Falsche Liebe im Internet - vor allem Ältere Männer und Frauen gefährdet - Romance Scamming

10.08.2013839 Mal gelesen
Auf den Betrug im Internet fallen laut Experten oft ältere Männer und Frauen herein, die das Internet neu für sich entdecken. Mit gefälschten Profilen lauern ihnen Kriminelle auf Facebook oder in Partnerbörsen auf. Der Kontakt zur fremden Person entsteht aus dem Nichts. 8000 Fälle Romance Scamming!

Auf den Betrug im Internet fallen laut Experten oft ältere Männer und Frauen herein, die das Internet neu für sich entdecken. Mit gefälschten Profilen lauern ihnen Kriminelle auf Facebook oder in Partnerbörsen auf.

Die Witwe wurde lange von "George"  - ihrem Traumpartner - unter Druck gesetzt. Und auch wenn sie finanziell nicht geschädigt wurde: Der emotionale Betrug schmerzt noch heute, ein Jahr danach.

8000 Fälle von "Romance Scamming" pro Jahr in Deutschland "Romance Scamming" ("Scam", engl. Betrug) nennen Fachleute diese Masche. 8000 Fälle ereignen sich nach Schätzungen deutscher Partnerbörsen jährlich in Deutschland, weltweit soll sich der Schaden auf 750 Millionen Dollar belaufen. Die Dunkelziffer gilt als hoch. Experten schätzen das zehnfache an Fällen. 

Viele Opfer schämen sich. Eine offizielle Statistik über "Romance Scamming" gibt es nicht. Doch Ermittler wie Carsten Szymanski, Kriminaloberrat am Berliner LKA und zuständig für Cybercrime, beobachten, dass das zielgerichtete Täu-schen beim Internet-Betrug einen immer größeren Raum einnimmt.

Rechtsanwälte haben bereits seit einigen Jahren Mandanten, die auf diese Weise geprellt wurden. Vor Betrugsversuchen gibt es keinen absoluten Schutz! Täter beschreiben sich im Netz als christlich und kinderlieb, sie geben vor, in renommierten Berufen wie der Wissenschaft zu arbeiten. Darüber hinaus ist wenig bekannt. Ermittlungen würden dadurch erschwert, dass sie häufig im Ausland agierten und anonyme Online-Telefonnummern nutzten, sagt Szymanski.

Er rät Nutzern zu Skepsis: "Vor Betrugsversuchen gibt es keinen absoluten Schutz, auch nicht auf kostenpflichten Portalen". Da sich dort ein finanzkräftigeres Publikum bewege, sei der Anreiz für Kriminelle erst recht gegeben.

Bei Online-Partnerbörsen ist die Gefahr bekannt. Häufig bäten Betrüger ihre Opfer um die private E-Mail-Adresse, um die Sicherheitssysteme der Plattformen zu umgehen, sagt ein Sprecher des Portals neu.de.

Seiner Erfahrung nach seien die Täter in Teams organisiert und operierten häu-fig von Afrika aus. Wie auch Giuliano Iannotta von der Seite eDarling.de bestätigt, entdecken die Systeme Hunderte Betrugsversuche pro Monat - automatisch fallen etwa bestimmte ausländische IP-Adressen auf. Auch idealisierte, aber in mangelhaftem Deutsch verfasste Profile würden genauestens geprüft.

Warum Opfer tatsächlich Geld überweisen? Die Psychologin Wiebke Neberich vergleicht das Vorgehen der Betrüger mit "emotionaler Erpressung". Opfer würden von Beginn an in die starke, fürsorgliche Rolle der Beziehung gedrängt, zum Beispiel durch Liebesschwüre. Neberich rät, Unbekannten niemals persönliche Daten zu übermitteln. Stattdessen solle man Angaben anderer kritisch hinterfragen, etwa mit Hilfe von Suchmaschinen. Das hat auch die Hamburger Rentnerin getan - im Nachhinein. 

Betroffene sollten sich an Fachanwälte für Bank- und Kapitalanlagerecht wenden, wenn Zahlungen an ausländische Konten gehen. Die Banken haben die Pflicht den Empfänger genau mit Ausweispapieren festzustellen. Wenn dies nicht erfolgt haftet die Bank für den Schaden. Je früher das Abklären des Kontos erfolgt, um so besser sind die Chancen. Auch Zahlungen über Geldüberweis-ungsportale sind betroffen.