Untersuchung auf Zwillingsträchtigkeit als Nebenpflicht des Pferdebesamungsvertrags

Untersuchung auf Zwillingsträchtigkeit als Nebenpflicht des Pferdebesamungsvertrags
29.03.2012457 Mal gelesen
1. Der auf die Besamung einer Pferdestute gerichtete tierärztliche Behandlungsvertrag umfasst per se die Pflicht des Tierarztes, auf das Erfordernis einer weiteren Untersuchung zur Feststellung des (Nicht-)Vorliegens einer Zwillingsträchtigkeit hinzuweisen, um damit einen gesunden, risikoarmen Verlauf der Trächtigkeit zu gewährleisten. 2. Zu den Voraussetzungen und Folgen eines Befunderhebungsfehlers beim Tierarztvertrag.

Sachverhalt:

Die Parteien streiten um Schadensersatzansprüche der Kl. wegen einer Pflichtverletzung des Bekl. aus einem tierärztlichen Behandlungsvertrag. Die Kl. ist Pferdezüchterin und beauftragte den Bekl. im Frühjahr 2006 damit, bei ihrer Stute S durch Besamung eine Trächtigkeit herbeizuführen. Das daraus entstandene Fohlen sollte im Jahre 2007 verkauft werden. Nachdem der Bekl. am 12. und 14. 4. 2006 bei der Stute Besamungen durchgeführt hatte, stellte er bei einer Ultraschalluntersuchung am 29. 4. 2006 (15. bzw. 17. Tag der Besamung) die Trächtigkeit fest. Die vorliegende Zwillingsträchtigkeit erkannte er nicht. Weitere Untersuchungen fanden zunächst nicht statt, bis der Bekl. am 15. 2. 2007 wegen Koliksymptomen, unter denen S litt, um eine Behandlung gebeten wurde. Nach der Untersuchung wies er die Stute in die Tierklinik B ein. Zur Behandlung der Kolik führte der Tierarzt Dr. A bei S einen Kaiserschnitt aus und entband zwei Fohlen, die in den Tagen nach der Geburt starben. Für seine Tätigkeit stellte er der Kl. 5092,81 Euro in Rechnung, die zwischenzeitlich von ihr beglichen wurden. In dem Folgejahr 2007/2008 schlug die geplante Besamung der Stute fehl. Die Kl. hat die Kosten der Kolikbehandlung in Höhe von 5092,81 Euro sowie Ersatz für die ausgebliebenen Fohlen der Zuchtjahre 2006/2007 und 2007/2008 geltend gemacht.

Das LG hat der Klage auf Schadensersatz nur teilweise stattgegeben. Von den beiderseits eingelegten Berufungen hatte nur die Berufung der Kl. teilweise Erfolg.