Wohngebäudeversicherung: Einstandspflicht bei Sturmschäden an älteren Gebäuden

06.01.20111000 Mal gelesen
Berlin, den 06.01.2011: Bei einem Sturmschaden besteht auch dann Versicherungsschutz, wenn Teile des versicherten Gebäudes sanierungsbedürftig sind.

Der Fall
Der Orkan „Kyrill“, der im Januar 2007 mit der Windstärke 8 über die Lande tobte, riss bei einer Versicherten einige Dachschindeln ihres Hauses ab. Daraufhin verlangte sie von ihrer Wohngebäudeversicherung Ersatz für diesen Sturmschaden. Doch der Versicherer wollte den Schaden nicht regulieren. Die Schindeln seien nur deshalb herabgefallen, weil das Dach sanierungsbedürftig gewesen sei. Ein Sachverständiger stellte fest, dass an der Wetterseite, die Bitumenschindeln altersbedingt ausgehärtet und verformt sind. Die Festigkeit des Materials wäre so stark gemindert, dass die Schindeln bereits ohne Kraftaufwendung brechen können.
Die Versicherte klagte gegen die Zahlungsverweigerung des Versicherers.

Die Entscheidung
Das Oberlandesgericht Koblenz gab der Versicherten Recht. Die festgestellten alterungsbedingten Schäden an den Bitumenschindeln, die mitursächlich für den Sturmschaden gewesen sein können, stehen der Entschädigungspflicht des Versicherers nicht entgegen. Eine Leistungsfreiheit des Versicherers sei auch nicht unter dem Gesichtspunkt einer Verletzung der Instandhaltungsobliegenheiten gemäß der Vertragsbedingungen eingetreten. Der Versicherten könne weder Vorsatz noch grobe Fahrlässigkeit vorgeworfen werden, so dass der Versicherer den Schaden regulieren muss.

Oberlandesgericht Koblenz, Urteil vom 15.05.2009, Az.: 10 U 1018/08

Der Kommentar
Der Versicherte ist verpflichtet, seine versicherten Sachen in einem ordnungsgemäßen Zustand zu erhalten und Mängel oder Schäden unverzüglich zu beseitigen. Durch diese Instandhaltungsobliegenheit sollen alters- und abnutzungsbedingte Verschleißschäden, die nicht plötzlich und unvorhersehbar, sondern allmählich und vorhersehbar eintreten, vom Versicherungsschutz ausgenommen werden. Verstößt der Versicherte gegen diese Obliegenheit, so kann der Versicherer mit der Folge kündigen, dass er leistungsfrei wird. Doch kündigen darf er nur dann, wenn die Verletzung entweder auf Vorsatz oder auf grober Fahrlässigkeit des Versicherten beruht.

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