Fettabsaugung bei sogenannter Reiterhose - zahlt die Krankenkasse bei dieser Fettverteilungsstörung?

24.04.20131488 Mal gelesen
Wollen sich Menschen wegen gesundheitlicher Beeinträchtigungen Fett absaugen lassen, zahlt die Krankenkasse nicht. Der Erfolg der Fettabsaugung zum „Abspecken“ ist als „nachhaltige Behandlungsmethode“ nicht ausreichend belegt, entschied das Landessozialgericht Baden-Württemberg am 19.3.2013.

Wollen sich Menschen wegen gesundheitlicher Beeinträchtigungen  Fett absaugen lassen, können sie die Kosten nicht von ihrer Kranken-kasse erstattet bekommen. Der Erfolg der Fettabsaugung zum „Ab-specken“ ist als „nachhaltige Behandlungsmethode“ nicht ausreichend belegt, entschied das Landessozialgericht (LSG) Baden-Württemberg in Stuttgart in einem am Dienstag, 19. März 2013, bekanntgegebenen Urteil (Az.: L 4 KR 3517/11).
Die Klägerin, die an einer Fettverteilungsstörung im Bereich des Ge-säßes und beider Oberschenkel leidet, ihre gewünschte Fettab-saugung selbst bezahlen. Die Frau wiegt 91 Kilogramm bei einer Größe von nur 1,57 Metern. Durch Sport und eine Ernährungsum-stellung hatte sie zehn Kilogramm abnehmen können. An den Ober-schenkeln zeigte sich bei der 56-Jährigen jedoch keine Veränderung.
Bei ihrer Krankenkasse beantragte sie daher, das überschüssige Fett absaugen zu lassen. Sie leide an den Oberschenkeln unter erheb-lichen Schmerzen. Außerdem schäme sie sich wegen ihres Aus-sehens. Die Fettabsaugung sei aber nicht nur kosmetisch, sondern auch medizinisch erforderlich.
Die Kasse lehnte die begehrte Kostenübernahme ab. Die Versicherte leide zwar an einer Fettverteilungsstörung an den Oberschenkeln, einer sogenannten „Reiterhose“. Dies habe jedoch keine Funktions-einschränkung zur Folge. Außerdem sei die Behandlungsmethode des Fettabsaugens nicht als Kassenleistung zugelassen.
Dem folgten die Richter in ihrem Urteil vom 1. März 2013. Die Fettab-saugung genüge nach dem derzeitigen Stand der wissenschaftlichen Forschung „nicht den erforderlichen Qualitätsanforderungen“. Der Behandlungserfolg sei nicht ausreichend belegt. Die Kostenübernah-me des mit einem erheblichen Gesundheitsrisiko verbundenen Ein-griffs sei daher nicht gerechtfertigt.
Entsprechend hatte bereits am 16. Dezember 2008 auch das Bundes-sozialgericht (BSG) in Kassel entschieden (Az.: B 1 KR 11/08 R).

Mit Urteil vom 1. März 2012 hatte demgegenüber das Sozialgericht Chemnitz einer Patientin die sogenannte Liposuktion als Kassen-leistung zugesprochen (Az.: S 10 KR 189/10,), die Krankenkasse hatte dies im Einzelfall akzeptiert.