Forum Abstammungsrecht in Berlin

Forum Abstammungsrecht in Berlin
17.08.2016354 Mal gelesen
Rechtsanwälte der Arbeitsgemeinschaft Familienrecht tauschen sich zu Eizellenspende, Leihmutterschaft und sonstigen Fragen des Abstammungsrechts aus.

Die Frage der Abstammung dürfte zu den interessantesten Bereichen im Familienrecht gehören. Der Fortschritt der medizinischen Reproduktionsmöglichkeiten stellt (nicht nur) Juristen vor immer neue Herausforderungen.

Auf dem 71. Deutschen Juristentag in Berlin traf sich nun die Arbeitsgemeinschaft Familienrecht des Deutschen Anwalt Vereins zu einem Austausch im Abstammungsrecht. Neben zahlreichen Rechtsanwälten (meist Fachanwälte für Familienrecht) beteiligten sich auch Politiker, Richter und Beamte aus dem Bundesjustizministerium an der Diskussion.

Andere Länder, andere Möglichkeiten

Zentrale Themen waren die Samenspende, die Eizellspende sowie die Leihmutterschaft. Wie immer im Abstammungsrecht ging es dabei um die Differenzierung zwischen den biologischen und rechtlichen bzw. tatsächlichen Eltern. Da immer mehr Paare mit Kinderwunsch die Möglichkeiten anderer Länder nutzen, deren Rechtsordnung ihnen mehr Möglichkeiten einräumt als die in Deutschland, wurde von den Familienrechtlern in der Debatte immer wieder vergleichend auf die Regelung fremder Staaten geschaut. Auch die Perspektive der Ärzte und ihre Erwartungen an die Gesetzgebung spielte eine wichtige Rolle.

Wunsch nach Reformen                  

Bei den meisten Teilnehmern des Forums Familienrecht in Berlin konnte man den Wunsch nach Reformen verspüren. Diese müssten eine Liberalisierung der gesetzlichen Rahmenbedingungen im Abstammungsrecht bringen. Im Ergebnis würde dies zu mehr Möglichkeiten und mehr Selbstbestimmung bei Paaren mit Kinderwunsch führen. Das sollte im Ergebnis auch nicht zu einer Gefährdung des Kindeswohls führen – jedenfalls nicht mehr als die heute gängige Praxis der Flucht ins Ausland.  

Gerade für homosexuelle Paare, die eine Elternschaft anstreben, ist die weitere Entwicklung im Abstammungsrecht von Bedeutung. Sind sie doch stets auf Samenspenden, Eizellspenden bzw. Leihmutterschaft angewiesen.