OLG Stuttgart verurteilt IFF AG, vertr. durch Michael Turgut, zum Schadensersatz!

11.11.20101556 Mal gelesen
IFF AG wegen Pflichtverletzung bei Anlageberatung zum Schadensersatz verpflichtet

Mit Urteil vom 29.10.10 hat das Oberlandesgericht Stuttgart die IFF AG, Zukunftsunternehmen für Investment, Fonds, Finanzen, vertreten durch ihren Vorstand Michael Turgut, zum Schadensersatz aus einem Anlageberatungsvertrag verurteilt. Das vorangegangene Urteil des Landgerichts Stuttgart wurde im Wesentlichen bestätigt.

Der Kläger hatte, vermittelt durch eine Beraterin, die für die IFK tätig war, einen Vertrag mit Multi Advisor Fund abgeschlossen. Das OLG Stuttgart hat festgestellt, daß unstreitig sei, daß IFK lediglich ein anderer Name für die Direktion der IFF AG sei.

Bei der Beratung des Klägers kam es allerdings zu einer Pflichtverletzung der Beraterin: der Kläger wurde nämlich nicht auf einen möglichen Totalverlust hingewiesen.

Das OLG Stuttgart führt hierzu aus: "Zu den Umständen, auf die ein Anlageberater hiernach hinzuweisen hat, gehört insbesondere die in Ermangelung eines entsprechenden Markts fehlende oder sehr erschwerte Möglichkeit, eine Beteiligung an einer GbR zu veräußern. Die praktisch fehlende Aussicht, eine solche Beteiligung zu angemessenen Konditionen verkaufen zu können, ist ein Umstand, der für den durchschnittlichen Anleger für seine Anlageentscheidung von erheblicher Bedeutung ist. Die Bedingungen, zu denen ein Anleger auch auf langfristig festgelegtes Geld vorzeitig zugreifen kann, sind typischerweise ein wesentliches Element seiner Investitionsentscheidung. Weiterhin muß der Anleger über ein etwaiges Risiko des Totalverlusts der Anlage aufgeklärt werden."

Im entschiedenen Fall war zudem der Prospekt nicht rechtzeitig, sondern erst in dem Gespräch übergeben worden, infolge dessen der Kläger dann auch den Vertrag unterzeichnete.

Das OLG Stuttgart führt weiter aus, daß, selbst wenn der Prospekt hinreichende Aufklärung vermittle, dies kein Freibrief für den Berater oder Vermittler sei, Risiken abweichend hiervon darzustellen und mit seinen Erklärungen ein Bild zu zeichnen, das die Hinweise im Prospekt entwertet oder für die Entscheidung des Anlegers mindert.

Im Beratungsgespräch wurde dem Kläger suggeriert, daß ein Totalverlust praktisch ausgeschlossen sei. Dies führte nach den Ausführungen des Gerichts zur Pflichtverletzung mit der Folge der Schadensersatzverpflichtung.

Anleger bei Multi Advisor Fund haben nach diesem Urteil, in welchem die Revision nicht zugelassen wurde, also gute Chancen, bei ähnlich oder gleich gelagertem Sachverhalt aus ihren Verträgen herauszukommen, und sollten sich fachkundige Hilfe bei einem Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht suchen!