Ausbildungsunterhalt bei Weiterbildung oder Zweitausbildung?

05.07.2013501 Mal gelesen
Die 22jährige Tochter verlangt von ihrem Vater weiterhin Ausbildungsunterhalt während der Ausbildung zur Physiotherapeutin, obwohl sie bereits eine Ausbildung zur Masseurin und medizinischen Bademeisterin erfolgreich abgeschlossen hatte.

Die 1990 geborene Antragstellerin begehrt vom Antragsgegner, ihrem Vater, Ausbildungsunterhalt. Nachdem sie im Jahre 2007 die mittlere Reife erworben hatte, absolvierte sie im Jahre 2008 ein Praktikum, an das sich der Besuch einer privaten Massageschule von 2008 bis 2010 anschloss. Dort wurde sie zur Masseurin und medizinischen Bademeisterin ausgebildet.

Um die Berufsbezeichnung "Masseur und medizinischer Bademeister" führen zu können, absolvierte die Antragstellerin nach dem Schulbesuch zusätzlich noch ein sechsmonatiges Anerkennungspraktikum in einer geeigneten medizinischen Einrichtung. Auf Grund dieser Ausbildung konnte sie schließlich innerhalb von 18 Monaten, statt üblicher 36 Monate, eine Ausbildung zur Physiotherapeutin mit verbundenem Besuch der Berufsfachschule anschließen.

Bereits im Dezember 2010 informierte die Antragstellerin ihren Vater von diesen Plänen und machte die Zahlung von Ausbildungsunterhalt geltend. Der Vater lehnte die Unterhaltszahlung auch nicht generell ab, sondern machte sie lediglich von anderen Faktoren abhängig.

Das Amtsgericht Rosenheim bejahte mit Beschluss vom 29.11.2012, Az. 3 F 1202/12, den Unterhaltsanspruch der Antragstellerin. Bei dem Ausbildungsgang, den die Antragstellerin absolvierte, handelte es sich nicht um eine Zweitausbildung, die nicht mehr von den Unterhaltspflichtigen finanziert hätte werden müssen. Vielmehr handelte es sich im vorliegenden Fall um eine Weiterbildung, die auf der ursprünglichen Ausbildung aufbaut und deshalb vom Vater zu finanzieren ist.

Darüber hinaus ging das Gericht davon aus, dass dem Vater diese Finanzierung auch zuzumuten ist. Dies erklärte es damit, dass die Weiterbildungsmaßnahme zum einen zeitlich sehr überschaubar sei, zum anderen würden der Auszubildenden dadurch  höhere Berufs- und Einkommensmöglichkeiten eröffnet. Außerdem habe der Vater eine Zahlung von Unterhalt nicht generell abgelehnt, so dass die Tochter auf die Bereitschaft der Zahlung durch den Vater vertrauen durfte.

In Fällen den Ausbildungsunterhalt betreffend liegt es grundsätzlich so, dass Eltern ihrer Unterhaltspflicht ausreichend nachkommen, wenn sie ihrem Kind eine angemessene Ausbildung finanziert haben.

Liegt jedoch fachlich ergänzend, vertiefend oder weiterführend eine Weiterbildung vor, ist diese auch von der Unterhaltspflicht der Eltern umfasst. Man spricht hier von einem sogenannten notwendigen engen sachlichen und zeitlichen Zusammenhang der einzelnen Ausbildungsabschnitte. Zu beachten ist hierbei im Übrigen, dass zwischen diesen Abschnitten auch ein gewisser Zeitraum liegen kann, da Kindern eine gewisse Orientierungsphase zugebilligt werden muss.