Zahnimplantate können eine tickende Zeitbombe sein! Patienten bemerken Entzündungen und Knochenschwund erst zu spät!

26.09.2014819 Mal gelesen
Zahnimplantate können eine tickende Zeitbombe sein! Patienten bemerken Entzündungen und Knochenschwund erst zu spät! Zahnimplantate sind eine Erfolgsgeschichte: Jedes Jahr pflanzen Zahnärzte mehr davon in den Mund ihrer Patienten. 5 Millionen waren es im Jahr 2008 weltweit, Tendenz steigend!

Zahnimplantate und die Spätfolgen

Träger bemerken Entzündungen und Knochenschwund erst spät. Entzündungen, Knochenschwund und im Extremfall Implantatverlust sind bislang unterschätzte Spätfolgen von Zahnimplantaten. Sie können teure Nachbehandlungen nach sich ziehen.  

Zahnimplantate sind eine Erfolgsgeschichte: Jedes Jahr pflanzen Zahnärzte mehr davon in den Mund ihrer Patienten. 5 Millionen waren es im Jahr 2008 weltweit, die Zahlen steigen und steigen!

Doch je größer die Zahl der Patienten, die seit mehreren Jahren ein Zahnimplantat tragen, desto deutlicher wird:

Der Zahnersatz ist problematischer als gedacht. Implantatträger müssen damit rechnen, dass nach Jahren teure Behandlungen notwendig werden.

Schuld daran ist die so genannte Periimplantitis, eine Folge von bakteriellen Zahnfleischentzündungen rund um das Implantat, die zu Knochenabbau und unter Umständen gar zum Verlust des Implantats führt. Am Anfang hat man die Periimplantitis nicht so ernst genommen, doch inzwischen ist dies ein großes Thema. Die Hersteller reden nicht gerne darüber.

Es kursieren verschiedene Zahlen, wie häufig das Phänomen sein könnte. Da es  noch keine Untersuchungen zum Thema gibt, hat ein Experte kürzlich Daten aus der internationalen Literatur zusammengetragen – und die versprechen nicht viel Gutes.

Demnach tritt ein problematischer Knochenschwund von mindestens zwei Millimetern nach fünf Jahren bei ca. 6 Prozent der Implantate auf. Nach acht bis neun Jahren bei ca. 15 Prozent.

Einzelne Studien schätzen sogar, dass über 50 Prozent aller Implantatträger früher oder später unter Periimplantitis leiden werden. Zwar gelten diese Zahlenangaben als unsicher, da erst wenige, schlecht vergleichbare Studien existieren. Doch wegen der stetig steigenden Anzahl an gesetzten Implantaten werden künftig selbst bei deutlich niedrigeren Komplikationsraten viele Menschen von teuren Zusatzbehandlungen betroffen sein.

Ein hohes Risiko für eine Periimplantitis haben insbesondere starke Raucher, Diabetiker und Personen mit schlechter Mundhygiene. Ihnen sollten Zahnärzte nach gängiger Auffassung nur zurückhaltend Implantate setzen. Ohne diese Risikofaktoren stehen die Chancen gut, dass ein Implantat über zehn Jahre ohne Komplikationen im Mund bleibt.

Allerdings kann es dennoch zu Periimplantitis kommen. Zahnärzte sind am Sammeln von möglichen Faktoren, die eine Periimplantitis begünstigen.  Beispielsweise könnte die bisher wenig beachtete Qualität der Schleimhaut um Implantate eine wichtige Rolle spielen. "Wenn ums Implantat kein fester Zahnfleischkranz sitzt, haben es die Bakterien einfacher", so Implantologen.

Schwerwiegend ist der Verdacht, dass besonders die modernsten Implantate mit einer rauen Oberfläche die Entzündungen begünstigen könnten. Sie verwachsen zwar schneller und fester mit dem Knochen als die Vorgängermodelle mit glatter Oberfläche, doch möglicherweise hat man sich damit auf lange Sicht einen Nachteil eingehandelt. Die raue Oberfläche bietet den Bakterien bessere Schlupfwinkel, so die Experten. 

Bei den beiden führenden Implantatehersteller

- Nobel Biocare und

- Straumann

wiegelt man ab.

"Wir stellen kein zunehmendes Phänomen der Periimplantitis fest", schreibt Nicolas Weidmann, Sprecher von Nobel Biocare.

Die Häufigkeit und Definition von Periimplantitis werde selbst bei Experten kontrovers diskutiert.

Und Thomas Konrad, Sprecher bei Straumann, sagt: "Periimplantitis ist Teil des Risikos einer Implantatebehandlung." Das Unternehmen sieht darin ein künftiges Geschäftsfeld: Es hat bereits Produkte zur Behandlung von Periimplantitis in der Pipeline.

Wegen der wachsenden Zahl von Fällen haben Universitäten eine Periimplantitis-Sprechstunde eingerichtet, wo Zahnärzte ihre Problempatienten behandeln lassen können.

Weil das Phänomen für die Zahnmediziner neu ist, existiert noch keine Standardbehandlung. In der Regel verfahren die Spezialisten jedoch gleich wie bei Parodontitis, der bakteriell bedingten Entzündung bei natürlichen Zähnen. Dabei wird mechanisch gereinigt und desinfiziert. Anders als bei der Parodontitis ist bei Periimplantitis in der Regel zusätzlich eine Behandlung des Knochenverlusts angezeigt, da dieser dazu führt, dass das Gewinde sichtbar wird.

Das kann teuer werden. Es können chirurgische Eingriffe und Knochenersatz schnell mal 1.000 Euro kosten, wenn die Krone neu gemacht werden müsse, sogar über 3.000 Euro. 

Allerdings: Wenn Zahnfleischentzündungen frühzeitig erkannt werden, ist die Behandlung einfach. Das kann die Dentalhygienikerin während der Routinesitzung behandeln. Dazu sind jedoch regelmäßige Kontrollen beim Zahnarzt und der Dentalhygienikerin notwendig. Denn der Patient selber merkt nichts von seiner Periimplantitis. Sie verläuft meistens ohne Schmerzen. Wenn Eiter austritt oder das Gewinde sichtbar wird, ist bereits ein grösserer Schaden um das Implantat vorhanden.

Patienten sollten sich vor dem Setzen der Implantate umfassend beraten lassen. Sie sollten auf Risikofaktoren achten. Wenn es Probleme gibt, dann können Schadensersatz und Folgekosten für einen Anwalt für Medizinrecht beansprucht werden.