Schweizer Franken - Auswirkungen auf Immobilienfonds

Schweizer Franken - Auswirkungen auf Immobilienfonds
09.02.2015208 Mal gelesen
Immobilienfonds drohen Finanzierungsprobleme - Folge der Schweizer Franken Aufwertung

Mitte Januar hatte die Schweizer Notenbank ohne jegliche Vorankündigung die Kopp-lung ihrer Währung zum Euro aufgegeben. Begründet wurde dies erst nachträglich mit zu hohen Kosten des Mindestkurses des Franken zum Euro. Bis dahin und seit Septem-ber 2011 hatte die Schweizer Notenbank immer eingegriffen, wenn der Euro unter 1,20 Franken zu fallen drohte. Dann hatte sie Wertpapiere in Euro gegen Franken gekauft und so den Euro künstlich gestützt und den Franken geschwächt. Durch die Entkopplung schnellte der Frankenkurs innerhalb kürzester Zeit nach oben während zugleich der Eurokurs abstürzte. Nicht nur der Internationale Währungsfonds IWF – auch die Finanzmetropolen London sowie New York wurden von der Entscheidung völlig unvorbereitet getroffen. In der Schweiz selbst brachen die Aktienkurse ein. Innerhalb weniger Minuten wurde an der Börse in Zürich Geld im Wert der gesamten Wirtschaftsleistung des Landes in einem Quartal verbrannt.

Nach Informationen des Portals wallstreet:online hat die Ratingsagentur Scope festge-stellt, dass die drastische Aufwertung des Schweizer Franken für viele Immobilienfonds Probleme bringen werde, da rund 10% der von Scope analysierten Fonds sich anteilig über Kredite in Schweizer Franken finanzierten, obwohl die Fonds in der Eurozone investierten.
Da die Darlehen in der Regel zehnjährige Laufzeiten aufwiesen, müssten zahlreiche der in den Jahren 2004 bis 2006 emittierten Fonds derzeit Anschlussfinanzierungen schlie-ßen. Das ursprüngliche Kreditvolumen der in diesen drei Jahren aufgelegten Fonds betrug rund 1,3 Mrd. CHF. Nach Abzug der bereits geleisteten Tilgungen erwartet Scope ein ausstehendes Kreditvolumen von mehr als 1 Mrd. CHF. Durch die Aufwertung des Schweizer Franken habe sich die reale Kreditlast der betroffenen Fonds in Euro zum Teil deutlich erhöht. Diese Erhöhung könne zur Überschreitung der im Kreditvertrag verankerten Beleihungsgrenzen führen und damit das Recht der finanzierenden Banken auf Nachbesicherung auslösen. Auswirkungen habe dies auf die Liquiditätsüberschüsse der Fondsgesellschaft, da diese nicht mehr an die Gesellschafter ausgekehrt werden dürften, sondern gemeinsam mit der Liquiditätsreserve als Puffer an die Bank verpfändet würden. Weiterhin sei es üblich, dass die finanzierende Bank die Rekonvertierung von Anteilen oder der gesamten Schweizer Franken-Finanzierung in Euro verlange. In diesem Extremfall müssten beträchtliche Währungsverluste realisiert werden, um das CHF-Darlehen abzulösen.


Was bedeutet diese Entwicklung für deutsche Kapitalanleger?

Die betroffenen Fonds befinden sich in einer äußerst ungünstigen Ausgangssituation für die anstehenden Gespräche bezüglich der Anschlussfinanzierung. Im worst-case könnten daher Fonds-Insolvenzen in nicht unerheblicher Zahl bevorstehen.
Für Anleger ist nun der Zeitpunkt zum Handeln gekommen. Diese sollten sich nicht al-leine auf die künftige Entwicklung des Fonds verlassen, sondern vielmehr den Rat eines auf Kapitalanlagerecht spezialisierten Anwalts aufsuchen, um präventive Schritte und Ausstiegsmöglichkeiten juristisch prüfen zu lassen.