Die typisch stille Gesellschaft bzw. Beteiligung

Die typisch stille Gesellschaft bzw. Beteiligung
26.01.2016275 Mal gelesen
Die stille Beteiligung ist ein wichtiges Instrument der mittelständischen Unternehmensfinanzierung. Was Unternehmer und Investoren über die typisch stille Beteiligung wissen sollten, lesen Sie hier.

Eine stille Gesellschaft ist – juristisch ausgedrückt – die Gewährung einer Vermögenseinlage in das Handelsgewerbe eines anderen gegen die Beteiligung am Gewinn des Handelsgewerbes. Eine Beteiligung am Verlust kann, muss aber nicht, vereinbart werden. Bei Vereinbarung einer Verlustbeteiligung ist diese bis zur Höhe der geleisteten Vermögenseinlage begrenzt.

Das Modell der stillen Gesellschaft

Eine oder mehrere Personen (z.B. natürliche Person; GbR, OHG, KG, GmbH) als sog. stille Gesellschafter tuen sich mit einem Geschäftsinhaber (z.B. Einzelkaufmann; OHG, KG, GmbH) zusammen und bilden gemeinsam mit dem Geschäftsinhaber eine sog. stille Gesellschaft.

Die stille Gesellschaft ist eine sog. Innengesellschaft, d.h. eine Gesellschaft Bürgerlichen Rechts (GbR), die nicht nach außen hin tätig und sichtbar wird. Die stille Gesellschaft hat den weiteren Vorteil, dass Sie grundsätzlich nicht im Handelsregister eingetragen werden muss, die stille Beteiligung bleibt also geheim.

Vermögenseinlage des Investors gegen Gewinnbeteiligung und Kontrollrechte

Der stille Gesellschafter kann als Vermögenseinlage Geld jede in Geld bewertbare und übertragbare Leistung/Gegenstand zur Verfügung stellen. Denkbar ist beispielsweise die Erbringung von Dienstleistungen oder Bereitstellung von Betriebsausrüstung.

Im Gegenzug wird der stille Gesellschafter am Gewinn, nicht aber am Verlust der stillen Gesellschaft beteiligt. Dem stillen Gesellschafter werden üblicherweise gewisse Informations- und Kontrollrechte eingeräumt.

Beispiel für eine stille Beteiligung

Beispiel: A betreibt als Alleingesellschafter und einziger Geschäftsführer ein IT-Unternehmen in Form einer GmbH. A möchte expandieren, ihm fehlt es jedoch am nötigen Kapital. A möchte zudem weiter als Alleingesellschafter und einziger Geschäftsführer die volle Kontrolle über das Unternehmen behalten. B ist bereit, A Kapital zur Verfügung zu stellen. Als Gegenleistung möchte er eine Gewinnbeteiligung.

Bilanzierung der Einlage bei dem Geschäftsinhaber und beim stillen Gesellschafter

Die Einlage des stillen Gesellschafters wird grundsätzlich als Fremdkapital angesehen. Das wirkt sich bei der typisch stillen Beteiligung negativ in der Bilanzierung und im Insolvenzfall aus. Der stille Gesellschafter ist schlicht ein weiterer Gläubiger des Geschäftsinhabers.

Wenn die Gesellschafter einer stillen Gesellschaft aber vereinbaren, dass

• das Kapital langfristig überlassen wird (mindestens 5 Jahre)
• der Rückzahlungsanspruch des „Stillen“ nachrangig und
• und die Vergütung des „Stillen“ erfolgsabhängig ist, er also das Verlustrisiko trägt,

wird die Einlage des „Stillen“ als Eigenkapital bewertet.

Grundsätzlich ist die stille Beteiligung bei dem „Stillen“ als Forderung zu verbuchen. Jedoch ist es auch denkbar, die stille Beteiligung so zu gestalten, dass jene als Beteiligung in der Bilanz ausgewiesen wird.

Besteuerung bei dem stillen Gesellschafter - stille Beteiligung als Teil des Privatvermögens bzw. Teil des Betriebsvermögens

Die Einkünfte des stillen Gesellschafters werden grundsätzlich mit der Abgeltungssteuer in Höhe von 25 % besteuert. Der Geschäftsinhaber führt die Steuerschuld für den stillen Gesellschafter ab.

Einkünfte aus einer stillen Gesellschaft sind als sog. gewerbliche Einkünfte anzusehen. Sie unterliegen damit den jeweiligen Vorschriften des Einkommenssteuerechtes (Personengesellschaften) oder des Körperschaftssteuergesetzes (Kapitalgesellschaften) und ggfls auch dem Gewerbesteuergesetz.

Besteuerung bei dem Geschäftsinhaber

Der dem Geschäftsinhaber von dem stillen Gesellschafter gewährte Vermögenswert ist als Fremdkapital anzusehen. Der Gewinnanteil des stillen Gesellschafters ist eine Betriebsausgabe. Mit Blick auf gewerbesteuerpflichtige Unternehmen gilt, dass 25 % des Gewinnanteils des stillen Gesellschafters dem Gewerbeertrag hinzugerechnet werden.

Befindet sich die stille Beteiligung im Betriebsvermögen des „Stillen“, so kommt es zu einer gewerbesteuerlichen Doppelbelastung. Der Gewinnanteil unterliegt in Höhe von 25 % bei dem Geschäftsinhaber und in voller Höhe bei dem Stillen der Gewerbesteuer.

Vor diesem Hintergrund kann es, mit Blick auf eine gewerbesteuerliche Optimierung, ratsam sein, sich mit der sog. atypisch stillen Gesellschaft zu befassen. Dazu mehr in einem gesonderten Beitrag.

Weitere Informationen zur Unternehmensfinanzierung und zur stillen Beteiligung finden Sie hier:

http://www.rosepartner.de/rechtsberatung/finanzdienstleistungen-finanzierung/unternehmensfinanzierung.html

http://www.rosepartner.de/rechtsberatung/finanzdienstleistungen-finanzierung/stille-beteiligung-stiller-gesellschafter.html