Gutachter der Krankenkassen verzeichnen mehr Behandlungsfehler

21.05.2015139 Mal gelesen
Gutachter der gesetzlichen Krankenkassen (MDK) verzeichnen mehr Behandlungsfehler. Die häufigsten Anlässe für Vorwürfe liegen in der Orthopädie und Unfallchirugie, der Chirugie und der Zahnmedizin. Die Pflege kommt am Besten weg. Patientenanwälte um Rat fragen.

Im vergangenen Jahr haben sich Patienten in 14 663 Fällen an den Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) gewandt, weil sie vermuteten, von Ärzten und Pflegern falsch behandelt worden zu sein - das sind 78 Verfahren mehr als noch im Jahr zuvor.

Nicht jeder Vorwurf gegen die Mediziner erwies sich letztlich als berechtigt. In jedem vierten Fall, also 3796 Mal, kamen die Gutachter zu dem Schluss, dass tatsächlich ein Behandlungsfehler vorlag und der Patient einen Schaden erlitten hat.

Etwa 1800 Patienten mussten in Folge einer falschen Behandlung länger in der Klinik bleiben als sonst, etwas mehr als 1000 von ihnen waren hingegen dauer- haft geschädigt. In 92 Fällen haben Behandlungsfehler gar zum Tod geführt oder maßgeblich dazu beigetragen.

Nach dem Gremien spreche vieles dafür, dass die Dunkelziffer hoch sei, da etliche mögliche Behandlungsfehler von den Patienten gar nicht bemerkt würden, etwa weil ihnen medizinisches Fachwissen fehle.

Eine falsche Medikamentenkombination, die zum Nierenversagen führt, ist im Vergleich zu einer Operation am falschen Gliedmass schwer zu erkennen.

Man gehe davon aus, dass die erhobenen Zahlen lediglich die "Spitze des Eis- bergs" darstellten.

Anfang 2013 trat das Patientenrechtegesetz in Kraft, es sollte sicherstellen, dass Ärzte die Behandelten umfangreich informieren - auch über mögliche Fehler.Die Politiker schätzen das Gesetz unterscheidlich ein.

Das Gesetz erweist sich als nicht patientenfreundlich. So kommen die meisten Behandlungsfehler weiterhin nicht ans Licht und geschädigte Patienten erhalten kein Recht", rügte Kathrin Vogler (Linke). Dies können auch Patientenrechts-anwälte bestätigen. Jens Spahn, gesundheitspolitischer Sprecher der Unions- fraktion im Bundestag, widersprach: Das Gutachten des MDK mit seinen gestiegenen Fallzahlen zeige, "dass die Maßnahmen wirken".

Etwa jeder zweite angenommene Behandlungsfehler steht im Zusammenhang mit Operationen. Daher gehen auch etwa zwei Drittel aller gemeldeten Fälle auf eine stationäre Behandlung im Krankenhaus zurück, bloß ein Drittel auf eine ambulante Versorgung bei niedergelassenen Ärzten - schließlich wird in Kliniken weitaus häufiger operiert.Die meisten festgestellten Behandlungsfehler waren dem Fachgebiet

- Orthopädie und Unfallchirurgie zuzuordnen (1258), 

- Zahnmedizin (476) und

- Allgemein- und Bauchchirurgie (452).

Mit fast 60 Prozent bestätigten die MDK-Gutachter aber die meisten Fälle in Pflege- und Altenheimen - dort gaben sie 341 von 590 Patienten recht.

Bezogen auf die Art der Behandlung waren die meisten berechtigten Beschwerden auf

- Zahnwurzelbehandlungen zurückzuführen (190),

- beim Einsatz künstlicher Hüftgelenke (139) und

- beim Einsatz künstlicher Kniegelenke (112).

Beim Zahnersatz bestätigten die Prüfer 100 Patienten Behandlungsfehler.

Bei der Fixierung eines Knochenbruchs durch Platten oder Schrauben gab es 68 Fälle.

Vor allem aber sorgen sich die Gutachter um sogenannte Never Events, also Fälle, die schwerwiegend und zugleich leicht vermeidbar sind und daher überhaupt nicht vorkommen dürften.

In 67 Fällen litten Patienten unter Hautgeschwüren aufgrund falscher Kranken-pflege (Dekubitus), 34 Mal ließen die Operateure versehentlich Gegenstände im Körper ihrer Patienten zurück und in 25 Fällen erfolgte der Schnitt des Chirurgen  am falschen Körperteil.

Patienten sollten sich beim Verdacht von Behandlungsfehlern von einem Patientenanwalt beraten lassen und ggf die Rechte auf Schmerzensgeld bei Ärztepfusch durchsetzen.