Haftungsfälle in der Gynäkologie und Geburtshilfe durch Aufklärungsfehler

 Haftungsfälle in der Gynäkologie und Geburtshilfe durch Aufklärungsfehler
01.10.2014249 Mal gelesen
Haftungsfälle in der Gynäkologie und Geburtshilfe durch Aufklärungsfehler. Schon während der Schwangerenbetreuung hat der Arzt Beratungs- und Aufklärungpflichten. Er muss nach den jeweils gültigen Mutterschaftsrichtlinien vorgehen. Bei Fehlern an die Anwältin für Patientenrecht wenden!

Aufklärungsfehler in der Gynäkologie und Geburtshilfe

Oft beruhen Haftungsfälle in der Gynäkologie und Geburtshilfe nicht auf einer fehlerhaften Behandlung, sondern darauf, dass der Arzt/die Ärztin seinen/ihren Beratungs- und Aufklärungspflichten nicht nachgekommen ist oder dieses jedenfalls nicht beweisen kann. Das ergibt sich dann aus der mangelhaften Dokumentation. 

Aufklärungspflichten vor der Geburt

Schon während der Schwangerenbetreuung hat der Arzt/die Ärztin Beratungs- und Aufklärungpflichten. Er/Sie muss, wie in den jeweils gültigen Mutterschaftsrichtlinien vorgesehen,

- die anamnestischen Daten erheben,

- den Mutterpass ausstellen und

- die darin vorgesehenen Untersuchungen vornehmen.

Erlangt der Arzt/die Ärztin Kenntnis von

- Alkoholmissbrauch

- Drogenmissbrauch oder

- Nikotinmissbrauch

der Schwangeren oder sonstigen Verhaltensweisen, die mit Gefahren für das Kind verbunden sein können, hat er eine Risikoaufklärungspflicht und sollte diese Aufklärung dokumentieren. Es ist über die Risiken des Missbrauchs auf die Geburt aufzuklären. 

Sind schwere und unheilbare Störungen des Gesundheitszustandes des Kindes zu erwarten, so hat der Arzt/die Ärztin hierüber aufklären. Es ist die Mutter auf eine eventuelle Möglichkeit eines Schwangerschaftsabbruchs so frühzeitig wie möglich hinweisen. Schließlich muss der Arzt/die Ärztin bei voraussehbaren Risikogeburten die Schwangere über mögliche operative Eingriffe wie Schnittentbindung aufklären.

Aufklärungspflicht während der Geburt

Der Geburtshelfer muss in den Fällen, in denen neben der normalen vaginalen Entbindung alternativ ein Kaiserschnitt in Betracht kommt, die beiderseitigen Risiken darstellen.

Je eindeutiger die Indikation zu der einen oder anderen Geburt ist und je mehr die Zeit drängt, desto kürzer darf sich der Arzt bei der Aufklärung fassen. Ist kein Aufklärungsgespräch mehr möglich und hat die Schwangere keine Patientenvollmacht erteilt, muss von ihrem mutmaßlichen Willen ausgegangen werden.

Da dem Arzt/der Ärztin der Beweis für die erfolgte Aufklärung obliegt, ist ihm eine Dokumentation anzuraten.

Er sollte einen Vermerk in den Behandlungsunterlagen eintragen, der die wesentlichen Inhalte der Aufklärung, die gegebenen Hinweise, Ratschläge, Wiedervorstellungstermine, Hinweise über mögliche Geburtskomplikationen, Dringlichkeit für operative Eingriffe, Vorteile und Nachteile der Geburtsweise und anschließende Entscheidung der Schwangeren beinhalten.

Bei Aufklärungen und Entscheidungen während des Geburtsverlaufes ist die Uhrzeit mitanzugeben.

Leider kommt es bei Geburten immer wieder zu Schäden des Kindes und der Mutter. Es sollte dann der Rat einen Anwalts für Patientenrecht gesucht werden.