Schiffsfonds in der Krise - Im ersten Halbjahr 2013 haben die Schiffsfonds 100 Schiffe verkauft!

Schiffsfonds in der Krise - Im ersten Halbjahr 2013 haben die Schiffsfonds 100 Schiffe verkauft!
11.09.20131681 Mal gelesen
Ausverkauf der deutschen Flotte beschleunigt sich - Im ersten Halbjahr 2013 haben die deutschen Schiffsfonds 100 Schiffe verkauft. So vermeldete das Analyse- und Research-Unternehmen Deutsche Fondsresearch. Erhebliche Auswirkungen für die Tausenden Schiffsfondszeichner.

Hamburg. Im ersten Halbjahr 2013 haben die deutschen Schiffsfonds genau 100 Schiffe verkauft. Im gesamten Jahr 2012 waren es lediglich 86 Schiffe, teilte das Analyse- und Research-Unternehmen Deutsche Fondsresearch am Donnerstag in Hamburg mit.

Damit hat sich der Ausverkauf der deutschen Handelsflotte beschleunigt. Seit Beginn der Schifffahrtskrise 2008 seien bereits 266 Schiffe mit einem Kom man- ditkapital von 3,7 Milliarden Euro verkauft worden, sagte Geschäftsführer Nils Lorentzen. Das seien fast zehn Prozent der rund 3000 deutschen Fondsschiffe. Ein Ende der Verkäife ist nicht abzusehen.

In drei Viertel der Fälle werden die Schiffe aus wirtschaftlicher Not verkauft. Bei einer Insolvenz oder einem Sanierungsfall ist ein Verkauf oft die einzige Mög- lichkeit, Schulden zu bezahlen oder den Anlegern zumindest einen Teil ihres Kapitals auszahlen zu können. Die Schifffahrt, speziell die Containerschifffahrt, leidet weltweit unter Überkapazitäten und niedrigen Frachtraten. Deshalb handelt es sich bei den Verkäufen meistens um Containerschiffe.

Die angespannte Situation der Schiffsfondsbranche setzt sich fort. Ein Beleg dafür sind die drastisch angestiegenen Zahlen der Schiffsverkäufe, die die Deutsche FondsResearch für das erste Halbjahr 2013 erhoben hat.

Bereits 100 Schiffe wurden demnach im Zeitraum Januar bis Juni dieses Jahres verkauft. Der Blick auf die Zahl der verkauften Schiffe im Vorjahr macht die Dimension des Anstiegs deutlich: 86 Schiffe wurden im gesamten Jahr 2012 verkauft.

Neues Hoch bei der Zahl der Schiffsverkäufe

Bereits Anfang 2013 hat die Deutsche FondsResearch die Schiffsverkaufszahlen des vergangen Jahres analysiert und mit 41 verkauften Schiffen im vierten Quartal 2012 einen deutlichen Anstieg zu den Vorquartalen festgestellt. Dieser Trend setzt sich auch in diesem Jahr fort. So lag die Zahl der verkauften Schiffe im ersten Quartal 2013 bei 43 Schiffen und stieg im zweiten nochmals um 57 auf nunmehr 100 Schiffsverkäufe für das erste Halbjahr 2013 an. Allein im Monat Mai wurden 29 Schiffe mit einem Kommanditkapital von 397 Mio. Euro veräußert. Das sind in einem Monat mehr Verkäufe als im gesamten ersten Halbjahr des vergangenen Jahres.

Deutsche Fondsschiffsflotte deutlich verkleinert

Wie wird es sich auf die Schiffsfondsbranche auswirken, wenn sich dieser Trend fortsetzt? Sind in ein paar Jahren fast alle Fondsschiffe verkauft? Fakt ist: „Seit Beginn der Krise wurden bereits 266 Schiffe mit einem Kommanditkapital von 3,7 Mrd. Euro verkauft“, erläutert Nils Lorentzen, Geschäftsführer der Deutschen FondsResearch. „Geht man von etwa 3.000 deutschen Fondsschiffen aus, sind das immerhin fast zehn Prozent“, resümiert Lorentzen. „Ein Ende ist derzeit noch nicht abzusehen. Wir erwarten für die nächsten beide Quartale weitere Schiffsverkäufe.“ Da die meisten Schiffe ins Ausland veräußert werden, sinkt mit den Schiffsverkäufen auch die Anzahl der Schiffe, die unter deutscher Flagge fahren.

Mehrzahl der Schiffe aufgrund wirtschaftlicher Schieflage veräußert

Den größten Anteil der verkauften Schiffe bilden Containerschiffe der unter- schiedlichen Größenklassen. Sie hat die Schiffskrise mit sinkenden Charterraten und anhaltender Überkapazität am härtesten getroffen: Hohe Insolvenzzahlen und zahlreiche Veräußerungen waren die Folge. In drei Viertel der Fälle – unab- hängig vom Schiffstyp – befanden sich die verkauften Schiffe in einer wirt- schaftlichen Schieflage. Das heißt, sie waren entweder insolvent, in Sanierung oder als sanierungsgefährdet eingestuft. In einer solchen Situation ist der Verkauf des Schiffes oftmals die einzige Lösung für den Fonds, um mit dem Verkaufserlös zumindest Schulden tilgen und im besten Fall den Anlegern einen Teil auszahlen zu können.

Quelle: Deutsche FondsResearch (DFR) 

Deutsche FondsResearch

Die Deutsche FondsResearch (DFR) ist ein unabhängiges Analyse- und Research-Unternehmen. Durch die Information über Sachwerte und deren Management trägt die DFR zur Vergleichbarkeit im internationalen Investitionsgütermarkt bei. Es richtet sich an Unternehmen, die einen Vergleich der Fundamentaldaten ihrer Fonds mit dem Wettbewerb vornehmen möchten, ebenso wie an Endkunden, die das Management ihrer Kapitalanlage bewerten möchten. Grundlage dafür bilden die größte Datenbank für Sachwertinvestments sowie das speziell für die Bewertung von Anteilen an Schiffs- und Immobilien- gesellschaften entwickelte Softwareprogramm. Copyright maritim heute

Schiffsfondsanleger sollten sich bei dieser wirtschaftlichen Situation rechtlich über die Möglichkeiten der Ansprüche auf Schadenersatz von einem Fachanwalt für Bank- und Kapitalanlagerecht beraten lassen.