Fitnessstudio-Vertrag - so kommen Sie aus dem Vertrag raus. Anwältin gibt Hinweise

17.02.20144244 Mal gelesen
Fitnessstudio-Vertrag - so kommen Sie aus dem Vertrag raus. Anwältin gibt Hinweise

Wenn es das Fitnessstudio nicht mehr bringt

Aus einem langfristigen Vertrag kommen Kunden von Fitness-Studio Verträgen nur schwer wieder heraus. Dennoch gibt es Kündigungsmöglichkeiten. 

Mehr Sport treiben, sich gesünder ernähren, Gewicht reduzieren: Einer Ende vergangenen Jahres veröffentlichten Forsa-Umfrage zufolge zählten diese Dinge zu den populärsten guten Vorsätzen, die sich die Deutschen für das Jahr 2014 vorgenommen hatten. Viele haben sich dann auch gleich im Fitnessstudio um die Ecke angemeldet. Doch mit den guten Vorsätzen ist das bekanntlich so eine Sache: Meist werden sie schnell wieder über Bord geworfen, sobald das neue Jahr einige Wochen alt ist. Dumm nur, wenn man dann längerfristige Tatsachen geschaffen hat – und etwa gleich einen Zwei-Jahres-Vertrag bei seinem Fitness-Studio unterschrieben hat.

Gut acht Millionen Menschen sind laut Angaben des Arbeitgeberverbands deutscher Fitness- und Gesundheitsanlagen (DSSV) Mitglied eines Fitnessstudios oder -clubs.

Doch nur rund die Hälfte der Studiomitglieder trainiert auch wirklich regelmäßig, ergab eine Allensbach-Umfrage aus 2012. Die andere Hälfte der Mitglieder ist demnach passiv, zahlt brav den monatlichen Beitrag, lässt sich aber nur selten bis gar nicht im Fitnessstudio blicken. 

Die schlechte Nachricht für alle Sportmuffel: Wenn der Vertrag eine festgeschriebene Laufzeit hat, kommt man nicht so einfach wieder heraus. Eine ordentliche Kündigung ist bei einem befristeten Vertrag nicht möglich.

Vor zwei Jahren hat sich der Bundesgerichtshof (BGH) mit der Laufzeit von Fitnessstudioverträgen befasst und eine Laufzeit von 24 Monaten als zulässig erklärt (Aktenzeichen: XII ZR 42/10). Das betrifft die Verträge, bei denen der Betreiber des Fitnessstudios seine Verpflichtung in erster Linie dadurch erfüllt, dass er den Kunden die Nutzung seiner Geräte und Räumlichkeiten ermöglicht und keine darüber hinausgehenden Unterrichtsstunden oder anderweitige Dienstleistungen erbringt. Im Umkehrschluss bedeutet das: Zwei-Jahres-Verträge für ein Kursprogramm sind nicht erlaubt.

Schreibt der Studiobetreiber eine längere Laufzeit als 24 Monate in den Vertrag für die Nutzung, ist das ebenfalls unzulässig. Mehr noch: Ungültige Kündigungsklauseln in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGBs) machen den entsprechenden Vertragsbestandteil unwirksam. Es gilt dann die gesetzliche Kündigungsfrist und der Vertrag ist in der Regel mit einer Frist von einem Monat kündbar. Das heißt, man kann den Vertrag zum Ende des nächsten Monats kündigen.

Außerdem handelt es sich bei einem Fitnessstudiovertrag juristisch betrachtet um ein sogenanntes Dauerschuldverhältnis – und dieses kann ohne Einhaltung einer Frist gekündigt werden, wenn ein wichtiger Grund vorliegt.

Ein wichtiger Grund liegt dann vor, wenn dem Kündigenden das Festhalten an dem Vertrag unzumutbar ist. Im Fall eines Fitnessstudios wäre ein solcher wichtiger Grund beispielsweise eine Erkrankung, die die Nutzung des Angebots für den Kunden unmöglich macht. Selbst ein Umzug in eine andere Stadt kann unter Um-ständen eine Sonderkündigung möglich machen.

Der BGH hat sich mit den Anforderungen auseinandergesetzt, die Fitnessstudios an eine außerordentliche Kündigung stellen dürfen. In dem vor dem Gericht ver-handelten Fall enthielten die AGBs des Fitnessstudios eine Klausel, wonach eine krankheitsbedingte Kündigung innerhalb von spätestens zwei Wochen erfolgen könne. Zudem wurde verlangt, dass ein ärztliches Attest vorgelegt wird, aus dem sich nachvollziehbar die gesundheitliche Beeinträchtigung ergibt, die einer Nutzung entgegenstehen soll.

Aber diese Klausel stelle eine unangemessene Benachteiligung des Kunden dar und sei aus diesem Grund unwirksam, erklärten die Richter des BGH. .

Damit ist klar: Bei dauerhafter und vollständiger Sportunfähigkeit besteht immer ein Kündigungsrecht. Wer nach Vertragsschluss dauerhaft erkrankt, hat das Recht, den Vertrag mit dem Fitnessstudio außerordentlich zu beenden. Die meisten Sportstudios fordern dann zwar immer noch ein ärztliches Attest. Hierbei genügt es aber, wenn der Hausarzt die Sportunfähigkeit als solche attestiert. Über die konkrete Art der Erkrankung müssen keine Angaben gemacht werden. Das geht über das Ziel hinaus. Entscheidend ist, dass eine dauerhafte und vollständige Sportunfähigkeit vorliegt und das ursprünglich geplante Trainingsziel nicht mehr erreicht werden kann. Ein eingeschränktes Trainingsprogramm müsse nicht akzeptiert werden.

Eine nur vorübergehende Erkrankung rechtfertigt allerdings keine Kündigung. Dies gilt auch für eine Schwangerschaft – der Vertrag kann dann für die Dauer der Sportunfähigkeit unterbrochen werden, läuft aber anschließend weiter.

Selbst der Umzug in eine andere Stadt kann eine außerordentliche Kündigung des Fitnessstudiovertrags möglich machen. Grundsätzlich gilt, dass man kündigen kann, wenn durch den Umzug keine Möglichkeit mehr besteht, den Fitness-Club zu nutzen.

Handelt es sich jedoch um eine Fitnesskette, die auch am neuen Wohnort ein Studio betreibt, darf der Anbieter auf die Nutzung in der neuen Stadt verweisen – eine Sonderkündigung ist in dem Fall dann nicht möglich.

Es ist immer der individuelle Einzelfall zu berücksichtigen. Vielfach reagieren gerade die größeren Fitnessstudios dann jedoch kulant und im Sinne ihrer Kunden und gestatten eine außerordentliche Kündigung auch dann, wenn diese aus rechtlichen Gründen eigentlich nicht notwendig wäre. 

Kunden sollten sich bei einer Kündigungsüberlegung durch einen Anwalt beraten lassen und gegen eine Ablehnung die rechtlichen Möglichkeiten prüfen lassen.