Rechtsanwalt und Makler - das passt nicht zusammen

Rechtsanwalt und Makler - das passt nicht zusammen
06.01.2016807 Mal gelesen
AGH Berlin hält den Anwaltsberuf mit der Tätigkeit als Immobilienmakler für unvereinbar. Die Urteilsbegründung und einen Kommentar lesen Sie hier.

Viele Rechtsanwälte üben neben ihrer anwaltlichen Tätigkeit noch einen oder mehrere weitere Berufe aus. Das kann zu Konflikten und sogar zum Entzug der Zulassung als Anwalt führen. Das musste ein Rechtsanwalt aus Berlin erfahren, der auch als Immobilienmakler aktiv war. Die Anwaltskammer Berlin entzog ihm seine Zulassung, weil seine Doppeltätigkeit eine schädliche Interessenkollision mit sich brachte.

Anwaltsgerichtshof Berlin bestätigt die Rechtsauffassung der Berliner Rechtsanwaltskammer

Konkret war der Anwalt Geschäftsführer eine Immobilienhandelsgesellschaft. Als ihm von der Kammer die Zulassung entzogen wurde, ging er gerichtlich dagegen vor. Der AGH Berlin bestätigte dann in einem Urteil vom 25. März 2015 die Auffassung der Rechtsanwaltskammer: Rechtsanwalts- und Maklertätigkeit sind miteinander unvereinbar. In ihrer Begründung verwiesen die Berliner Richter ebenfalls auf eine deutliche Gefahr einer Interessenkollision. Potentielle Mandanten hätten begründete Zweifel an der Unabhängigkeit und Kompetenz des Rechtsanwalts entwickeln und damit das Ansehen der Rechtsanwaltschaft insgesamt beeinträchtigen können. Für die Frage der Vereinbarkeit des Anwaltsberufs mit anderen Tätigkeiten komme es nicht nur auf die Integrität des jeweiligen Rechtsanwalts und die Besonderheiten seiner beruflichen Situation an.

Wenn Rechtsanwälte zu viel wissen – Gelegenheit macht Makler

Rechtsanwälte, so das Gericht, könnten bei der Ausübung ihres Berufs Kenntnisse über das Vermögen ihrer Mandanten erhalten. Hierdurch bestehe die Gefahr, dass sie im Rahmen einer Nebentätigkeit als Immobilienmakler Vermögensumschichtungen anstoßen, um eine Maklerprovision zu verdienen. Hierdurch sei die Unabhängigkeit des Rechtsanwalts nicht gewahrt. Die Richter des AGH Berlin sahen im Entzug der Zulassung auch keine unzumutbare Härte aufgrund des Verlustes des Einkommens aus Anwaltstätigkeit. Die Praxis der Kammer in Berlin hätte dem Rechtsanwalt bekannt sein müssen, so dass er das Risiko bewusst eingegangen sei.

Alte Zöpfe im Berufsrecht abschneiden?

Heutige Rechtsanwaltskanzleien werden immer mehr wie Unternehmen geführt. Bei der Wahrnehmung von Geschäftsgelegenheiten sind Anwälte jedoch sowohl durch das Steuerrecht (als Freiberufler) als auch durch das anwaltliche Berufsrecht gehemmt. Sicherlich ist es sinnvoll, dass Anwälte sich nicht nur als Unternehmer, sondern nach wie vor auch als Organ der Rechtspflege verstehen. Gewisse Fesseln dürften daher tatsächlich im Interesse des Berufsstandes sein. Liberalisierungen sind ohnehin vor allem im Wege europäischer Harmonisierungen zu erwarten, da die berufsrechtlichen Zwänge in den einzelnen EU-Staaten nicht unerheblich voneinander abweichen.

Ob künftig die Tätigkeit des Rechtsanwalts mit der des Maklers vereinbar sein wird, bleibt abzuwarten. Die Entscheidung als Berlin ist grundsätzlich nachvollziehbar. Wirtschaftskanzleien mit Anwälten und Steuerberatern sind tatsächlich so nah am (Immobilien-)Vermögen ihrer Mandanten, dass eine Doppeltätigkeit hier tatsächlich im Einzelfall nicht im Interesse des Mandanten sein könnte. Dieser ist also grundsätzlich gut beraten, wenn er für verschiedene Tätigkeiten auch verschiedene Berater einschaltet. Im Ergebnis sollte sich der Anwalt daher wohl auf seine Expertise z.B. als Rechtsanwalt für Immobilienrecht bzw. Rechtsanwalt für Maklerrecht konzentrieren und die Maklertätigkeit anderen überlassen.

Weitere Informationen des Autors, der für die Kanzlei ROSE & PARTNER LLP. am Standort Berlin dem Dezernat Immobilienrecht vorsteht, zu den Themen Immobilienrecht und Maklerrecht finden Sie hier:

 http://www.rosepartner.de/rechtsberatung/immobilienrecht.html

http://www.rosepartner.de/rechtsberatung/immobilienrecht/maklerrecht.html