SEB Immoinvest, CS Euroreal und die Dachfonds: „Modell kann nicht mehr funktionieren“

13.04.2012313 Mal gelesen
Offene Immobilienfonds in der Krise. Anlageklasse hat auf Dachfonds übergegriffen.

Übersicht:

  • Aktuell befinden sich 6 Fonds in der Abwicklung, sieben weitere sind geschlossen.
  • Ende Februar verwalten 36 Offene Immobilienfonds laut Branchenverband BVI insgesamt 85 Milliarden Euro.
  • Mehr als ein Viertel dieses Anlagekapitals ist durch die geschlossenen und in der Abwicklungsphase befindlichen Fonds blockiert.
  • 2011 beläuft sich die Summe an frischem Kapital der Fonds auf netto 1,2 Milliarden Euro – was vergleichsweise gering ist.

Wann erreicht die Krise ihren Höhepunkt. Diese Frage stellt sich eine Vielzahl von Anlegern, die nach Angaben des Branchenverband BVI insgesamt 85 Milliarden Euro in Offene Immobilienfonds investiert haben. Nach Schätzungen zufolge beläuft sich die Zahl der Investoren auf nahezu 1,5 Millionen.

Auch andere Anlageklasse betroffen
Die Krise beschränkt sich längst nicht mehr auf einzelne Immobilienfonds. Betroffen sind des Weiteren Dachfonds, die das von den Anlegern zur Verfügung gestellte Kapital wieder in einzelne Offene Immobilienfonds investieren.So haben erst kürzlich die Deutsche Bank Tochter DWS, die Landesbank Berlin und Credit Suisse ihre Anteilsrückname eingestellt und blockieren damit Anlegergelder von nahezu 700 Millionen Euro. Dass mehr und mehr Dachfonds in finanzielle Schwierigkeiten kommen, ist nach Angaben von Matthias Danne, Vorstandsmitglied der Dekabank, unausweichlich. Seiner Meinung nach ist es eine logische Konsequenz, dass, wenn immer mehr Offene Immobilienfonds geschlossen werden, dieses  Modell nicht mehr funktionieren kann. Eine Aussicht auf Besserung sieht er jedoch nicht. So sollen alleine bei den von der DWS gesperrten Dachfonds fast 97% des Fondsvolumens in Offene Immobilienfonds – und davon ca. 40 Prozent in den beiden größten geschlossenen SEB ImmoInvest und CS Euroreal – investiert sein.

Alles Gute bringt der Mai
Dies hoffen zumindest auch Anleger der bereits seit 2010 geschlossenen Immobilienfonds SEB Immoinvest und CS Euroreal, die zusammen ein Fondsvolumen von nahezu 12,3 Milliarden Euro verwalten. Auch bei den beiden Fonds endet – wie bei 4 anderen auch – die gesetzliche Schließungsfrist von zwei Jahren im Mai 2012. Schaffen es die Fonds nicht, erneut zu öffnen, bleibt lediglich die Abwicklung, was in der Regel mit erheblichen Verlusten für Anleger verbunden ist. In solch einem Fall wird der Fonds versuchen, die im Portfolio befindlichen Immobilien möglichst werterhaltend zu veräußern und das durch den Erlös erlange Kapital an die Anleger auszuschütten. Weil diese Veräußerungen meist unter Zeitdruck geschehen, stehen Verluste an der Tagesordnung.

Letzte Hoffnung Börse?
Nicht jeder Anleger kann eine Fondsschließung in Bezug auf seine finanzielle Dispositionsfreiheit einfach aussitzen. So sind viele der Betroffenen auf regelmäßige Anteilsrückgaben angewiesen. Für sie besteht die Möglichkeit, ihre Anteile an den geschlossenen Immobilienfonds über die Börse (z.B. in Hamburg) zu veräußern. Teileweise sind mit solch einem Verkauf jedoch Abschläge mit bis zu 50 Prozent im Vergleich zu den ursprünglichen Anteilswerten verbunden.

Gibt es Hoffnung?
Antwort: Ja. So erging beispielweise erst Anfang April ein Urteil gegen die Commerzbank zu Gunsten zweier Anleger, die 2008 Anteile am P2 Value von Morgan Stanley erworben hatten, dabei aber angeblich nicht auf das Verlustrisiko durch eine Fondsschließung hingewiesen wurden. Des Weiteren wurden in uns bekannten Fällen den überwiegend unwissenden Anlegern Beteiligungen an Offenen Immobilienfonds als sichere Kapitalanlage dargestellt. Über die mit dieser Investition verbundenen Risiken, wurden die Anleger häufig nicht informiert. Eine weitere, für den Anleger oft unbekannte Tatsache ist, dass Banken, Sparkassen sowie sonstige Berater Rückvergütungen dafür erhalten haben, dass sie den Fonds vermittelt haben. Dies stellt eine Tatsache dar, über die man die Anleger hätte aufklären müssen, da hier Interessenskonflikte drohen.

Zusammenfassend ist betroffenen Anlegern zu empfehlen, mögliche Ansprüche durch einen Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht prüfen zu lassen.

Die IVA Rechtsanwalts AG berät Sie im Zusammenhang mit Offenen Immobilienfonds. Wir prüfen in einer Persönlichen Beratung, ob Sie mit Aussicht auf Erfolg Ihre Ansprüche durchsetzen können.

Weitere Informationen sowie rechtliche Hilfe finden Sie auf unserer Internetpräsens unter: www.iva.ag