§ 74a ZVG, Meistgebot unter 70 % des Grundstückswerts. Antrag auf Versagung des Zuschlags. Festsetzung des Grundstückswerts. Schätzung des Wertes beweglicher Gegenstände
(1) 1Bleibt das abgegebene Meistgebot einschließlich des Kapitalwertes der nach den Versteigerungsbedingungen bestehen bleibenden Rechte unter sieben Zehnteilen des Grundstückswertes, so kann ein Berechtigter, dessen Anspruch ganz oder teilweise durch das Meistgebot nicht gedeckt ist, aber bei einem Gebot in der genannten Höhe voraussichtlich gedeckt sein würde, die Versagung des Zuschlags beantragen. 2Der Antrag ist abzulehnen, wenn der betreibende Gläubiger widerspricht und glaubhaft macht, dass ihm durch die Versagung des Zuschlags ein unverhältnismäßiger Nachteil erwachsen würde.
(2) Der Antrag auf Versagung des Zuschlags kann nur bis zum Schluss der Verhandlung über den Zuschlag gestellt werden; das gleiche gilt von der Erklärung des Widerspruchs.
(3) 1Wird der Zuschlag gemäß Absatz 1 versagt, so ist von Amts wegen ein neuer Versteigerungstermin zu bestimmen. 2Der Zeitraum zwischen den beiden Terminen soll, sofern nicht nach den besonderen Verhältnissen des Einzelfalles etwas anderes geboten ist, mindestens drei Monate betragen, darf aber sechs Monate nicht übersteigen.
(4) In dem neuen Versteigerungstermin darf der Zuschlag weder aus den Gründen des Absatzes 1 noch aus denen des § 85a Abs. 1 versagt werden.
(5) 1Der Grundstückswert (Verkehrswert) wird vom Vollstreckungsgericht, nötigenfalls nach Anhörung von Sachverständigen, festgesetzt. 2Der Wert der beweglichen Gegenstände, auf die sich die Versteigerung erstreckt, ist unter Würdigung aller Verhältnisse frei zu schätzen. 3Der Beschluss über die Festsetzung des Grundstückswertes ist mit der sofortigen Beschwerde anfechtbar. 4Der Zuschlag oder die Versagung des Zuschlags können mit der Begründung, dass der Grundstückswert unrichtig festgesetzt sei, nicht angefochten werden.
§ 74a: Eingef. durch Art. 3 Nr. 16 G v. 20.08.1953 I 952
Zu § 74a: Geändert durch G vom 1. 2. 1979 (BGBl I S. 127) und 27. 7. 2001 (BGBl I S. 1887).
Zitierungen dieses Dokuments
- BGH, 21.07.2011, IX ZR 120/10 - Notwendigkeit einer vorherigen Beschlagnahme des Wohnungseigentums für die Absonderungsberechtigung der Wohnungseigentümergemeinschaft in der Insolvenz eines…
- BGH, 07.02.2011, AnwZ (B) 11/10 - Zulassung zur Rechtsanwaltschaft darf beim Vermögensverfall widerrufen werden
- BGH, 31.05.2012, V ZB 207/11 - Versagung des Zuschlags aufgrund außerhalb des Versteigerungsverfahrens vereinbarter Zuzahlungen des Meistbietenden an den betreibenden Gläubiger
- BGH, 17.06.2010, V ZA 6/10 - Anfechtung eines Zuschlags für ein Grundstück eines Schuldners mit einem Mindestgebot von einem Euro als Verkehrswert
- BGH, 18.10.2012, V ZB 13/12 - Zurückgreifen auf die Einzelmeistgebote bei sowohl einzelnem als auch gemeinsamem Ausgebot mehrerer Grundstücke und Nichterreichen der Wertgrenze des § 85a ZVG
- BGH, 02.02.2012, V ZB 159/11 - Anwendbarkeit des § 74b ZVG bei Belastung des Grundstücks mit mehreren gleichrangigen Grundschulden bei meistbietendem Gläubiger
- BGH, 20.07.2011, V ZB 300/10 - Eintragungsfähigkeit einer unter Vorbehalt nach § 16 Abs. 1 GBO beantragten Eintragung einer Zwangshypothek auf dem Grundstück eines Wohnungseigentümers - Umfang und…
- BGH, 13.09.2010, AnwZ (B) 95/09 - Widerruf der Zulassung zur Rechtsanwaltschaft wegen Vermögensverfalls
- BGH, 16.07.2009, V ZB 46/09 - Anforderungen an die Gewährung von Vollstreckungsschutz gegen die Durchführung der Zwangsversteigerung einer Immobilie - Anforderungen an das Vorliegen eines Verstoßes…
- BVerfG, 26.10.2011, 2 BvR 1856/10 - Willkür bei einem Zwangsversteigerungstermin nach Beantragung der Versagung des Zuschlags wegen unterlassenen Hinweises auf die Anmeldung einer Grundschuld nach §…
- BGH, 16.02.2012, V ZB 48/11 - Überprüfung der formellen Beweiskraft einer vorgelegten Urkunde zum Nachweis der Vertretungsmacht eines Bieters durch eine öffentliche oder öffentlich beglaubigte Urkunde
- BGH, 07.10.2010, V ZB 37/10 - Arglistige Verhinderung von Zustellungen durch den Umzug eines Beteiligten eines Zwangsversteigerungsverfahrens ohne Mitteilung der neuen Anschrift an das…
- BGH, 04.03.2010, V ZB 143/09 - Beschwerde gegen die Zurückweisung eines Ersteigerungsgebots wegen unterbliebener Sicherheitsleistung - Zuschlag eines die Hälfte des Grundstückswerts unterschreitenden…
- BGH, 22.10.2009, V ZB 65/09 - Beschwerde gegen einen Beschluss über die Festsetzung eines Grundstückswerts wegen nicht ausreichender Berücksichtigung angepflanzter Gehölzsammlungen und…
- BGH, 16.07.2009, V ZB 45/09 - Verstoß gegen Art. 101 Abs. 1 S. 2 GG wegen Nichtübertragung einer die Fortbildung des Rechts oder die Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung erfordernden…
- BGH, 19.09.2012, V ZB 90/12 - Vollstreckungsschutz im Zwangsversteigeurngsverfahren
- BGH, 10.07.2009, V ZB 48/09 - Verpflichtung eines Amtsgerichts zur Anforderung der Mitteilung eines Einheitswerts gegenüber einer Finanzbehörde
- BVerwG, 13.09.2010, BVerwG 8 B 29.10 - Denkfehlerfreie Einordnung eines sich über zwei Grundstücke erstreckenden Schulgebäudes als ein wesentlicher Bestandteil eines Flurstücks - Einschränkung der…
- Zwangsversteigerung
- § 54 GKG, Zwangsversteigerung
