Zins-(Währungs)-Swaps auf CHF - Russisch Roulette oder Aktives Zinsmanagement ?

07.01.2011806 Mal gelesen
Wie deutsche Banken Kunden an den finanziellen Abgrund treiben können.

In den vergangenen Monaten melden sich immer mehr Kunden unterschiedlicher deutscher Banken mit Zins-Währungs-Swaps auf Basis des CHF. Diese Derivatgeschäfte mussten aufgrund des sehr stark werdenden CHF enorm hohe Verluste hinnehmen, so dass die negativen Marktwerte oftmals die Bezugsgröße überschritten haben. So kann ein solches Geschäft beispielsweise eine Bezugsgröße von 5 Mio. Euro haben, aber der negative Marktwert beträgt über 6 Mio. Euro. Aus diesem Beispiel lässt sich hervorragend erkennen, dass das von den Banken in Gerichtsverfahren oftmals als theoretisch dargestellte "unendliche Verlustrisiko" nicht so theoretisch ist, wie es sich die Banken vorgestellt haben.

Für die betroffenen Bankkunden die solche Geschäfte immer unter dem Gesichtspunkt eines "Aktiven Zinsmanagements" angeboten bekommen haben, kann das sehr schnell zum finanziellen Aus führen. Dadurch das diesen Geschäften fast immer eine Finanzierung als Grundgeschäft vorgelagert ist, können sich die Schulden der Kunden sehr schnell verdoppeln oder noch mehr werden. Der Kunde muss dann im Zweifel nicht nur seine Finanzierung zurück führen, sondern auch noch den negativen Marktwert am Ende der Laufzeit oder bei Auflösung ausgleichen. Dies ist wiederum für die meisten Kunden finanziell gar nicht möglich. So wurde der ursprüngliche Gedanke Zinsen zu sparen, zu einem finanziellen Desaster. 

Allerdings haben die Kunden die Möglichkeit sich dagegen zu wehren . So haben Gerichte im ganzen Land die Banken im Falle von Gerichtsverfahren zur Rückabwicklung der Geschäfte verurteilt. So zuletzt das LG München I und das OLG Stuttgart das diese Geschäfte selbst als durch die Banken konstruiertes Glücksspiel bezeichnet.

Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht Michael Leipold der bereits mehrere Kunden erfolgreich vertreten hat meint dazu:" Die beratenden Banken haben in allen bekannten Fällen ihre Aufklärungspsflichten verletzt. Offenbar ist man intern bei den Banken von einem rein theoretischen unbegrenzten Verlustrisiko ausgegangen, dass sich im Nachhinein als realistisch dargestellt hat."

Nach dem es sich in allen Fällen um Eigengeschäfte mit den jeweiligen Banken selbst handelt kann auch nur diese aufgrund von interner Software den genauen Marktwert errechnen und eine entsprechende Risikoeinschätzung abgeben. 

Das Interesse der Bank liegt dabei auf der Hand. Verliert ihr Kunde, gewinnt die Bank.

Betroffenen Kunden wird daher empfohlen ihre Unterlagen von spezialisierten Rechtsanwälten prüfen zu lassen. Einen Grund den entstandenen Schaden auszugleichen, gibt es nach der aktuellen Rechtsprechung jedenfalls nicht.