnte, so stünden die Anleger erneut vor einem Dilemma, das sie sich zuvor nicht hätten vergegenwärtigen wollen.

  

Brisanz

 

Die nunmehr anberaumte Gesellschafterversammlung am 8. Juli 2010 in Hamburg beabsichtigt, den Rettungsplan durchzuboxen. Die Bezeichnung als "Sanierungsplan" bleibt vorerst in der Schublade. Nun sind die Anleger gefragt. Der zu erwartende Andrang wird wegen der gestiegenen Unsicherheit groß sein.  

Leipold & Coll. vertreten eine Vielzahl von Anlegern auf dieser Gesellschafterversammlung.
 
Wer sogar über eine Rückabwicklung nachdenkt, sollte seine Unterlagen von einem Rechtsanwalt überprüfen lassen. Denn auch in diesem Fall gelten die klassischen Vorgaben einer korrekten Beratung beim Verkauf dieser Geldanlage. Sollte keine anlegergerechte oder anlagegerechte Beratung stattgefunden haben, hat jeder Anleger das Recht seine Beteiligung zurück zu geben und das eingesetzte Kapital inklusive entgangenen Gewinn zurück zu fordern. Auch das Thema "Kick-Back" dürfte hier erneut eine Rolle spielen. Sollten daher die einzelnen Anleger nicht über gezahlte Provisionen informiert worden sein, würde dies alleine schon zu einer Falschberatung mit der Konsequenz der Rückabwicklung führen.