Behinderten- und Schwerbehindertenrecht: Der Grad der Behinderung (GdB) - der Anwalt rät !

Behinderten- und Schwerbehindertenrecht: Der Grad der Behinderung (GdB) - der Anwalt rät !
06.02.20143021 Mal gelesen
Menschen sind behindert, wenn ihre körperliche Funktion, geistige Fähigkeit oder seelische Gesundheit mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als 6 Monate von dem für das Lebensalter typischen Zustand abweichen und daher ihre Teilhabe am Leben in der Gesellschaft beeinträchtigt ist (§ 2 Abs. 1 S. 1 SGB)

Behindertenrecht: Der Grad der Behinderung (GdB)

Menschen sind behindert, wenn ihre körperliche Funktion, geistige Fähigkeit oder seelische Gesundheit mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als sechs Monate von dem für das Lebensalter typischen Zustand abweichen und daher ihre Teilhabe am Leben in der Gesellschaft beeinträchtigt ist (§ 2 Abs. 1 S. 1 SGB IX)

Menschen sind schwerbehindert, wenn bei ihnen ein Grad der Behinderung (GdB) von wenigstens 50 vorliegt und sie ihren Wohnsitz, ihren gewöhnlichen Aufenthalt oder ihre Beschäftigung in Deutschland haben (§ 2 Abs. 2 SGB IX). Die Auswirkungen der Beeinträchtigungen werden mit dem GdB bemessen. Der GdB ist im (Schwer-) Behindertenrecht von zentraler Bedeutung. Anhand des GdB wird z.B. beurteilt, wer schwerbehindert ist oder auch, wer schwerbehinderten Menschen gleichgestellt werden kann.

Ebenso setzt die Erlangung der verschiedenen Merkzeichen im Schwerbehindertenausweis (G, aG, B, H, RF, Gl/Bl, VB und EB) genauso wie die Gewährung der wichtigen Parkerleichterungen oder die Inanspruchnahme der Altersrente in aller Regel das Vorliegen einer bestimmten GdB-Höhe voraus. 

Wenn Sie einen GdB von mindestens 50 besitzen, haben Sie bestimmte Rechte, 

  • Schwerbehinderteneigenschaft,
  • Steuerfreibetrag in unterschiedlicher Höhe,
  • Sonderkündigungsschutz,
  • bevorzugte Einstellung,
  • Freistellung von Mehrarbeit,
  • Zusatzurlaub,
  • vorgezogene Rente wegen Alters,
  • Wohnungskündigungsschutz,
  • besondere Fürsorge im öffentlichen Dienst. 

Die Versorgungsmedizin-Verordnung ist für die Feststellung des Grads der Behinderung maßgebend. Die in der GdB-Tabelle der Versorgungsmedizin-Verordnung angeführten Einzel-Grade sind nur Anhaltspunkte. Es ist unerlässlich, alle die Teilhabe beeinträchtigenden körperlichen, geistigen und seelischen Störungen im Einzelfall zu berücksichtigen. Es  findet - sofern jemand an mehreren Beeinträchtigungen leidet - kein Addition der festgestellten Einzelgrade der Behinderung statt, sondern eine Gesamtgrad der Behinderung ist in einer Gesamtschau zu bilden.  

Nachfolgend finden Sie einige häufige Beeinträchtigungen und die dazugehörigen von der Versorgungsmedizin-Verordnung vorgesehenen Einzel-GdB:  

Gesichtsentstellung, 10-50

Gesichtsneuralgien, 0-80

Migräne, 0-50

Periphere Fazialsparese, 0-50

Hirnschäden mit psychischen Störungen, 30-100

Zentrale vegetative Störungen als Ausdruck eines Hirnschadens, 30-50

Koordinations- und Gleichgewichtsstörungen (zerebral bedingt), 30-100

Zerebral bedingte Teillähmungen und Lähmungen, 30-100

Parkinson-Syndrom, 30-100

Epileptische Anfälle, 30-100

Narkolepsie, 50-80

Hirntumore, 50-100

Autistische Syndrome, 50-100

Globale Entwicklungsstörungen, 50-100

Schizophrene und affektive Psychosen, 10-100

Neurosen, Persönlichkeitsstörungen, Folgen psychischer Traumen, 0-100

Alkoholkrankheit, Alkoholabhängigkeit, 0-50

Drogenabhängigkeit, 0-50

Rückenmarkschäden, 30-100

Multiple Sklerose, kein spezifischer GdB

Angeborene oder in der Kindheit erworbene Taubheit oder an Taubheit grenzende Schwerhörigkeit mit Sprachstörungen, 80-100

Nachtblindheit, 0-10

Gleichgewichtsstörungen, 0-80

Tinnitus, 0-50

Chronische Nebenhöhlenentzündung, 0-40

Verlust des Riechvermögens, 10-15

Verlust des Kehlkopfes, 70-80

Stottern, 0-50

Chronische Bronchitis, 0-30

Krankheiten der Atmungsorgane mit Einschränkung der Lungenfunktion, 20-100

Bronchialasthma bei Kindern, 20-100

Schlaf-Apnoe-Syndrom, 0-50

Einschränkungen der Herzleistung, 0-100

Hypertonie, 0-100

Refluxkrankheit, 10-30

Leberzirrhose, 30-100

Leberfibrose, 0-10

Verlust der Brust (Mastektomie), 10-40

Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus), 0-50

Mukoviszidose (zystische Fibrose), 20-100

Muskelschwäche, 20-100

Wirbelsäulenschäden, 0-100 

Anwaltliche Hilfe wird im Bereich des Behindertenrechts zumeist dann notwendig, wenn auf Antrag des Betroffenen nicht der angemessene Grad der Behinderung von der Behörde festgestellt wird, insbesondere ein höherer GdB gerechtfertigt ist. Dies kann beim ersten Antrag der Fall sein, aber auch wenn auf Antrag des Be- hinderten eine wesentliche Änderung (§ 69 SGB IX i.V.m. § 48 SGB X) festgestellt werden soll.

Wird Ihr Antrag ganz oder teilweise abgelehnt, erhalten Sie einen Bescheid. Gegen den Bescheid können Sie Widerspruch einlegen. Hat auch der Widerspruch keinen Erfolg, ergeht ein Widerspruchsbescheid, gegen den Sie Klage vor dem Sozialgericht erheben können.

Erfahrungen zeigen aber auch, dass die Behörden einfach schnell die Anträge bearbeiten, wenn ein Rechtsanwalt eingeschaltet ist. Die Rechtsschutzversicherung zahlt erst, wenn eine Klage beim Sozialgericht anhängig gemacht werden muss.