Schadenersatz wegen fehlerhafter Anlageberatung bei Bio-Erdgas-Fabrik erstritten

19.06.2013396 Mal gelesen
Berlin, den 19. Juni 2013. Die Commerzbank hatte unserer Mandantin eine Beteiligung an einer Bio-Erdgas-Anlage vermittelt. Die Beratung erwies sich als falsch. Mit einer Klage vor dem Landgericht Frankfurt a.M. konnten wir deshalb für sie vollen Schadenersatz erstreiten.

„Beraten und verkauft“
Unsere Mandantin wurde von einer Mitarbeiterin der Commerzbank für eine Beteiligung an der IGB NAWARO Bioenergie GmbH & Co. KG geworben. Die Anlage erwies sich alsbald als Flop. Unsere Mandantin erhielt entgegen den Zusagen nur eine einmalige Ausschüttung in Höhe von 4% des Anlagebetrages. Daraufhin bat sie unsere Kanzlei, diese Kapitalanlage rückabzuwickeln.

Verstoß gegen die Beratungspflichten aufgedeckt
Wir stellten bei der Prüfung des Beratungs- und Verkaufsvorganges fest, dass unsere Mandantin fehlerhaft und unzureichend beraten worden war. Wichtige Informationen waren ihr vorenthalten worden, bei deren Kenntnis sie diese Anlage angesichts der Risiken nie gezeichnet hätte. So reichten wir schließlich Klage ein und hatten Erfolg.
 
Das Urteil
Unsere Mandantin bekam Recht und erhielt damit ihren Anlagebetrag zurück.
Das Gericht sah eine fehlerhafte Anlageberatung als erwiesen an.
Als unserer Mandantin die Beteiligung an der Bio-Erdgas-Fabrik von der Commerzbank empfohlen wurde, war bereits bekannt, dass eine Änderung des Gesetzes über erneuerbare Energien anstand, die zur Folge hatte, dass die Muttergesellschaft NAWARO BioEnergie AG, die u. a. als Garantin des Projekts der Biogas-Anlage fungierte, in Zahlungsschwierigkeiten geriet. Darüber berichtete die Frankfurter Allgemeine Zeitung und stufte die Situation der NAWARO BioEnergie AG als „besonders bedrohlich“ ein.. Über diese negative Presse hätte unsere Mandantin im Beratungsgespräch informiert werden müssen; für ihre Anlageentscheidung wäre diese Information wichtig gewesen.
Der Richter ließ hier weder den Einwand gelten, dass es sich zum damaligen Zeitpunkt „nur“ um eine einmalige Berichterstattung handelte noch dass unserer Mandantin ein Prospekt ausgehändigt worden sein soll, in dem abstrakt auf das Risiko einer Gesetzesänderung hingewiesen worden war. So musste schließlich die Commerzbank unserer Mandantin den entstandenen Schaden ersetzen.

Landgericht  Frankfurt a.M., Urteil vom 3. Mai 2013, Az.: 2-19 O 148/12

Kommentar
Falschberatungen der Banken bei Kapitalanlagen sind leider keine Seltenheit. Immer wieder verletzen Finanzdienstleister aus Unkenntnis oder Provisionsinteresse ihre Pflicht, die Kunden über ihr Angebot wahrheitsgemäß, sorgfältig, richtig und vollständig zu informieren. Dazu gehört auch, dass sie über die einschlägigen Medienberichte aufklären. Und das nicht nur bei positiver Berichterstattung, sondern auch bei „negativer Presse“. Wie der vorliegende Fall zeigt, reicht für den geschädigten Anleger allein ein Verstoß gegen diese Pflicht aus, um eine Rückabwicklung zu beanspruchen. Skandalös ist hier, dass eine renommierte Bank in Kenntnis des absehbaren Desasters eine solche Anlage ihren Kunden überhaupt noch angeboten hat.

Unsere Publikation zum Thema
T. Gansel/A. Gängel, "Das Recht der Anleger, über negative Presse aufgeklärt zu werden", VuR, 4/2010, S. 127-136

Ihr Ansprechpartner:
Thomas Röske
Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht
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