Arzthaftung bei erweiterter OP

11.08.201762 Mal gelesen
OLG Köln: Arzt muss über eventuell notwendige OP-Ausweitung im Vorfeld informieren. Steht einem als Patient eine OP bevor, müssen die behandelnden Ärzte entsprechend über den geplanten Eingriff, mögliche Risiken und Komplikationen informieren. Wie weit darf die tatsächliche OP von der geplanten...

OLG Köln: Arzt muss über eventuell notwendige OP-Ausweitung im Vorfeld informieren

Steht einem als Patient eine OP bevor, müssen die behandelnden Ärzte entsprechend über den geplanten Eingriff, mögliche Risiken und Komplikationen informieren. Wie weit darf die tatsächliche OP von der geplanten abweichen, ohne dass dazu erneut aufgeklärt werden muss?

In einem aktuellen Fall hatte das OLG Köln 2017 darüber zu entscheiden, wie umfassend eine bereits mehrfach operierte Patientin vor der neuen OP hätte informiert werden müssen. Die Patientin war seit Jahren in Behandlung und trug schon eine Kniegelenksprothese. Da es immer wieder zu Problemen mit dem Knie kam, wurde sie erneut operiert und zuvor ärztlich aufgeklärt. Bei der OP haben die Operateure als OP-Erweiterung das Kniegelenk versteift, weil sie es als notwendig erachteten.

Die Operation selbst wurde korrekt ausgeführt und war nicht behandlungsfehlerhaft. Allerdings – und darum ging es im Gerichtsverfahren – wurde die Patientin nicht darüber aufgeklärt, dass es im Rahmen der OP-Erweiterung möglich sein könne, diese Versteifung einzuleiten. Dafür wollte die Patientin ein Schmerzensgeld erstreiten. Dieses wurde ihr für die Entfernung der Kniescheibe zugebilligt. Wenn also der Operateur sich die Möglichkeit offen halten wollte, während der OP die Kniescheibe zu entfernen, hätte er die Patientin darüber aufklären müssen, dass diese Maßnahme je nach Verlauf und Befund bei der OP in Betracht kommen könnte. Und genau dafür hätte sich der Arzt eine entsprechend erweiterte Einverständniserklärung geben lassen müssen. Rechtlich muss der Arzt über vorhersehbare Operationserweiterungen aufklären.

Im Ergebnis wurde ihr das Schmerzensgeld wegen der mangelnden Aufklärung zugesprochen, nicht jedoch wegen eines Behandlungsfehlers.

Merke: Wer vor einer schwierigen Operation steht, sollte die Ärzte unbedingt auch dazu befragen, welche Möglichkeiten potenziell noch im Raum stehen, wenn die OP neue Erkenntnisse bringt.

Für Fragen im Medizinrecht sollten Sie unbedingt mit einem erfahrenen Anwalt sprechen, da die Materie spezielle Fachkenntnisse erfordert.