Prozesskostenfonds sind Risikofonds

01.02.20071316 Mal gelesen

Prozessfinanzierer
Die gewerbsmäßige Prozessfinanzierung ermöglicht es potentiellen Klägern, denen für eine Klage entweder das Geld fehlt oder denen das Prozessrisiko zu hoch ist, ihre Klage fremdfinanzieren zu lassen. Erscheint dem Prozessfinanzierer der Fall aussichtsreich, dann übernimmt er gegen eine Beteiligung am Prozesserfolg die Finanzierung des Prozesses. Dafür kassiert der Prozessfinanzierer - gestaffelt nach der Streitsumme - zwischen 20 und 50% vom Streitwert.



Prozesskostenfonds
Prozesskostenfonds sind eine relativ junge Anlagemöglichkeit am Kapitalmarkt. Bei diesen Fonds sammeln Prozessfinanzierer Geld, um „lukrative“ Gerichtsprozesse gewinnbringend zu finanzieren.
Die Anleger investieren einen Mindestbetrag – oft ab 5.000 € zzgl. 5% Agio – in den Fonds, der für eine mehrjährige Laufzeit geplant wird. Nach der Schlussausschüttung ist die Anlage beendet.



Fondsgestützte Prozessfinanzierer in Deutschland:

  • Juragent AG (Erste Juragent GmbH & Co. Prozesskostenfonds KG
    Zweite Juragent GmbH & Co. Prozesskostenfonds KG

    Dritte Juragent GmbH & Co. Prozesskostenfonds KG

    Vierte Juragent GmbH & Co. Prozesskostenfonds KG)
  • Prozessgarant AG (Erster ProzessGarant GmbH & Co. KG)
  • Jurinvest KG (Erste Jurinvest GmbH & Co. Prozesskostenfonds KG)

Die Versprechungen
Fondsgesellschaften, die Prozesskostenfonds aufgelegt haben, werben mit lukrativen Ausschüttungen, überdurchschnittlichen Renditen und nicht zuletzt mit Steuervorteilen für die Anleger.



Risiko
Trotz sorgfältiger Erfolgseinschätzung durch versierte Juristen (Anwälte, Richter a.D. etc.) sind sowohl die Erfolgsaussichten bei Gericht als auch die Prozessdauer schwer zu kalkulieren. Besonders die Prozessergebnisbewertung ist kompliziert. Die Forschungsstelle Finanzierung von Gerichtsprozessen der Humboldt-Universität zu Berlin geht von einer Treffsicherheit von ca. 53 % aus, die auf über 70 % ansteigen könne.* Der Prozessfinanzierer Juragent wirbt z.B. mit einer Erfolgsquote von 70 % …
Kurzum: Es ist nicht auszuschließen, dass mehr Prozesse verloren gehen als kalkuliert bzw. die Prozesse erheblich länger dauern als vermutet. Dadurch ergibt sich für alle Anleger, die in solche Fonds investieren, ein hohes Risiko.



Die Zeitschrift Finanztest warnt
In ihrer aktuellen Ausgabe warnt Finanztest (2/2007, S. 19) vor dem größten Anbieter von Prozesskostenfonds, der Juragent AG. Der aktuelle Fonds dieses Prozessfinanzierers steht ebenso auf der Finanztest-Warnliste wie die Fonds der Firmen Prozessgarant AG und Jurinvest. Kein Anbieter habe bislang den Erfolg seines Modells unter Beweis gestellt.
Im Fall von Juragent moniert die Zeitschrift außerdem die Intransparenz des Unternehmens. Finanztest deckte schließlich auch noch auf, dass ein Mitglied des Aussichtsrates, „der Kontrolleur“, der sicherstellen soll, „dass Juragent mit dem Anlegergeld korrekt umgeht“ (S. 19) in Untersuchungshaft saß, da ihm die Veruntreuung von Geld vorgeworfen wurde.



Was tun?
Die Investition in einen Prozesskostenfonds ist eine spekulative Anlage, die im schlimmsten Fall zum Totalverlust der Einlage führen kann. Wir raten deshalb allen Anlegern von Prozesskostenfonds, die bei Zeichnung Ihres Fondsanteils nicht über die allgemeinen Risiken von Fondsanlagen sowie die speziellen Risiken von Prozesskostenfonds aufgeklärt wurden, anwaltlichen Rat in Anspruch zu nehmen.



Lassen Sie für 50 € Ihre Ansprüche und Erfolgsaussichten prüfen.






* H.-P. Schwintowski, Prozessfinanzierung als strategisches Instrument im Rahmen von Risikomanagement und Bilanzierung nach IFRS/IAS, S. 3