Scheidung und Trennung – wer hat Anspruch auf Unterhalt?

18.05.2017209 Mal gelesen
Ratgeber: Finanzielle Probleme nach einer Trennung abfangen. Im Jahr 2015 wurden über 160.000 Ehen geschieden – übrigens die meisten schon nach sechs Jahren. Wenn sich zwei Partner trennen und Kinder aus der Ehe oder Partnerschaft hervorgegangen sind, steht das Thema Unterhalt im Raum.

Ratgeber: Finanzielle Probleme nach einer Trennung abfangen

Im Jahr 2015 wurden über 160.000 Ehen geschieden - übrigens die meisten schon nach sechs Jahren. Wenn sich zwei Partner trennen und Kinder aus der Ehe oder Partnerschaft hervorgegangen sind, steht das Thema Unterhalt im Raum.

Auch heute ist es noch eher die Regel als die Ausnahme, dass einer der Partner - meist die Ehefrau - zumindest eine Zeit lang aus dem Arbeitsleben ausscheidet, um die gemeinsamen Kinder zu erziehen und den Haushalt zu führen. Kommt es dann zu einer Trennung, so würde der Partner ohne geregeltes Einkommen und Unterhalt zunächst in den finanziellen Abgrund stürzen.

Höchsten Stellenwert hat nun der Kindesunterhalt. Jedes Kind hat einen Anspruch auf Unterhalt. Das ist immer dann kein Problem, wenn die Eltern zusammen leben, denn der Unterhalt ist Teil des gemeinsamen Lebens mit Wohnung, Ernährung, Kleidung etc. Erst nach einer Trennung oder Scheidung muss der Elternteil, bei dem das Kind nicht lebt, sog. Barunterhalt leisten, also Geld zahlen.

Die Basis zur Berechnung des Unterhalts bildet die sog. Düsseldorfer Tabelle. Sie wurde 1962 vom OLG Düsseldorf eingeführt und seitdem regelmäßig an die veränderten Selbstbehalte angepasst. Für die Berechnung des Unterhalts ist das Einkommen der Eltern / Ehegatten maßgeblich. Aus der Düsseldorfer Tabelle lässt sich dann der Unterhaltsbetrag entnehmen. Zum unterhaltsrechtlichen Einkommen gehört dabei mehr als das tatsächlich geflossene Geld aus verschiedenen Einkünften. Es umfasst darüber hinaus auch geldwerte Vorteile oder sogar fiktive Einkünfte.

Ganz wichtig: Wenn der Ex-Partner seine Unterhaltszahlungen nicht leistet, kann der Partner, bei dem die Kinder leben, einen Unterhaltsvorschuss beantragen. Dieser soll helfen, die schwierige Phase begrenzt zu überbrücken. Hier tritt die Unterhaltsvorschusskasse des Jugendamtes in Vorleistung und zahlt den Unterhaltsvorschuss. Das Jugendamt fordert das vorgestreckte Geld vom Schuldner zurück oder klagt es ein.

Nach einer Trennung oder Scheidung kann daneben auch der finanziell schwächer gestellte Ehepartner Anspruch auf Ehegattenunterhalt haben. Dabei ist grundsätzlich zwischen zwei Formen des Ehegattenunterhalts zu unterscheiden, denn für beide gelten unterschiedliche Voraussetzungen: Wenn sich Ehegatten trennen - also im Trennungsjahr - hat der wirtschaftlich schwächere Partner bis zur Scheidung Anspruch auf sog. Trennungsunterhalt. Er soll sich dadurch leichter auf die veränderten Lebensumstände vorbereiten können. Nach einer rechtskräftigen Scheidung endet der Anspruch auf den zuvor gewährten Trennungsunterhalt. Beide Ex-Partner sollen ab diesem Zeitpunkt selbst für ihren Lebensunterhalt sorgen.

Jedoch kann auch nach der Scheidung ein Anspruch auf nachehelichen Ehegattenunterhalt entstehen. Beispielsweise wenn der finanziell schwächer gestellte Partner durch die Ehe - besonders in Hinsicht auf eine versäumte eigene berufliche Karriere - Nachteile erfahren hat. Der Anspruch auf nachehelichen Ehegattenunterhalt wird im Einzelfall vom Gericht entschieden. Unser Tipp: Das Unterhaltsrecht ist sehr komplex, daher empfiehlt sich die Unterstützung durch einen erfahrenen Rechtsanwalt.