§ 27 PPVO, Anrechenbare Bauwerte und Bauwerksklassen

§ 27 PPVO
Landesverordnung über die Prüfingenieurinnen oder Prüfingenieure für Standsicherheit, Prüfingenieurinnen oder Prüfingenieure für Brandschutz sowie Prüfsachverständigen (PPVO)
Landesrecht Schleswig-Holstein

Sechster Teil – Vergütung → Abschnitt I – Vergütung der Prüfingenieurinnen oder Prüfingenieure Standsicherheit und der Prüfämter für Standsicherheit

Titel: Landesverordnung über die Prüfingenieurinnen oder Prüfingenieure für Standsicherheit, Prüfingenieurinnen oder Prüfingenieure für Brandschutz sowie Prüfsachverständigen (PPVO)
Normgeber: Schleswig-Holstein
Amtliche Abkürzung: PPVO
Gliederungs-Nr.: 2130-9-25
Normtyp: Rechtsverordnung

(1) Für die in der Anlage 2 zur Baugebührenverordnung aufgeführten baulichen Anlagen sind die anrechenbaren Bauwerte aus dem Brutto-Rauminhalt der baulichen Anlage, vervielfältigt mit dem jeweils angegebenen Richtwert je Kubikmeter Brutto-Rauminhalt, zu berechnen. Die Berechnung des Brutto-Rauminhalts ist nach Anlage 3 vorzunehmen.

(2) Für bauliche Anlagen, die nicht den in Anlage 2 zur Baugebührenverordnung aufgeführten Gebäuden zuzuordnen sind, und für Umbauten in oder an baulichen Anlagen gelten als anrechenbare Bauwerte die Kosten für

  1. 1.

    Erdarbeiten, ohne Herrichtung des Grundstücks, ohne Mutterbodenauftrag und außergewöhnliche Ausschachtungsarbeiten,

  2. 2.

    Mauerarbeiten,

  3. 3.

    Beton- und Stahlbetonarbeiten,

  4. 4.

    Naturwerksteinarbeiten, Betonwerksteinarbeiten, Zimmerer- und Holzbauarbeiten sowie Stahlbauarbeiten, die nicht in Verbindung mit dem Ausbau des Gebäudes ausgeführt werden,

  5. 5.

    Tragwerke und Tragwerksteile aus Stoffen, die anstelle der in den vorgenannten Leistungen enthaltenen Stoffe verwendet werden,

  6. 6.

    Abdichtungsarbeiten,

  7. 7.

    Dachdeckungs- und Dachabdichtungsarbeiten ohne Mehrkosten für Sonderausführungen (z.B. Kupferdächer),

  8. 8.

    Klempnerarbeiten, die nicht in Verbindung mit dem Ausbau des Gebäudes ausgeführt werden,

  9. 9.

    Metallbau- und Schlosserarbeiten für folgende tragende Konstruktionen,

  10. 10.

    Baugrubenverkleidungs-, Ramm- und Einpressarbeiten,

  11. 11.

    besondere Gründungsarbeiten (z.B. Pfahlgründungen), Kosten der Baustelleneinrichtung ohne Kosten für Winterschutzbauvorkehrungen.

Zu den anrechenbaren Bauwerten zählen auch die nicht in den Kosten nach Satz 1 enthaltenen Kosten für Bauteile, für die ein Standsicherheitsnachweis geprüft werden muss, ausgenommen die Kosten für Außenwandbekleidungen und für Fassaden, außer in Massivbauweise, für die ein Standsicherheitsnachweis geprüft werden muss. Bei Umbauten sind auch die Kosten für Abbrucharbeiten anrechenbar. Nicht anrechenbar ist die auf die Kosten entfallende Umsatzsteuer. Bei der Ermittlung der anrechenbaren Bauwerte ist von den Kosten auszugehen, die ortsüblich im Zeitpunkt der Auftragserteilung durch die Bauaufsichtsbehörde für die Herstellung der baulichen Anlagen erforderlich sind. Einsparungen durch Eigenleistungen oder Vergünstigungen sind nicht zu berücksichtigen. Die anrechenbaren Bauwerte sind mittels einer auf realistischen Lohn- und Stoffkosten basierenden nachprüfbaren Berechnung zu ermitteln. Die Berechnung hat die Bauherrin oder der Bauherr mit dem Bauantrag vorzulegen. Wird die Berechnung nicht vorgelegt oder ist sie offensichtlich unzutreffend, sind die anrechenbaren Kosten nach pflichtgemäßem Ermessen zu schätzen.

(3) Die anrechenbaren Bauwerte für Windkraftanlagen betragen 750 Euro je kW Nennleistung; für die Prüfung von Turm und Gründung ist die Hälfte als anrechenbare Bauwerte zugrunde zu legen. Bei anderen als Flachgründungen erhöhen sich die anrechenbaren Bauwerte nach Maßgabe des Absatzes 2.

(4) Für Funkmasten betragen die anrechenbaren Bauwerte 1.500 Euro je Höhenmeter. Bei anderen als Flachgründungen erhöhen sich die anrechenbaren Bauwerte nach Maßgabe des Absatzes 2.

(5) Die anrechenbaren Bauwerte sind jeweils auf volle 1.000 Euro aufzurunden.

(6) Die zu prüfenden baulichen Anlagen werden entsprechend ihrem statischen und konstruktiven Schwierigkeitsgrad den Bauwerksklassen nach der Anlage 1 zugeordnet. Besteht eine bauliche Anlage aus Bauteilen mit unterschiedlichem Schwierigkeitsgrad, so ist sie entsprechend dem überwiegenden Leistungsumfang einzustufen.

(7) Mit dem Prüfauftrag teilt die untere Bauaufsichtsbehörde der Prüfingenieurin oder dem Prüfingenieur für Standsicherheit die anrechenbaren Bauwerte und die für die Gebührenberechnung anzuwendende Bauwerksklasse mit. Die Prüfingenieurinnen und Prüfingenieure für Standsicherheit können bis zur Abrechnung der Vergütung eine Berichtigung der anrechenbaren Bauwerte und der Bauwerksklasse verlangen.

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