Zertifikate: Schadenersatz wegen grober Verletzung des Beratungsvertrages

28.04.20101399 Mal gelesen
Berlin, den 27.04.2010: Das Landgericht (LG) Duisburg hat eine Bank wegen Verletzung von Beratungspflichten ihres Mitarbeiters – hier vorsätzliche und arglistige Täuschung - zu vollem Schadenersatz verurteilt.
 
Der Fall
Der Mitarbeiter einer Bank verkaufte nach Beratungsgesprächen einem über Siebzigjährigen am 30.10.2007 und 13.12.2007 100 "Bonus Express Zertifikate 2,000% Defensiv", ISIN DE000A0S1160, für eine Gesamtsumme von 102.000 € und 50 "Bonus Express Zertifikate 2,000% Defensiv", ISIN DE000A0SUEV6, im Gesamtnennwert von 50.500 € mit Ausgabeaufschlägen.
Das Anlageziel war, Geldvermögen zum Zweck der Altersvorsorge sicher anzulegen. Die Sicherheit der Anlage sollte unter allen Umständen der Renditeerwartung vorgehen. Dieses Ziel brachte der Anleger bei beiden Beratungsgesprächen unmissverständlich zum Ausdruck. Aus dem umfangreichen Prospekt wurden dem Anleger lediglich zwei Fotokopien zur Verfügung gestellt.
Nach der Insolvenz der amerikanischen Bank realisierte sich das gegenüber dem Anleger ausdrücklich verneinte Risiko eines Totalverlustes. Daraufhin klagte er.
 
Die Entscheidung
Das LG verurteilte die Bank, die sich das Verhalten ihres Mitarbeiters zurechnen lassen muss, zu einer Schadenersatzzahlung von 152.500 € wegen Verletzung des zwischen dem Anleger und ihr geschlossenen Beratungsvertrages. In diesem Fall wurde der Anleger vorsätzlich und arglistig getäuscht.
Der Mitarbeiter der Bank hatte dem Anleger nachweislich nur unvollständige Kopien zukommen lassen und damit bewusst manipuliert. Durch die Manipulationen sollten vor allem die Risikohinweise einschließlich des Hinweises auf das Bonitätsrisiko der Emittentin und der Garantin unterdrückt werden. Wenn der Anleger von den erheblichen Risiken der Papiere gewusst hätte, hätte er diese nicht erworben.
 
 
Der Kommentar
Im vorliegenden Fall handelt es sich um die schlimmste Form der Beratungspflichtverletzung, die vorsätzliche und arglistige Täuschung. Auch wenn derartig dreiste Manipulationen des Emissionsprospektes und ggf. auch des Flyers durch den Anlageberater mit dem Ziel des Verkaufens "um jeden Preis" eher seltener vorkommen,  sind Beratungspflichtverletzungen keineswegs selten.
Zertifikate sind davon besonders betroffen, da die Bezeichnung "Zertifikat" bei dem "Normalverbraucher" eher eine besondere Versicherung bzw. Absicherung assoziiert. Das Spekulative dieser Anlageform, der Wettcharakter, bleibt ohne entsprechende Aufklärung so meist im Verborgenen. Dadurch fällt es unseriösen Anlageberatern bei Zertifikaten nicht sonderlich schwer, diese an arglose Kunden zu vermitteln.
 
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