Die unerkannte Gefahr für Anleger: Geldanlagen in Form von Nachrangdarlehen

23.09.2013612 Mal gelesen
Berlin, den 23. September 2013. Immer häufiger werden potentiellen Anlegern Geldanlagen auf der Grundlage von Verträgen über sog. „Nachrangdarlehen“ angeboten. Obwohl hier ein hohes und meist schwer erkennbares Risiko für die Anleger besteht, ist der gesetzliche Anlegerschutz absolut unterentwickelt

Nachrangdarlehen - das „neue“ Kapitalanlageangebot

Die Bundesregierung konstatiert, dass Anbieter nachrangige Darlehen zunehmend als Instrument nutzen, um Publikumsgelder ohne Erlaubnis nach dem Gesetz über das Kreditwesen einzuwerben. Es lasse sich sogar ein Trend zur Nutzung von Nachrangdarlehen als Kapitalanlageangebot gegenüber Kleinanlegern erkennen. Dabei würden die qualifizierten Nachrangklauseln oftmals mit partiarischen Zinsbeteiligungen kombiniert.

Volles Unternehmensrisiko – volles Verlustrisiko

Obwohl Anleger anleger- und anlagegerecht beraten werden müssen, wird ihnen vielfach nicht verdeutlicht, welches Risiko sie mit einer einzigen Unterschrift eingehen. „Bei der Vergabe von Darlehen mit qualifizierten Nachrangabreden übernimmt der Geldgeber faktisch eine Finanzierungsverantwortung für die das Geld annehmenden Unternehmen, da die Geltendmachung seiner Ansprüche aus dem Darlehensvertrag über das allgemeine Solvenzrisiko hinaus solange und soweit ausgeschlossen ist, als die Geltendmachung einen Grund für die Eröffnung des Insolvenzverfahrens für den Darlehensnehmer darstellte“, so die Bundesregierung.

Mit anderen Worten: Die Realisierung des Rückzahlungsanspruchs des Anlegers (=Darlehensgebers) ist voll abhängig vom unternehmerischen Erfolg und der Leistungsfähigkeit des Unternehmens (=Darlehensnehmers). Der Anleger bringt sich ähnlich wie ein Gesellschafter in das Unternehmen ein. Das hat zur Folge, dass er durch Übernahme dieser Finanzierungsverantwortung nicht mehr dem Schutz des Einlagengeschäfts unterfällt.

Keine spezialgesetzliche Prospektpflicht

Auf die Frage nach den gesetzlichen Vorgaben für das öffentliche Anbieten, das Platzieren und die Vermittlung von Darlehen mit Rangrücktritt antwortet die Bundesregierung: „Das Einwerben von Geldern für Kapitalanlagen in Form von Nachrangdarlehen und partiarischen Darlehen unterliegt keiner spezialgesetzlichen Prospektpflicht.“ Bedenkt man, dass Prospekte den Anleger über das Anlageprodukt aufklären und ihm eine seriöse Entscheidungsgrundlage bieten sollen, die keine unwahren oder irreführenden Angaben zum Nachteil von Käufern der Anlage enthalten darf, so wird klar, was dieses Defizit bedeutet. Geworben wird so mit vollmundigen und oft schwer nachweisbaren Versprechungen der Anbieter, Vermittler und Berater. 

Ausblick: „Die Bundesregierung prüft derzeit, ob vor dem Hintergrund dieser Entwicklung Nachbesserungsbedarf besteht.“ Wir meinen: JA.

Ihr Ansprechpartner:
Dr. Timo Gansel
Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht
Tel.: 030 226674-0
E-Mail: [email protected]

Unser Angebot: Ersteinschätzung kostenfrei!

Für Rechtsschutzversicherte übernehmen wir die Deckungsanfrage.

Rufen Sie uns an!
030 226674-0
Mo - Fr 8:00 bis 20:00