Paparazzo zieht gleich zweifach den Kürzeren: TV-Moderator wehrt sich erfolgreich gegen die Verbreitung von Fotos

15.11.2011325 Mal gelesen
Opfer heimlich angefertigter Foto-Aufnahmen schläg zurück - und bekommt Recht. Entscheidung des LG Köln vom 09.11.2011

Vor dem LG Köln (Urteil vom 09.11.2011, Az. 28 O 225/11) hat sich der TV-Moderator Jörg Kachelmann erfolgreich gegen die Verbreitung von Bildern gewehrt, die ihn beim Hofgang in der JVA während seiner Untersuchungshaft zeigen. Der Fotograf hatte die Aufnahmen heimlich von einem gegenüberliegenden Gebäude aufgenommen und an verschiedene Illustrierte verkauft.

 Das LG Köln sah in der Verbreitung und Veröffentlichung der streitgegenständlichen Fotos einen rechtswidrigen Eingriff in die Persönlichkeitsrechte des Klägers. Zwar besteht bei Prominenten oftmals ein öffentliches Meinungsbildungsinteresse, nicht zuletzt muss auch die Pressefreiheit beachtet werden. Die betroffenen Interessen sind im Streitfall gegeneinander abzuwägen. Das LG Köln gestand dem Moderator hier zu, er habe sich in einem der Öffentlichkeit nicht zugänglichen Raum befunden und durch seine Inhaftierung überhaupt keine Möglichkeit eines Rückzugs in den privaten Raum gehabt.

 Umgekehrt, und daran liegt die Pointe des vorliegenden Falles, sei Kachelmann jedoch berechtigt gewesen, seinerseits eine Aufnahme des Fotografen über seinen Twitter-Account zu veröffentlichen. Die Aufnahme zeigt den Beklagten wartend in seinem Auto in der Nähe der damaligen Wohnung Kachelmanns und war unterschrieben mit den Worten:

„Der tapfere Wochenend Paparazzo W (BILD) bevorzugt seriöse Presse, wenn man nen Tag auf den Promi wartet.“

Dieses Bildnis wiederum, so die Kölner Richter, sei von zeitgeschichtlichem Interesse. Der Umgang der Medien mit Prominenten, insbesondere die Art und Weise der Berichterstattung, sei von grundsätzlicher gesellschaftlicher Relevanz. Im vorliegenden Fall gelte dies umso mehr, da die mediale Auseinandersetzung mit dem Prozess des Moderators ein bestimmendes Thema gewesen sei. Das öffentliche Meinungsbildungsinteresse über die Arbeit von Presseorganen überwiege das allgemeine Persönlichkeitsrecht.

Der mit seinen eigenen Waffen geschlagene Paparazzo muss zudem die Kosten des Verfahrens tragen.

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