Film- und Fotoapparate-Versicherung: Zur Fahrlässigkeit und Quotierung der Leistung bei einem Diebstahl

07.10.2011386 Mal gelesen
Berlin, den 7. Oktober 2011. Wird Gepäck am Flughafen unbeaufsichtigt gelassen und es kommt dadurch zum Diebstahl, kann der Versicherer – je nach Grad der Fahrlässigkeit – den Anspruch auf Schadensersatz kürzen. Eine Reduzierung der Leistungen „auf Null“ ist aber so gut wie ausgeschlossen.

Der Fall
Ein selbstständiger Kameramann fand nach der Landung sein aufgegebenes Gepäck nicht auf dem Gepäckband wieder. Während er deshalb mit einer Flughafenangestellten sprach, wurde ihm sein Handgepäck mit der Kameraausrüstung im Wert von 40.000 Euro entwendet, das er während des Gesprächs am Lost & Found Schalter auf einem Trolley hinter sich abgestellt hatte. Für diese Ausrüstung hatte er eine gesonderte Versicherung zum Schutz vor Diebstahl und Beschädigung abgeschlossen.
Der Kameramann meldete den Verlust seinem Versicherer. Doch dieser verweigerte die Leistungsübernahme, weil der Versicherte den Schaden grob fahrlässig verursacht habe. Er hätte die Taschen entweder am Körper tragen oder sie laufend im Blick behalten müssen.
Da der Versicherte den Einwand des Versicherers nicht akzeptierte und sich mit dem Schaden nicht abfinden wollte, klagte er schließlich.

Die Entscheidung
Das Gericht gab der Klage auf Zahlung einer Entschädigung für die abhanden gekommene Ausrüstung teilweise statt.
Das Gericht stellte fest, dass der Kläger sich grob fahrlässig verhalten habe, weil er während seines Gesprächs mit der Flughafenangestellten lediglich Körperkontakt zum Bügel des Trolleys, nicht jedoch zu den Taschen mit der Kameraausrüstung hatte. Der Trolley habe sich zeitweilig seitlich hinter ihm befunden, sodass er die Taschen nicht ständig im Blick hatte. Das stelle eine Verletzung der erforderlichen Sorgfalt in ungewöhnlich hohem Maße dar.
Dem Versicherten sei es zuzumuten gewesen, die Taschen mit dem wertvollen Inhalt bei einem Gewicht von ca. acht bis zehn Kilogramm umzuhängen bzw. zwischen seine Beine oder vor sich abzustellen.
Der Versicherer sei deshalb berechtigt, die Leistung wegen grober Fahrlässigkeit zu kürzen. Allerdings müsse die Schwere des Verschuldens berücksichtigt werden. Da der Versicherte das Gepäck für maximal eine Minute nicht im Blick hatte, sei eine volle Versagung des Versicherungsschutzes ungerechtfertigt. Unter den genannten Umständen hielt das Gericht eine Kürzung seines Anspruchs um 40 % für gerechtfertigt.

Landgericht Hannover, Urteil vom 17. September 2010, Az.: 13 O 153/08
 
Kommentar
Nach dem bis 2007 geltenden Versicherungsvertragsgesetz wurde der Versicherer vollständig von der Verpflichtung zur Leistung frei, wenn der Versicherte grob fahrlässig gehandelt hatte. Seit 2008 gilt das quotale Leistungskürzungsrecht des Versicherers. Insofern konnte der Kameramann in diesem Fall mit der Entscheidung des Gerichts zufrieden sein, wenngleich die Bewertung der Unaufmerksamkeit von ca. einer Minute als „Verletzung der erforderlichen Sorgfalt in ungewöhnlich hohem Maße“ übertrieben erscheint. Dies auch deshalb, weil sich der Versicherte bei der Suche nach seinem Gepäck in einer angespannten Situation befand.
Grob fahrlässig handelt im Versicherungsrecht, wer die im Verkehr erforderliche Sorgfalt in besonderem Maße verletzt, ganz einfache, naheliegende Überlegungen vernachlässigt und nicht beachtet, was im gegebenen Fall jedem einleuchten musste.
In welcher Quote gekürzt werden darf, wird mangels höchstrichterlicher Entscheidung unterschiedlich gehandhabt.
Daher tut der geschädigte Versicherte gut daran, den Fall möglichst frühzeitig von einem Fachanwalt für Versicherungsrecht prüfen zu lassen und ihn ggf. mit der Schadensregulierung zu beauftragen.

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