Verkehrsunfall - Personenschaden

Rechtswörterbuch

 Normen 

§§ 823 ff. BGB

 Information 

1. Allgemein

Der Schädiger hat dem Geschädigten alle kausal auf dem Unfall beruhenden Gesundheitsschäden zu ersetzen. Dazu gehören auch Schäden, die dem Geschädigten erst durch Dritte zugefügt wurden, sofern sie adäquat kausal dem Schädiger zugerechnet werden können.

2. Umfang der Haftung

Der Schädiger hat für alle verletzungsbedingten Folgen einzustehen, d.h. auch anlagebedingte Verletzungsfolgen, die bei einem gesunden Menschen nicht oder nicht in dem Ausmaß eingetreten wären, sind dem Schädiger zuzurechnen.

Ein Unfallgeschädigter kann die durch eine ärztliche Untersuchung oder Behandlung entstandenen Kosten vom Schädiger nur ersetzt verlangen, wenn der Unfall zu einer Körperverletzung geführt hat. Die bloße Möglichkeit oder der Verdacht einer Verletzung genügt dafür nicht (BGH 17.09.2013 - VI ZR 95/13).

Der Schadensersatz erfasst auch vermehrte Bedürfnisse.

Auch durch den Unfallverursacher geschädigte Dritte können die ihnen entstandenen Schäden ersetzt verlangen, so z.B.:

Insbesondere durch die Detonation eines Airbags, aber ggf. auch durch ein HWS-Schleudertrauma kann ein Tinnitus entstehen. Der Beweis der Erkrankung sowie deren Ursächlichkeit zu dem Verkehrsunfall ist gemäß § 286 ZPO zu führen. Das OLG Hamm hat in dem Urteil vom 23.10.2000 - 13 U 76/00 für einen nicht sehr belastenden Tinnitus (einhergehend mit einem geringen Hörverlust) ein Schmerzensgeld in Höhe von 7.000,00 DM anerkannt.

3. Schwere Verletzungen

Zur Sicherung des Arbeitsplatzes und der Vermeidung einer ggf. ausgesprochenen personenbedingten Kündigung empfiehlt es sich für Arbeitnehmer bei schweren Personenschäden vorsorglich einen Antrag auf Anerkennung als Gleichgestellter bzw. Schwerbehinderte Arbeitnehmer zu stellen.

4. Abfindung

Der Schädiger bzw. dessen Haftpflichtversicherung bietet dem Geschädigten im Rahmen eines Vergleichs nicht selten die Zahlung einer größeren Summe als Abfindung an.

Damit sollen auch zukünftige Entwicklungen (Spätfolgen) mit abgedeckt sein. Nur bei Vorliegen bestimmter Voraussetzungen kann der Abfindungsvergleich abgeändert werden.

 Siehe auch 

Himmelreich/Halm: Handbuch des Fachanwalts Verkehrsrecht; 5. Auflage 2014

Hugemann: Der Tinnitus als Unfallfolge: Physischer oder psychischer Schaden?; Neue Zeitschrift für Verkehrsrecht - NZV 2003, 406

Jaeger/Luckey: Schmerzensgeld; 8. Auflage 2016

Lachner: Regulierung von Personenschäden - Zu Risiken und Nebenwirkungen von Rehabilitationsdiensten; Neue Juristische Wochenzeitschrift - NJW 2015, 679

Luckey: Personenschaden. Ersatzansprüche - Regulierung - Checklisten - Schriftsatzmuster; 1. Auflage 2013

Schneider/Nugel: Psychische Folgen nach einem Verkehrsunfall und ihre rechtliche Bewertung; Neue Juristische Wochenzeitschrift - NJW 2014, 2977