Kapitalerhöhung in Krisenzeiten

13.04.20091856 Mal gelesen

Unternehmen, die mit Verlusten oder Abschreibungen kämpfen, können durch eine Kapitalerhöhung ihre Bilanzen verbessern. Auch in Fällen, in denen ein Unternehmen wegen restriktiver Vergabekriterien keine Bankkredite mehr erhält, bietet eine Kapitalerhöhung die – manchmal einzige – Lösung, die Kapitalbasis des Unternehmens zu verbessern. Auch wenn Unternehmen die Bilanz nicht durch Tilgung von Schulden verbessern können, werden sie verstärkt zu Kapitalerhöhungen greifen. Eine solide Bilanz und Eigenkapitalausstattung ist daneben auch maßgeblich für ein gutes Rating durch Ratingagenturen und für niedrige Kreditkosten für Fremdkapital.

Kapitalerhöhungen werden in 2009 vorwiegend in den Branchen erwartet, die von der aktuellen Wirtschaftskrise direkt betroffen sind – wie beispielsweise die Autozuliefererindustrie.
 
Viele größere, börsennotierte Unternehmen haben bereits Kapitalerhöhungen angekündigt. Bei der Kapitalerhöhung einer börsennotierten AG ist aus aktienrechtlicher Sicht unter anderem darauf zu achten, ob das Unternehmen Stückaktien oder Nennwertaktien herausgegeben hat. Das Aktienrecht verbietet eine Emission junger Aktien unter pari. Das heißt, der Bezugspreis neuer Aktien muss immer mindestens so hoch sein wie ihr Nennwert. Notiert eine Aktie an der Börse unterhalb ihres Nennwerts, ist eine Kapitalerhöhung aktienrechtlich ausgeschlossen. Die meisten deutschen Unternehmen haben jedoch Stückaktien ohne Nennwert ausgegeben, sodass eine Kapitalerhöhung in den wenigsten Fällen an dieser Frage scheitern dürfte.
 
Gerade kleinere Unternehmen in der Rechtsform einer Personengesellschaft sehen sich dagegen eher mit dem Problem konfrontiert, auf welche Weise und mit welchen Mitteln sie neues Kapital und neue Investoren in einer Krisensituation des Unternehmens finden können. Die Altgesellschafter sind in solch einer Lage häufig nicht mehr bereit oder fähig, weiteres Kapital aufzubringen.
 
Das Grandhotel Heiligendamm an der Ostsee  – auch die weiße Stadt am Meer genannt - bietet ein aktuelles Beispiel, wie unter Einbeziehung der Altgesellschafter Lösungswege in einer Krisensituation mittels einer Kapitalerhöhung entwickelt werden können.
 
Die Krise des Luxushotels Heiligendamm, welches als GmbH & Co KG firmiert, war durch die Kündigung des Kredits einer finanzierenden Bank über 15 Mio EUR ausgelöst worden. Die Zuführung frischen Kapital wurde in diesem Zusammenhang dringend notwendig, um die Rückführung verschiedener Verbindlichkeiten zum Zeitpunkt ihrer Fälligkeit zu ermöglichen. Der Verkaufsprospekt für die avisierte Kapitalerhöhung führt aus: „Sollte eine Platzierung des Kommanditkapitals nicht in der zur Rückführung notwendigen Höhe zum Zeitpunkt ihrer Fälligkeit erfolgen, ist eine Insolvenz der Gesellschaft möglich.“
 
Die Altgesellschafter hatten damit die Wahl, der Kapitalerhöhung nicht zuzustimmen und einen Großteil ihres eingesetzten Kapitals zu verlieren – oder der Kapitalerhöhung zuzustimmen und sich damit die Möglichkeit zu eröffnen, an den Gewinnen einer sanierten Gesellschaft teilzuhaben.
 
Die Zustimmung zur Kapitalerhöhung forderte den Altgesellschaftern jedoch weitere Opfer ab. Um überhaupt Investoren in Zeiten der Finanzkrise finden zu können, wurden Neugesellschafter mit Vorzugskonditionen angelockt: 7 % der Ausschüttung aus der jährlichen Liquiditat stehen zunächst den Neuzeichnern zu, erst jenseits dieser Schwelle kommen die Altgesellschafter zum Zuge. Die Neugesellschafter haben auch eine bevorzugte Stellung, wenn die Sanierung von Heiligendamm wider erwarten nicht erfolgreich sein sollte. Dann werden sie bei der Verteilung des nicht unerheblichen Vermögens als Erste bedient werden.
 
Die Kanzlei Landgraf Schneider RAe PartG in Frankfurt ist schwerpunktmäßig in den Bereichen des Gesellschaftsrechts, Kapitalmarktrechts, Bankrechts und des Internationalen Rechts tätig. Wir unterstützen unsere Mandanten mit dem notwendigen betriebswirtschaftlichen Hintergrundwissen bei Maßnahmen der Unternehmensfinanzierung wie bspw. Kapitalerhöhungen, Aktienemissionen oder Privatplatzierungen.
 
Ansprechpartner: RAin Mareen Schneider, Landgraf Schneider RAe PartG, Zeppelinallee 21, 60325 Frankfurt, Tel. 0049 (0)69 7137318-0, [email protected]