Reiserücktrittskosten-Versicherung: Bei Gesundheitsbeschwerden nicht voreilig stornieren!

03.11.2010683 Mal gelesen
Berlin, den 3.11.2010: Bei einer Krankschreibung muss die geplante Reise nicht sofort abgesagt werden, um Stornokosten für die Reiserücktrittskosten-Versicherung niedrig zu halten. Erst wenn der behandelnde Arzt nach einer eingehenden Untersuchung und Diagnose dem Versicherten davon abrät, die Reise anzutreten, muss storniert werden.

Der Fall
Eine Frau hatte gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten eine Pauschalreise gebucht. Mit dem Reisevertrag schloss sie für beide eine Reiserücktrittskosten-Versicherung ab. Der Reisevertrag sah vor, dass bei einem Rücktritt bis 30 Tage vor Beginn der Reise 20 % und bei einem Rücktritt ab dem sechsten Tag vor Reisebeginn 65 % des Reisepreises zu zahlen sind.
Etwa zwei Monate vor Reisebeginn begab sich der Mann wegen Rückenschmerzen zum Hausarzt und wurde wegen eines LWS-Syndroms krankgeschrieben. Durch Schmerzmittel und Massagen besserten sich die Beschwerden zeitweise. Vier Tage vor dem beabsichtigten Reiseantritt fand eine Spezialuntersuchung statt, bei der ein Bandscheibenvorfall diagnostiziert wurde. Daraufhin stornierte die Frau die Reise wegen medizinisch bedingter Reiseunfähigkeit des Mannes und machte Stornokosten in Höhe von 65 % des Reisepreises gegenüber dem Versicherer geltend. Doch dieser wandte ein, dass die Reise schon zu Beginn der ersten Behandlung hätte abgesagt werden müssen, sodass nur 20 % Stornokosten zu erstatten seien. Schließlich habe der Arzt die Frage, ob beim ersten Arztbesuch erkennbar gewesen sei, ob der Patient zu diesem Zeitpunkt reisefähig war, mit "Nein, nicht zumutbar" beantwortet.

 

Die Entscheidung
Das Oberlandesgericht Frankfurt/M. sprach den Versicherten die geltend gemachten Stornokosten von 65 % des Reisepreises zu. Die Reise musste erst nach der Feststellung des Bandscheibenvorfalls abgesagt werden. Die Erkrankung des Mannes habe im Laufe der Behandlungen unterschiedliche Symptome aufgewiesen und die Beschwerden seien selbst kurz vor Reisebeginn nicht so eindeutig gewesen, dass ein Anlass bestand, die Reise schon beim ersten Arztbesuch abzusagen.

 

Oberlandesgericht Frankfurt/M., Urteil vom 26.05.2010, Az.: 7 U 166/09

 

Kommentar
Die Entscheidung des Gerichts ist begrüßenswert. Sie nimmt Betroffenen den Druck, bei unklaren Beschwerden gleich eine Reise absagen zu müssen, um Stornokosten zu minimieren. Immerhin hatte der behandelnde Arzt noch bis zu dem Tag, an dem der Bandscheibenvorfall diagnostiziert wurde, trotz bestehender Schmerzen zur Reise geraten. Seine von der Versicherung bemühte Aussage zur Reiseunfähigkeit bezog sich lediglich auf den Beginn der Behandlung, als die Reise tatsächlich nicht hätte angetreten werden können.
Man merke sich die Aussage der Richter in der Urteilsbegründung: Der Versicherte muss nicht klüger sein als sein Hausarzt!

 

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