Scheidung ohne Trennungsjahr - wie geht das?

27.06.2015139 Mal gelesen
Gründe für eine Härtefallscheidung ohne Trennungsjahr - § 1565 Abs. 2 BGB Nach § 1565 Abs. 2 BGB muss das Trennungsjahr nicht eingehalten werden, wenn es für den antragstellenden Ehegatten Gründe in der Person des anderen Ehegatten gibt, die für ihn eine unzumutbare Härte darstellen würden.

Gründe für eine Härtefallscheidung ohne Trennungsjahr - § 1565 Abs. 2 BGB

Nach § 1565 Abs. 2 BGB muss das Trennungsjahr nicht eingehalten werden, wenn es für den antragstellenden Ehegatten Gründe in der Person des anderen Ehegatten gibt, die für ihn eine unzumutbare Härte darstellen würden. Es wird von Gerichten nicht das subjektive Empfinden des Ehegatten als Maßstab genommen, sondern dabei fragt sich der Richter, ob ein besonnener Dritter bei ruhiger Abwägung aller Umstände auf das Verhalten des anderen Ehegatten mit dem Scheidungsantrag reagieren würde. Der Scheidungswillige muss die Gründe für die unzumutbare Härte darlegen und beweisen. Die Gründe können auch erst nach Scheitern der Ehe eingetreten sein und dem Anderen muss kein Verschulden hinsichtlich der in seiner Person liegenden Gründe vorwerfbar sein. Es kommen auch persönliche Eigenschaften und Krankheiten als Gründe für eine Härtescheidung in Betracht. Ich möchte stichwortartig Gründe aufführen, die mit großer Wahrscheinlichkeit ausreichen.

- Alkoholmissbrauch und mehrfaches Scheitern bzw. Verweigern von Alkoholentziehungskuren

- das Vertrinken des Familienunterhaltes

- Gewalt gegenüber Kindern und Ehefrau

- Kombination aus übermäßigem Alkoholgebrauch, unkontrollierten Wasserlassen und Gewalttätigkeiten gegenüber der Ehefrau

- das Einsperren eines Ehepartners mit Gewalttätigkeiten (dieser Fall ist streitig)

- Schwerste Beleidigungen und Bedrohungen des Anderen

- Morddrohungen

- Aufforderung zum Gruppensex

- jahrelanger Drogenmissbrauch, auch im Beisein des Ehegatten und der Kinder

- Aufforderung zum Geschlechtsverkehr zu Dritt, nachdem ein ehebrecherisches Verhältnis entdeckt wurde

- eine neue Lebensgemeinschaft und die Geburt eines Kindes aus dieser Gemeinschaft

- ehebrecherische Beziehungen von gewisser Intensität/Dauer, in der ehelichen Wohnung stattgefunden

- Ehebruch mit der 19jährigen vorehelichen Tochter der Ehefrau

- durch Heiratsannoncen gefundene Frauen und monatelanges Zusammenleben mit ihnen

- das Verlassen der Ehefrau, die gerade ein Kind geboren hat, um mit einer anderen Frau zu leben

- laufende Misshandlungen und Beschimpfungen der Ehefrau in Gegenwart der Kinder

- Nervenkrankheit, wenn diese nicht schon vor der Eheschließung bekannt war

- Aufnahme der Prostitution nach Trennung vom Partner

- Eheschließung nur, um eine Aufenthaltsgenehmigung zu erlangen

- Straftaten gegenüber den Ehepartnern/deren Eltern

- Selbstmordversuch, aber nicht, wenn der Andere selbst mitwirkende Ursache für dieses Drama war

- hartnäckige Unterhaltsverweigerung (streitig)

- grundloses Verlassen des Anderen, spezielle wenn kleine Kinder zu betreuen sind

- Verweigerung des Geschlechtsverkehrs, auch aus medizinischen Gründen.

Allgemein ist aber zu sagen, dass die Gerichte sehr streng mit den Voraussetzungen einer Härtefallscheidung umgehen.

Lassen Sie sich von einem Rechtsanwalt zu Hartefällen beraten.