§ 69 SGB IX, Feststellung der Behinderung, Ausweise
(1) 1Auf Antrag des behinderten Menschen stellen die für die Durchführung des Bundesversorgungsgesetzes zuständigen Behörden das Vorliegen einer Behinderung und den Grad der Behinderung fest. 2Beantragt eine erwerbstätige Person die Feststellung der Eigenschaft als schwerbehinderter Mensch (§ 2 Abs. 2), gelten die in § 14 Abs. 2 Satz 2 und 4 sowie Abs. 5 Satz 2 und 5 genannten Fristen sowie § 60 Abs. 1 des Ersten Buches entsprechend. 3Das Gesetz über das Verwaltungsverfahren der Kriegsopferversorgung ist entsprechend anzuwenden, soweit nicht das Zehnte Buch Anwendung findet. 4Die Auswirkungen auf die Teilhabe am Leben in der Gesellschaft werden als Grad der Behinderung nach Zehnergraden abgestuft festgestellt. 5Die Maßstäbe des § 30 Abs. 1 des Bundesversorgungsgesetzes und der auf Grund des § 30 Absatz 16 des Bundesversorgungsgesetzes erlassenen Rechtsverordnung gelten entsprechend. 6Eine Feststellung ist nur zu treffen, wenn ein Grad der Behinderung von wenigstens 20 vorliegt. 7Durch Landesrecht kann die Zuständigkeit abweichend von Satz 1 geregelt werden.
Absatz 1 Satz 2 eingefügt durch G vom 23. 4. 2004 (BGBl I S. 606); bisherige Sätze 2 bis 5 wurden Sätze 3 bis 6. Satz 5 geändert durch G vom 20. 6.2011 (BGBl I S. 1114). Satz 7 angefügt durch G vom 23. 4. 2004 (a. a. O.).
(2) 1Feststellungen nach Absatz 1 sind nicht zu treffen, wenn eine Feststellung über das Vorliegen einer Behinderung und den Grad einer auf ihr beruhenden Erwerbsminderung schon in einem Rentenbescheid, einer entsprechenden Verwaltungs- oder Gerichtsentscheidung oder einer vorläufigen Bescheinigung der für diese Entscheidungen zuständigen Dienststellen getroffen worden ist, es sei denn, dass der behinderte Mensch ein Interesse an anderweitiger Feststellung nach Absatz 1 glaubhaft macht. 2Eine Feststellung nach Satz 1 gilt zugleich als Feststellung des Grades der Behinderung.
Absatz 2 Satz 1 geändert durch G vom 23. 4. 2004 (BGBl I S. 606).
(3) 1Liegen mehrere Beeinträchtigungen der Teilhabe am Leben in der Gesellschaft vor, so wird der Grad der Behinderung nach den Auswirkungen der Beeinträchtigungen in ihrer Gesamtheit unter Berücksichtigung ihrer wechselseitigen Beziehungen festgestellt. 2Für diese Entscheidung gilt Absatz 1, es sei denn, dass in einer Entscheidung nach Absatz 2 eine Gesamtbeurteilung bereits getroffen worden ist.
(4) Sind neben dem Vorliegen der Behinderung weitere gesundheitliche Merkmale Voraussetzung für die Inanspruchnahme von Nachteilsausgleichen, so treffen die zuständigen Behörden die erforderlichen Feststellungen im Verfahren nach Absatz 1.
Absatz 4 geändert durch G vom 23. 4. 2004 (BGBl I S. 606).
(5) 1Auf Antrag des behinderten Menschen stellen die zuständigen Behörden auf Grund einer Feststellung der Behinderung einen Ausweis über die Eigenschaft als schwerbehinderter Mensch, den Grad der Behinderung sowie im Falle des Absatzes 4 über weitere gesundheitliche Merkmale aus. 2Der Ausweis dient dem Nachweis für die Inanspruchnahme von Leistungen und sonstigen Hilfen, die schwerbehinderten Menschen nach Teil 2 oder nach anderen Vorschriften zustehen. 3Die Gültigkeitsdauer des Ausweises soll befristet werden. 4Er wird eingezogen, sobald der gesetzliche Schutz schwerbehinderter Menschen erloschen ist. 5Der Ausweis wird berichtigt, sobald eine Neufeststellung unanfechtbar geworden ist.
Absatz 5 Sätze 1 und 3 geändert durch G vom 23. 4. 2004 (BGBl I S. 606).
