Rechtshängigkeit - Zivilprozess

Rechtswörterbuch

 Normen 

§ 17 Abs. 1 GVG

§§ 261 f. ZPO

§ 253 ZPO

 Information 

Mit der Zustellung der Klage an den Beklagten wird ein Rechtsstreit rechtshängig, die Klage erhoben. Ein durch Klageänderung, Klageerweiterung oder Widerklage in den Prozess eingebrachter Anspruch wird durch die Zustellung des den Anspruch geltend machenden Schriftsatzes rechtshängig.

Hinweis:

Eine Klagezustellung ist nicht deswegen unwirksam, weil die Klageschrift ohne die in Bezug genommenen Anlagen zugestellt wird (BGH 12.12.2012 - VIII ZR 307/11).

Wird im Mahnverfahren nach der Erhebung des Widerspruchs der Rechtsstreit nicht alsbald nach der Erhebung des Widerspruchs an das Prozessgericht abgegeben, so beginnt in diesen Fällen die Rechtshängigkeit mit dem Eingang der Verfahrensakten bei dem Prozessgericht (BGH 05.02.2009 - III ZR 164/08).

Die Rechtshängigkeit endet mit der Beendigung des Prozesses.

Zu unterscheiden ist die Rechtshängigkeit von der Anhängigkeit des Rechtsstreits: Die Anhängigkeit des Rechtsstreits beginnt bereits mit der Einreichung der Klage bei Gericht.

Die Rechtshängigkeit führt zu einer Reihe von Rechtswirkungen:

 Siehe auch 

BGH 04.07.2012 - XII ZR 80/10 (vom Ausgleichspflichtigen nicht zu verantwortenden Vermögensverlust nach Rechtshängigkeit des Scheidungsantrags)

BGH 26.07.2004 - VIII ZB 44/03 (Wegfall des Klageanlasses vor Rechtshängigkeit)

BGH 08.06.1988 - I ZR 148/86

BGH 14.01.1987 - IVb ZR 3/86

OLG Köln 30.10.1995 - 1 W 52/95

Gruber: Die neue europäische Rechtshängigkeit bei Scheidungsverfahren; Zeitschrift für das gesamte Familienrecht - FamRZ 2000, 1129

Mümmler: Erneute Rechtshängigkeit desselben Anspruchs in demselben Rechtsstreit; Das Juristische Büro - JurBüro 1998, 298

Oberheim: Erfolgreiche Taktik im Zivilprozess; 6. Auflage 2014

Prütting/Gehrlein: ZPO Kommentar; 5. Auflage 2013

Reuß: Internationale Rechtshängigkeit im Zivilprozess; Jura 2009, 1

Wilke: Gerichtsstandsvereinbarungen nach Rechtshängigkeit - ein Vergleich zwischen ZPO und EuGVÜ; Neue Juristische Wochenschrift - NJW 2000, 3549