Erbrecht - Was wenn man als Erbe Schulden erbt? Was kann der Erbe unternehmen?

Erbrecht - Was wenn man als Erbe Schulden erbt? Was kann der Erbe unternehmen?
24.05.2015190 Mal gelesen
Erbrecht - Was wenn man als Erbe Schulden erbt? Was kann der Erbe unternehmen? Hierfür sieht das Gesetz zwei Verfahren vor: die Nachlassverwaltung und das Nachlassinsolvenzverfahren.

Was, wenn man als Erbe Schulden erbt?

Es ist eine schöne Vorstellung für viele Menschen: Ein Lottogewinn oder eine schöne Erbschaft. Ein reicher Verwandter aus Übersee hinterlässt einem unverhofft viel Geld.

Doch nicht immer bringt eine Erbschaft finanziellen Segen. Mitunter werden auch Schulden weitergegeben.

Manchmal besteht eine Erbschaft aus Schulden. Nun ist erst einmal guter Rat teuer. Und meistens eilt es plötzlich auch noch sich zu entscheiden. Was gibt es für Möglichkeiten? Erben können dann die Haftung beschränken oder die Erbschaft ausschlagen.

Fakt ist: Eine Erbschaft kann mitunter eine Last sein. Das gilt vor allem, wenn zum Nachlass auch Schulden gehören.

Wissen Erben von diesen Schulden, können sie die Erbschaft ausschlagen, erklären Rechtsanwälte. Dazu müssen sie innerhalb von sechs Wochen gegenüber dem zuständigen Nachlassgericht ihren Verzicht erklären. Das geschieht schriftlich, die Unterschrift muss notariell beglaubigt werden.

Nimmt der Erbe die Erbschaft an und erfährt im Nachhinein, dass er auch Schulden geerbt hat, kann er die Annahme der Erbschaft immer noch anfechten.

Werden dem Erben hohe Schulden hinterlassen, kann er Maßnahmen ergreifen, um seine Haftung auf die Erbmasse zu beschränken. Damit wird vermieden, dass die Schuldtilgung aus dem eigenen Vermögen erfolgt.

Hierfür sieht das Gesetz zwei Verfahren vor: die Nachlassverwaltung und das Nachlassinsolvenzverfahren.

Eine Nachlassverwaltung wird meist dann angeordnet, wenn die Erbschaft unüber-sichtlich ist. Der Erbe überträgt die Aufgabe, den Nachlass zu verwalten und alle damit verbundenen Verbindlichkeiten zu begleichen, an einen Nachlassver- walter. Das sind oft kundige Rechtsanwälte, die zunächst den Nachlaß in Besitz nehmen und dann ein Nachlassverzeichnis aufstellen. Dann kommt die wertmäßige Einschätzung des Erbes. Was ist die liebevoll gesammelte Briefmarken- oder Münzsammlung denn wert? Was ist für den Hausrat zu erzielen.

Der Nachlassverwalter wird stellvertretend für die Erben sorgen, dass alle Gläubiger ihre Schulden zurückerstattet bekommen. Dieses Verfahren kann nur durchgeführt werden, wenn genügend Nachlassvermögen zum Decken der Schulden vorhanden ist.

Sollte der Nachlass so hoch überschuldet sein, dass der Erbe zahlungsunfähig ist, kann eine Nachlassinsolvenz beantragt werden. Gläubiger erhalten in diesem Fall meist nur einen Teil ihrer Schulden zurück. Sowohl Nachlassverwaltung als auch -insolvenz setzen voraus, dass die Kosten des Verfahrens aus dem Nachlass gedeckt werden können. Ist dies nicht möglich, muss der Erbe selbst als Verwalter tätig werden und eine Haftungsbeschränkung gegenüber den Gläubigern herbeiführen.

Im Zweifelsfall sollten Erben oder die Erbengemeinschaft einen Anwalt aufsuchen.