Gurlitt - Bericht der Taskforce zu Pissarro wirft weitere Fragen auf

Gurlitt - Bericht der Taskforce zu Pissarro wirft weitere Fragen auf
02.04.2015511 Mal gelesen
Der Taskforce „Schwabinger Kunstfund“ wurde in den vergangenen Wochen von verschiedener Seite vorgehalten, sie arbeite zu langsam und zu ineffizient. Nun hat sie einen vierten Provenienzbericht veröffentlicht. Dieser wirft jedoch erneut Fragen bezüglich deren Arbeitsweise auf.

Am 1. April 2015 hat die Taskforce „Schwabinger Kunstfund“ einen Provenienzbericht zum Gemälde „La Seine vue du Pont-Neuf, au fond la Louvre“ von Camille Pissarro veröffentlicht. Darin kommt sie zu dem Ergebnis, dass das Gemälde zu Lasten des Vaters einer Anspruchstellerin entzogen worden sei. Damit ist die grundsätzliche Voraussetzung für eine weitere Restitution geschaffen. Denn ohne einen Bericht der Taskforce kann der für die Sammlung Gurlitt nach wie vor zuständige Nachlasspfleger keine Rückgabe von Raubkunst in die Wege leiten, selbst wenn alle Beteiligten von der Rechtmäßigkeit der Ansprüche überzeugt sind. Schon zu Lebezeiten von Cornelius Gurlitt scheiterte eine erste Restitution an einer Verzögerung durch die Taskforce. Der Inhalt des Online abrufbaren fünfseitigen vierten Provenienzberichts wirft jedoch die Frage auf, warum er erst jetzt und nicht schon vor über einem Jahr veröffentlicht wurde.

Auf Seite 3, erster Absatz, des Provenienzberichtes zum Pissarro ist zu lesen, das Gemälde sei erst auf „Anregung der Stiftung Kunstmuseum Bern (…) auf seine Herkunft hin untersucht“ worden. Auf Seite 4, erster Absatz, heißt es, das Kunstmuseum Bern habe das Werk „auf Grund eigener Erkenntnis als Raubkunst eingestuft und um Übernahme gebeten“. Das verwundert, denn in Insiderkreisen war bereits kurz nach der Entdeckung des Gemäldes im Haus von Cornelius Gurlitt in Salzburg Ende Februar 2014 bekannt, dass es sich dabei um Raubkunst handelt und wer der vormalige rechtmäßige Besitzer war. So hatte Rechtsanwalt Dr. Louis Rönsberg bereits im Mai 2014 im Namen von Cornelius Gurlitt versucht mit der Erbin des vormaligen Besitzers Kontakt aufzunehmen, um eine schnelle unbürokratische Rückgabe in die Wege zu leiten.

Wie sich dem sehr knapp gehaltenen Provenienzbericht zum Pissarro auf Seite 1, letzter Absatz, weiter entnehmen lässt, beruht dieser wohl ausschließlich auf den Forschungen und Ergebnissen der französischen „Kommission für die Entschädigung der Opfer von Enteignungen aufgrund der antisemitischen Gesetzgebung während der Okkupationszeit“ (CIVS). Die Ergebnisse der Kommission seinen nicht weiter infrage gestellt worden, heißt es. Wenn sich die Recherchearbeit der Taskforce jedoch in der Übernahme eines bereits länger bestehenden Forschungsergebnisses erschöpft haben sollte, stellt sich wiederum die Frage, warum dies erst nach über einem Jahr nach Auffinden des Gemäldes in Gurlitts Salzburger Haus geschehen ist.

Der nachweislich falsche Vorwurf der Taskforce gegen Gurlitts ehemaligen Betreuer Christoph Edel, dieser habe sie nicht auf wichtige Unterlagen aus dem Nachlass Gurlitt hingewiesen und dadurch eine Verzögerung der Nachforschungen verursacht, ändert daran nichts. Denn für den Provenienzbericht zum Gemälde von Pissarro waren diese Unterlagen offenkundig nicht erforderlich. Edel hatte die Taskforce in einer Besprechung am 30. Juni 2014 über die Unterlagen informiert und mit E-Mail vom 14. Juli 2014 nochmals an diese erinnert. Die Taskforce behauptete jedoch von den Unterlagen erst im März 2015 erfahren zu haben. Die E-Mail des Betreuers habe man wegen „Problemen mit der IT“ nicht erhalten (vgl. Süddeutsche Zeitung, 27.03.2015, S. 11, Raubkunst: Schnellste Aufklärung?).

Weiterführend:

Gurlitt - Rückgabe der „Sitzenden Frau“ von Matisse

Cornelius Gurlitt - Chronologie der geplanten Restitutionen von Raubkunst aus der Sammlung Gurlitt