Die Insolvenzanträge der LICON Gruppe bringen die Vergangenheit wieder in den Focus. Die Zahlungen der Medicon an die apobank!

01.12.20141584 Mal gelesen
Die Insolvenzanträge der LICON Gruppe bringen die Vergangenheit wieder in den Focus. Die Zahlungen der Medicon an die apobank! Betroffene Denkmalschutz-immobilien-Käufer sollen sich durch einen Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht beraten lassen.

Die Deutsche Apotheker- und Ärztebank eG muss sich erneut darauf einstellen, mit Schadensersatzforderungen ihrer Kunden konfrontiert zu werden. Hintergrund waren staatsanwaltliche Ermittlungen im Zusammenhang mit Betrugsvorwürfen gegen die Geschäftsführer und Mitarbeiter der Licon-Gruppe (Leipzig), mit der die apoBank über die Tochtergesellschaft Medicon im Bereich Kapitalanlage in Immobilien geschäftlich verbunden waren.

Die Licon-Gruppe saniert hochwertig Altbausubstanzen, die in der Regel unter Denkmalschutz stehen. Für den Vertrieb an Kapitalanleger führt die Gruppe als Tochtergesellschaft die Medicon GmbH, die hochwertige denkmalgeschützte Immobilien als Kapitalanlageimmobilien vertreibt. Die apoBank traf nun ihrerseits im Jahr 2008 eine Kooperationsvereinbarung mit Medicon und setzte seitdem massiv auf den Verkauf von Licon-Immobilien. So lagen in den Filialen der Bank Prospekte der Licon aus; zugleich durfte die Fa. Medicon die Kunden der apoBank in den Geschäftsräumen der Bank beraten. Bezeichnenderweise hatten etwa in Frankfurt die apoBank und Medicon in ein- und demselben Gebäude ihre Büros.

Nun ist die LICON Gruppe in Insolvenz geaten. 13 Unternehmen der LICON Gruppe haben beim AG Leipzig Insolvenzantrag gestellt. Jetzt kommen die alten Geschichten bei den Käufern der Denkmalschutzimmobilien wieder hoch! Auch die vermittelten Darlehen der Apobank könnten betroffen sein, weil die Möglichkeit zum Widerruf der Darlehen bestehen könnte.

Die finanziellen Interessen der apoBank sahen wie folgt aus: Zum einen stellte sie bei Bedarf die Erwerberfinanzierung zur Verfügung und verdiente daran nicht schlecht. Zum anderen strich die Bank - hinter dem Rücken der Kunden - heimlich Provisionen ein. Nach einem Bericht der Welt soll die Medicon 15 % Provision von der Licon erhalten haben und 1,75 % selbst behalten sowie 6 % an die apoBank weitergegeben haben (Die Welt). Insider sprechen von Schmiergeldzahlungen.

Insgesamt sind rund 600 Kunden der Apobank betroffen. Diese werden nun ihrerseits Schadensersatzansprüche an das Geldhaus herantragen: Denn die Bank hat, wie erwähnt, 6 % des Kaufpreises kassiert - ohne dies offenzulegen.

Gemäß Bundesgerichtshof (BGH) muss das Bankinstitut den Kunden über Provisionen - egal in welcher Höhe - aufklären, damit der Kunde den möglicherweise vorliegenden Interessenkonflikt der Bank erkennen. Nur dann kann er diese Information in seine Entscheidung für oder gegen die Anlage einfließen lassen kann (vgl. dazu das Urteil des OLG Frankfurt am Main zur Offenbarungspflicht der beratenden Bank über verdeckte Rückvergütungen und Provisionen).

Wenn die apoBank insoweit nicht vollständig aufgeklärt hat, und dafür spricht einiges, muss sie den Anlegern den entstandenen Schaden ersetzen. Dies geht so weit, dass der Anleger gegen Übertragung der Denkmalschutzimmobilie sein investiertes Kapital von der Apobank zurück erhält.

Haftpflichtansprüche, aus verbundenem Geschäft, dürften zu bejahen sein. Das Zusammenspiel zwischen Licon/ Medicon/ apoBank war nämlich letztlich wie ein Kartell aufgebaut.

Schließlich legt die Provisionshöhe von insgesamt 15 % eine nicht unerhebliche Überteuerung der vermittelten Immobilien nahe. Kunden sollten deshalb auch prüfen lassen, ob der von ihnen bezahlte Kaufpreis für eine Wohnung zum Erwerbszeitpunkt überteuert war, sich also wesentlich von den damals marktüblichen Kaufpreisen abgehoben hat.

Eine Beratung durch einen Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht kann die Kick-Back-Zahlung der apobank noch zu Geld machen!