Widerrufsjoker einsetzen und ohne Vorfälligkeitsentschädigung die Immobilienfinanzierung wechseln!

19.03.20131201 Mal gelesen
Widerrufsjoker einsetzen und ohne Vorfälligkeitsentschädigung die Immobilienfinanzierung wechseln!

Bankkunden, die  vor einigen Jahren ein Immobiliendarlehen aufgenommen haben, zahlen zur Zeit deutlich höhere Zinsen als für aktuell abgeschlossene Immobilienkredite.

Will der Darlehensnehmer vom derzeitigen Zinsniveau profitieren, bleibt nur die Möglichkeit, per Kündigung aus dem alten Immobilienkreditvertrag auszusteigen. Danach kann der Kunde zu einem anderen Finanzierer wechseln.

Liegt die Kündigung in einer Umschuldung begründet, kann die Bank, Sparkasse oder Volksbank, wenn der Vertrag noch nicht länger als zehn Jahre läuft, den Ausstieg jedoch verwehren. Sie kann in jedem Fall aber vom Kunden eine Vorfälligkeitsentschädigung verlangen.

Diese Vorfälligkeitsentschädigung soll dem Kreditinstitut als Ausgleich für die entgangenen Zinseinnahmen bis zum Ende der Laufzeit dienen und liegt im europäischen Vergleich in Deutschland am höchsten.

Für Standard-Darlehen können – je nach Darlehenszins und Rest-laufzeit – durchaus mehrere Zehntausend Euro zusammenkommen.

In manchen Fällen macht die Vorfälligkeitsentschädigung die finanziellen Einsparungen durch den günstigeren Neuvertrag zunichte.

Unbefristetes Widerrufsrecht durch Formfehler.

Eine andere Möglichkeit aus dem Immobilienfinanzieurngsvertrag  herauszukommen bietet der Widerruf. Generell endet die Frist, in welcher der Kunde einen Verbraucherkreditvertrag widerrufen kann, nach 14 Tagen. Erläutert bekommt der Verbraucher dieses Recht in der Widerrufsbelehrung.

Aus der Widerrufsfrist kann sich nun für Kreditnehmer durch einen besonderen Umstand eine Chance ergeben: Um wirksam zu sein, muss die Belehrung eine bestimmte Form erfüllen. Im Jahr 2002 änderten sich gesetzliche Vorgaben, welche auch das Widerrufsrecht betrafen. Kreditinstitute passten daraufhin ihre Belehrungen an, machten dabei jedoch häufig Fehler – die Formvorschriften wurden nicht immer erfüllt. Die Folge: Hat die Bank, Sparkasse oder Volksbank den Vorgaben zum Widerruf und zur Widerrufsbelehrung nicht entsprochen, ergibt sich daraus laut Bürgerlichem Gesetzbuch und dem Einführungsgesetz zum BGB für den Kunden ein unbefristetes Widerrufsrecht.

Er kann dann auch noch nach Jahren davon Gebrauch machen. Deshalb lohnt es sich für Verbraucher, den eigenen Vertrag bezüglich dieses Details eine detailierte Prüfung vorzunehmen. 

Eine Widerrufsbelehrung ist dann unwirksam, wenn sie nicht deutlich hervorgehoben wurde oder die Bank, Sparkasse oder Volksbank  nicht das gültige gesetzliche Muster verwendet hat. Wurden Details weg-gelassen, verändert oder hinzugefügt, ist die Belehrung zum Widerruf angreifbar. Wurden hingegen nur leichte sprachliche Vereinfachungen ohne inhaltliche Veränderungen vorgenommen, ist sie eventuell trotzdem wirksam.

Betroffen sind vor allem ein Großteil der Verträge aus den Jahren 2002 bis 2010. Diese sollten besonders sorgfältig geprüft werden.

Bei Verbraucherzentralen oder Fachanwälten für Bank- und Kapitalanlagerecht können Kreditnehmer ihren Vertrag überprüfen lassen.

Kommt es zum Widerruf, welcher schriftlich erfolgen muss und keiner Begründung bedarf, wird das Darlehen rückabgewickelt und kann sich der Kunde mit der Bank, Sparkasse oder Volksbank dahingehend einigen, dass diese auf eine Vorfälligkeitsentschädigung verzichtet.

Die Restschuld muss der Kreditnehmer dem Geldinstitut zügig zurückerstatten. Er sollte zu diesem Zeitpunkt also bereits über eine Anschlussfinanzierung bei einem anderen Anbieter oder ausreichende eigene Ersparnisse verfügen.

Ohne Widerstand entsprechen die Banken dem Ansinnen des Kunden meist nicht. So versuchen sie ihn beispielsweise durch abwehrende Antwortschreiben einzuschüchtern, in der Regel ziehen die Banken, Sparkassen oder Volksbanken aber nicht vor Gericht.

Der Verbraucher sollte deshalb möglichst einen Fachanwalt für Bank- und Kapitalanlagerecht zur Seite haben.

Die Prüfung des Vertrages ist meistens für einen Pausalbetrag zu bekommen.