8629 Zuwanderer in Berlin aus der Ukraine - wie leben sie in Berlin? Was ist für den Aufenthalt in Deutschland notwendig?

01.05.2015367 Mal gelesen
Das Amt für Statistik in Berlin-Brandenburg meldete zum Stand 06/2012 8629 Zuwanderer in Berlin aus der Ukraine. Im Vergleich zu den Vorjahren ist die Anzahl um 5 % gestiegen. Wieviele Ukrainer in Berlin nicht gemeldet sind, aber ständig hier leben, ist unbekannt.

Die aktuelle Ukrainische Gemeinde in Berlin wird gebildet aus Vertretern der alten Diaspora: aus Studenten, Geschäftsleuten, Künstlern, IT-Leuten und vielen Au-Pair Mädchen.

Gegenwärtig steht Berlin auf der Wunschliste nicht nur bei einer großen Zahl ukrainischer Studenten, sondern auch bei vielen Au-pair-Bewerberinnen. Derzeit studieren ca. 4000 Ukrainerinnen und Ukrainer an deutschen Universitäten. Davon über 500 in Berlin. Hier ist besonders die Humbold-Universität beliebt. Viele von ihnen studieren Germanistik, Jura und andere Fächer. Die Kirche spielt eine besondere Rolle im Leben der ukrainischen Minderheit. Es gibt in Berlin nur eine kleine ukrainische orthodoxe Kirchengemeinde. Orthodoxe Ukrainerinnen und Ukrainer besuchen russische Kirchen in Belrin.

Es gibt einen Klub, genannt "Domivka" in der Nahe der Kirche in der Nähe des S-Bahnhofes Baumschulenweg.

Eine wichtige Funktion bei der Wirtschaftsberatung und Kooperationsanbahnung hat die Ukrainische Handels- und Wirtschaftsmission in der Ukrainischen Botschaft in Brlin. Sie untersteht dem Ministerium für Außenwirtschaftsbeziehungen und Handel der Ukraine. Hier werden ukrainische und deutsche Unternehmen beraten, die miteinander handeln und kooperieren wollen.

Die ausländerrechtliche Situation der Ukrainerinnen und Ukrainer ist nicht so einfach wie für EU-Bürger. Für die begehrte Aufenthaltserlaubnis sind beim ausländeramt lange Wartezeiten nötig und die Unterstützung von kundigen Rechtsanwälten.

Eine Aufenthaltsgenehmigung für Ukrainerinnen und Ukrainer darf nur dann erteilt werden, wenn einer der Tatbestände des Aufenthaltsgesetzes vorliegt. In der Praxis relevant, sind wahrscheinlich nur 2 Möglichkeiten. Hierbei handelt es sich um

- den Familiennachzug (§§ 27 ff. AufenthG) oder

- die Aufenthaltserlaubnis zur Ausübung einer Erwerbstätigkeit (§§ 18 ff. AufenthG).

Der Status "Freund" oder "Verlobter" ist im Rahmen des Familiennachzuges nicht ausreichend. Vielmehr müssten beide verheiratet sein. Ohne eine Eheschließung scheidet ein solcher Antrag per se aus.

Sollte ein Deutscher mit einer Ukrainerin gleichwohl eine Eheschließung beab- sichtigen ist wichtig, dass neben der Eheschließung, noch ein Sprachzertifikat des  beigebracht werden muss, damit der Antrag Erfolg haben kann. Seit dem 01. Juli 2009 gibt es die neue Sprachprüfung „Deutsch-Test für Zuwanderer (A2-B1)” , kurz DTZ genannt.Ohne diesen Sprachnachweis wird eine Aufenthaltserlaubnis regelmäßig nicht erteilt. Weiter ist relevant, dass die Ehe alleine noch nicht zur Einreise in das Bundesgebiet berechtigt. Sie ist lediglich Grundvoraussetzung für die Antragstellung auf Erteilung einer Aufenthaltserlaubnis. Die Arbeitserlaubnis wohnt der Aufenthalts-erlaubnis inne, muss also nicht gesondert beantragt werden.

Daneben wäre an eine Aufenthaltserlaubnis zur Ausübung einer Erwerbstätigkeit zu denken. Hier sind die Hürden für die Urkainerinnen oder Ukainer relativ hoch. Nicht nur, dass eine Ukrainer oder eine Ukrainerin eine entsprechende Stelle in Deut- schland nachweisen muss. Es muss auch die Bundesagentur für Arbeit (BA) der Beschäftigung zustimmen. Diese Zustimmung erfolgt regelmäßig dann, wenn die BA nicht selber geeignete Kandidaten in der Vermittlung hat. Die Erfahrung zeigt, dass hier die Qualifikation maßgeblich ist. Für gering und mittelqualifizierte Tätigkeiten ist es nahezu ausgeschlossen, eine entsprechende Zustimmung zu erlangen, da sich hier fast immer ein geeigneter anderer Kandidat vor Ort finden lässt.

Nur in Bereichen mit sehr speziellem Anforderungsprofil bzw. im Bereich der Akademiker kann man leichter die Zustimmung bekommen. Hier stellt sich dann das Problem mit der komplexen deutschen Sprache!

Bezüglich des Antragsverfahrens sind beide Anträge identisch. Zuständig für die Antragsaufnahme ist die deutsche Botschaft in der Ukraine. Bereits bei Antrag-stellung müssen sämtliche Unterlagen, die den Anspruch auf Erteilung einer Auf- enthaltsgenehmigung begründen, vorgelegt werden. Also z.B. ein Stellenangebot, die entsprechenden Qualifikationsnachweise usw. oder aber die Ehedokumente, welche ins Deutsche übersetzt und beglaubigt sein müssen. Ergänzend natürlich der Nachweis über ausreichende Sprachkenntnisse (Typ A1, s.o.).

Daraus ergibt sich, die Hürden für eine Aufenthaltserlaubnis sind sehr hoch. Deshalb sollte eine gute Beratung mit einem Rechtsanwalt durchgeführt werden.

Ukainerinnen oder Ukrainer können sich natürlich einladen lassen und damit ver- suchen, zumindest ein Touristenvisum für längstens drei Monate zu bekommen. Auch ein Touristenvisum ist allerdings nicht einfach zu erlangen und wird regel- mäßig versagt, wenn der Bewerber nicht über nachgewiesene feste Wurzeln in der Heimat verfügt.

Insgesamt lässt sich sagen, dass erfahrungsgemäß die Eheschließung noch die einfachste Methode zur Erlangung einer Aufenthaltserlaubnis ist.

Die Stellung eines Asylantrages kann schließlich auch erfolgreich sein.