Schwarzfahrer fehlt charakterliche Eignung für Einstellung als Lehrer

Schwarzfahrer fehlt charakterliche Eignung für Einstellung als Lehrer
11.04.2017480 Mal gelesen
Schwarzfahren mit Bus und Bahn ist keine Bagatelle. Erst recht nicht, wenn der Schwarzfahrer bei der Kontrolle auch noch einen gefälschten Fahrausweis vorzeigt.

Ein solches Verhalten kann Auswirkungen bis in das Berufsleben haben, wie ein aktuelles Urteil des Landesarbeitsgerichts Berlin-Brandenburg vom 31. März 2017 zeigt (Az.: 2 Sa 122/17).

Für einen jungen Mann hatte das Schwarzfahren mit der S-Bahn erhebliche Konsequenzen. Eine im Grunde genommen schon sicher geglaubte Anstellung als Lehrer muss er deshalb vorerst abschreiben. Die Zusage, die Stelle des Lehrers zu bekommen, hatte der Mann quasi schon in der Tasche. Allerdings musste sein erweitertes Führungszeugnis noch überprüft werden. Und in diesem Fall war das mehr als eine Formalie. Denn im Führungszeugnis tauchte ein rechtskräftiger Strafbefehl auf. Demnach hatte der Mann bei einer Fahrscheinkontrolle in der S-Bahn einen gefälschten Fahrschein vorgelegt und wurde wegen versuchten Betrugs zu einer Geldstrafe verurteilt.

Die Behörde zog daraufhin ihre Zusage zurück. Auch auf dem Klageweg konnte der Mann die Einstellung nicht erreichen. Das LAG Berlin-Brandenburg kam zu der Überzeugung, dass es dem Mann an der „erforderlichen charakterlichen Eignung“ für eine Einstellung als Lehrer fehle. Zudem sei die Zusage noch nicht rechtskräftig erfolgt gewesen. Der Strafbefehl wird nach drei Jahren wieder aus dem Führungszeugnis gelöscht. Dann kann der Mann einen neuen Anlauf wagen.

„Nicht nur für den Beruf des Lehrers ist eine charakterliche Eignung erforderlich. Insofern können sich vermeintliche Jugendsünden noch Jahre später bis ins Berufsleben auswirken. Nachträglich lassen sich solche Fehler nur schwer korrigieren. Es dürfte dann aber immer besser sein, das offene Wort mit dem Arbeitgeber zu suchen“, sagt Rechtsanwalt Joachim Schwarz, Fachanwalt für Arbeitsrecht und Partner bei der Kanzlei AJT in Neuss.


Mehr Informationen: https://www.ajt-neuss.de/arbeitsrecht