Zitierungen dieses Dokuments
- BAG, 27.01.2011, 8 AZR 580/09 - AGG schützt auch die einfach-behinderten Menschen , also diejenigen mit Grad der Behinderung unter 50, vor Diskriminierung im Zusammenhang mit einer Bewerbung - Schutz…
- BAG, 09.06.2011, 2 AZR 703/09 - Kündigung eines Schwerbehinderten bedurfte der vorherigen Zustimmung des Integrationsamts - Kündigung von Schwerbehinderten - Notwendigkeit einer vorherigen Zustimmung…
- BFH, 13.10.2010, VI R 38/09 - Kosten für die krankheitsbedingte Unterbringung in einem Seniorenheim als außergewöhnliche Belastungen i.R.d. Einkommenssteuerrechts
- BAG, 14.07.2010, 10 AZR 84/09 - Personalgestellung nach Auflösung der Versorgungsämter in Nordrhein-Westfalen - Verfassungsmäßigkeit der Personalgestellungsregelung - Fehlende…
- BAG, 25.08.2010, 10 AZR 276/09 - Personalgestellung nach Auflösung der Versorgungsämter in Nordrhein-Westfalen - Verfassungsmäßigkeit der Personalgestellungsregelung - Fehlende…
- BAG, 24.02.2010, 4 AZR 708/08
- BFH, 09.02.2012, III R 5/08 - Minderung einer als Bezug anzusetzenden Verletztenrente um den Behinderten-Pauschbetrag im Rahmen der Gewährung von Kindergeld
- BVerwG, 07.04.2011, BVerwG 2 B 79.10 - Ein Beamter muss den Dienstherrn bei Inanspruchnahme des Schutzes vor Maßnahmen durch Anhörung der Schwerbehindertenvertretung von einem laufenden…
- BVerwG, 29.07.2010, BVerwG 2 C 17.09 - Möglichkeit der Verkürzung der regelmäßigen Wochenarbeitszeit von 41 auf 40 Stunden nach § 3 Abs. 1 S. 2 Arbeitszeitverordnung (AZVO) auch für gleichgestellte…
- BFH, 09.02.2012, III R 47/08 - Mitursächlichkeit einer Behinderung für die mangelnde Fähigkeit des behinderten Kindes zum Selbstunterhalt in erheblichem Umfang i.R. der Kindergeldgewährung - Frage…
- BSG, 16.02.2012, B 9 SB 1/11 R - Feststellung des Grades der Behinderung - Feststellungsinteresse für eine rückwirkende GdB-Feststellung
- BSG, 30.09.2010, B 10 EG 9/09 R - Anspruch auf Elterngeld für Ausländer mit Aufenthaltserlaubnis mit Erwerbsberechtigung
- BSG, 15.07.2010, B 11 AL 150/09 B - Verfassungsmäßigkeit der Gleichstellung eines behinderten Menschen mit einem schwerbehinderten Menschen
- BSG, 29.04.2010, B 9 SB 1/10 R - Feststellung eines Grades der Behinderung für eine nach § 60a Abs. 2 Aufenthaltsgesetz (AufenthG) geduldete chinesische Staatsangehörige
- BSG, 29.04.2010, B 9 SB 2/09 R - Rechtmäßiger Aufenthalt i.S.d. Sozialgesetzbuch Neuntes Buch (SGB IX) bei aufenthaltsrechtlich befristeter Duldung
- BSG, 18.02.2010, B 4 AS 29/09 R - Anspruch auf Arbeitslosengeld II - Leistungen für einen Mehrbedarf wegen eines anerkannten GdB von 60 sowie einer erheblichen Gehbehinderung
- BSG, 16.02.2012, B 9 SB 2/11 R - Feststellung der gesundheitlichen Voraussetzungen für die Inanspruchnahme des Nachteilsausgleichs "Befreiung von der Rundfunkgebührenpflicht" im Schwerbehindertenrecht
- BSG, 25.10.2012, B 9 SB 2/12 R - Feststellung des Grades der Behinderung im Schwerbehindertenrecht bei Diabetes mellitus
- BSG, 02.12.2010, B 9 SB 3/09 R - Festsetzung des Grades einer Behinderung nach dem Schwerbehindertenrecht - Bewertung eines insulinpflichtigen Diabetes mellitus
- BSG, 30.09.2009, B 9 SB 4/08 R - Feststellung des Grades der Behinderung nach dem Schwerbehindertenrecht - Zustand nach Entfernung eines Schilddrüsentumors - Einbeziehung einer operationsbedingten…
