Saxo Bank - Fachanwalt informiert

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10.02.2015212 Mal gelesen
Dänische Saxo Bank und die Folgen der Franken – Euro - Entkopplung

Die abrupte Kehrtwende der SNB-Währungspolitik Mitte Januar hatte zahlreiche Währungshändler getroffen. Durch diesen rapiden Kursverfall wurden zahlreiche Stop-Loss Orders zeitgleich ausgelöst, die nicht immer bewältigt werden konnten. Auch bei dem im dänischen Kopenhagen ansässigen Online-Institut Saxo Bank führte die starke Aufwertung des Schweizer Frankens nach der Aufgabe des Euro-Mindestkurses durch die SNB zu Verlusten. Einige Kunden würden nicht in der Lage sein, ihren Verpflichtungen vollumfänglich nachzukommen, was zu Wertberichtigungen für die Bank führen werde, teilte die Saxo Bank bald nach der Entkopplung noch im Januar mit.
Mit zum Teil sehr kurzen Zahlungsfristen werden diese betroffenen Kunden seitdem mit im Einzelfall erheblichen Nachschussforderungen, sog. Margin Calls, konfrontiert.
Bemerkenswert ist jedoch vor allem das Vorgehen der Bank hinsichtlich der Ausführung von Stop Loss Orders bei Fremdwährungsgeschäften. Bei einer Vielzahl der betroffenen Kunden soll es kurzfristig zu den erwarteten Gutschriften gekommen sein, die dann später von der Saxo Bank nachträglich verändert worden sein sollen. So wurden Orders der Kunden vormittags unmittelbar nach dem Kursverfall nahe des Stop Loss bestätigt und am Abend desselben Tages eine Anpassung der zuvor bereits ausgeführten Orders vorgenommen worden sein. Die Konditionen der Orderausführung wurden hierbei nachträglich signifikant zu Lasten der Kunden verändert, indem sie rückwirkend auf eine nahezu paritätische Ausführung im Verhältnis EUR/CHF umgestellt wurden. In der Folge erlitten die betroffenen Kunden erhebliche Verluste. Konten, die bis dahin mit sechsstelligen Beträgen im Haben standen, gerieten auf diese Weise mit teilweise sechsstelligen Beträgen ins Minus, wodurch eben jene zahlreichen Margin Calls ausgelöst wurden. Im Ergebnis hätten die Kunden also signifikante Kapitalverluste und ein erhebliches Nachschussrisiko zu tragen, obwohl ihnen noch am Vormittag des Entkopplungstages, dem 15.01.2015, die Ausführung der Order nahe des gesetzten Stop Loss bestätigt worden war.
Ihre Berechtigung hierzu leitet die Bank aus der Ziffer 16 „Market Making“ ihrer AGB ab, nach welcher sich die Saxo Bank das einseitige Recht vorbehält, unter gewissen Voraussetzungen, ausgeführte Orders nachträglich abzuändern. In einem Rundschreiben an ihre Kunden vom 05.02.2015 rechtfertigt die Saxo Bank ihr Vorgehen und verweist vielfach auf ihre Allgemeinen Geschäftsbedingungen. Gerade diese AGB haben es in sich: auch für deutsche Kunden ausschließlich englischsprachlich verfügbar enthalten sie eine Rechtswahlklausel, die im Falle von Auseinandersetzungen zwischen Bank und Kunde die Anwendung Dänischen Rechts vorsieht. Darüber hinaus enthalten sie eine sogenannte Gerichtsstandvereinbarung, die eine ausschließliche Zuständigkeit des „Maritime & Commercial Court of Copenhagen“ vorsieht.
Betroffene Kunden sollten unbedingt handeln und vor der Anerkennung irgendwelcher Ansprüche von der Saxo Bank eine substantiierte Darlegung der behaupteten Forderungen zu verlangen. Es empfiehlt sich zudem eine Prüfung des Einzelfalls und kritische Hinterfragung geltend gemachter Forderungen durch eine auf Bank- und Kapitalmarktrecht spezialisierten Fachanwalt.


Für weitere Informationen oder Fragen rund um das Thema Saxo Bank stehen wir Ihnen auf www.anlegerschutz.ag gerne zur Verfügung.