Die HSH Nordbank will bis zum Ende des ersten Quartals 2014 ein Portfolio mit Schiffskrediten verkaufen. Schiffsfonds in Bedrängnis!

Die HSH Nordbank will bis zum Ende des ersten Quartals 2014 ein Portfolio mit Schiffskrediten verkaufen. Schiffsfonds in Bedrängnis!
14.02.2014476 Mal gelesen
Die HSH Nordbank will bis zum Ende des ersten Quartals 2014 ein Portfolio mit Schiffskrediten verkaufen. Seit dem Ausbruch der Krise im Spätjahr 2008 haben etwa 350 Schiffe Insolvenz anmelden müssen. Schiffsfondsanleger sollten sich beraten lassen.

Die Schifffahrt bewegt sich unverändert in schwierigem Fahrwasser. Die Branche rechnet erst in einigen Jahren mit einer Erholung. Inzwischen häufen sich die Insolvenzfälle. Schiffsfondsanleger müssen um ihr Kapital zittern. Die HSH Nordank will in Kürze neuerlich ein Portfolio mit Schiffskrediten verkaufen, um die Risiken aus Kreditausfällen ein wenig zu lindern. Gemäß Nachrichtenagentur Bloomberg hat die Bank, die zu den weltweit größten Schiffsfinanzierern zählt, ein entsprechendes Kreditportfolio identifiziert. Es soll bis zum Ende des ersten Quartals 2014 verkauft werden, hieß es in der Meldung, die sich auf Äußerungen von Wolfgang Topp bezieht. Er leitet seit März 2012 als Generalbevollmächtigter der HSH Nordbank die Restructuring Unit (Abbau-Bank).

Aufgrund der andauernden Krise in der Schifffahrt besteht im Kreditmanagement akuter Handlungsbedarf. "Die Krise in der Schifffahrt wird die Bank weiterhin belasten. Da die wirtschaftliche Situation vieler Unternehmen der Branche angespannt bleibt, rechnen wir mit weiterem Vorsorgebedarf im Schiffskreditportfolio der Bank. Den Beginn einer nachhaltigen Erholung der Schifffahrt erwarten wir weiterhin nicht vor dem Jahr 2015", hieß es im HSH-Finanzbericht zum dritten Quartal 2013. Laut Bloomberg arbeitet die Bank an einer Transaktion, die ähnlich einem Deal mit der Navios Gruppe im April 2013 ist. Das Schifffahrtsunternehmen hat fünf Tanker und fünf Containerschiffe übernommen und mit der HSH die Finanzierung neu geordnet. Die Alteigentümer wurden aus ihren Kreditverpflichtungen im Umfang von 300 Millionen US-Dollar entlassen.

Marktkrise hält den Druck hoch
Ende 2013 hat die HSH Nordbank einen geplanten Kreditverkauf offenbar nicht umsetzen können. Das 300 Millionen Euro schwere Paket beinhaltete Container- und Massengutschiffe. "Den Worten von Topp zufolge ist das Portfolio nicht ideal gewesen - mit Blick auf die Größe und das Alter der Bulker", berichtete Bloomberg. Die Schiffsmärkte stehen wegen massiver Überkapazitäten unter enormen Druck, der so schnell nicht nachlassen wird. Denn die Schiffsbestellungen sind noch lange nicht abgearbeitet und immer noch bestellen Reeder in großem Umfang neue Schiffe.

In der Containerfahrt drängen die großen Schiffe mit Ladekapazitäten jenseits der 10.000 Standardcontainer (TEU) in den Markt. Für die Anleger deutscher Schiffsfonds, die ihre Schiffe an Linienreeder vermieten, bedeutet das offenbar nichts Gutes. "Da insbesondere die neuen Klassen vorrangig von den Linenreedereien eigenständig betrieben werden, bleibt der Chartermarkt unseres Erachtens auch im laufenden Jahr unverändert unter Druck. Ein Indiz dafür ist, dass bereits drei Viertel der aufliegenden Schiffe wieder auf so genannte Non- Operating-Owners (NOO) entfallen", schrieb die Nord/LB in ihrem Infodienst "Shipping Compact" Mitte Januar.

Reedereien kämpfen gegen Verluste
Zur Entwicklung der Containerschifffahrt äußerte sich die Nord/LB sehr vorsichtig: "Zu hoch sollten die Erwartungen nicht gesteckt werden. Der Vergleich der letzten drei Jahre zeigt stagnierende Frachtraten im Vorfeld und direkt nach den chinesischen Feiertagen (Chinese New Year). Erst danach sind in Abhängigkeit des jeweiligen Marktumfeldes Anpassungen in den Frachtratenniveaus erkennbar." Der japanischen Linienreederei NYK zufolge werden die Frachtraten wegen der schwachen Erholung der Ladungsvolumina niedrig bleiben. Zum wirtschaftlichen Überleben fahren die Reedereien seit Jahren drastische Kostensenkungsprogramme. Zu den Überlebensmaßnahmen zählen auch strategische Allianzen, bei denen sich Linienreeder auf den Langstrecken für den gemeinsamen Betrieb von Fahrtrouten zusammenschließen. 

Hunderte Schifsfondsschiffe sind pleiteLaut dem Fachjournalisten Wolfhart Fabarius haben seit dem Ausbruch der Krise im Spätjahr 2008 etwa 350 Schiffe Insolvenz anmelden müssen. 

Für die Schiffe deutscher Schiffsfonds ist die Luft in den vergangenen Monatennoch sehr viel dünner geworden. Die Sanierungskonzepte greifen nicht, unter anderem wegen zu optimistischer Prognosen in den Fortführungskonzepten. Erneute Rettungsmaßnahmen lassen sich bei den Anlegern immer seltener platzieren. Deshalb stieg zuletzt die Zahl der zahlungsunfähigen Schiffe schneller als die Zahl der Sanierungsfälle.

Die Anleger sollten sich durch Fachanwälte für Bank- und Kapitalmarktrecht beraten lassen, wie sie aus den Schiffsfonds aussteigen können. Es gibt Ansätze für Schadenersatzansprüche. 

Quelle: Fonds Professionell