Anlegergerechte Beratung - ein oft vernachlässigter, aber entscheidender Punkt bei der Haftung des Anlageberaters

Anlegergerechte Beratung - ein oft vernachlässigter, aber entscheidender Punkt bei der Haftung des Anlageberaters
29.03.2012252 Mal gelesen
LG Berlin: Lebensalter des Käufers bei Beratung über Risiko vollfinanzierten Wohnungserwerbs einzubeziehen

Eine Beratung über das wirtschaftliche Risiko eines voll finanzierten Erwerbs einer vermieteten Wohnung zu Kapitalanlagezwecken durch einen bereits 50-jährigen Käufer mit allenfalls mittlerem Einkommen darf sich nicht auf die kurzfristige Berechnung der Rentabilität in der ersten Zeit nach dem Wohnungserwerb beschränken. Vielmehr muss sie das Lebensalter des Käufers, die Laufzeit des Darlehens, die Befristung eines Mietzuschusses und die bis zum Ende der Darlehenslaufzeit konkret in Betracht kommenden Risiken einbeziehen. Dies stellt das Landgericht Berlin mit Urteil vom 23.03.2012 klar .

Im zugrunde liegenden Fall wollte der 50-jährige Kläger eine vermietete Wohnung als Kapitalanlage erwerben. Die Beratung durch die Mitarbeiter einer auf Provisionsbasis beauftragten Vermittlungsfirma erstreckte sich nur auf die kurzfristige Berechnung der Rentabilität in der ersten Zeit nach dem Wohnungserwerb. Der Kläger, der noch am selben Tag zum Notar gebracht wurde, verlangt die Rückabwicklung des Vetrags, da sich später herausstellte, dass die Wohnung – entgegen der Erklärungen der Berater – nicht aufgrund der Mieteinnahmen und Steuerersparnisse getragen werden konnte.

Beratung war unzureichend

Das LG gab der Klage statt. Die Mitarbeiter der Vermittlungsfirma hätten es in vorwerfbarer Weise unterlassen, das Lebensalter des Käufers, die Laufzeit des Darlehens, die Befristung eines Mietzuschusses und die bis zum Ende der Darlehenslaufzeit konkret in Betracht kommenden Risiken in die Beratung einzubeziehen. Die Erklärung der Vermittlungsfirma gegenüber dem Käufer, die Wohnung trage sich selbst, sei falsch gewesen. Das LG beanstandet zudem einen «bewusst wahrheitswidrigen» Vortrag der Beklagten zu einzelnen Punkten im Zivilprozess

Dieses Urteil ist allerdings auch auf andere fremdfinazierte Geldanlagen übertragbar. Gerade in der Vergangenheit war dies eine weitere Methode der Berater Provisionen zu kassieren, in dem den Anlegern eine Rechnung aufgemacht wurde, bei der sich eine fremdfinanzierte Geldanlage angeblich selbst tragen würde.

Im Ergebnis hatten die Anleger am Ende oft nicht nur die Geldanlage verloren, sondern standen hinterher auch noch mit einer wertlosen Finanzierung da, welche nunmehr aus Eigenmitteln finanziert werden musste.

Anlegern mit solchen Modellen wird daher geraten, Ihre Unterlagen von einem spezialisierten Rechtsanwalt überprüfen zu lassen.