BVerwG, 11.11.2010 - BVerwG 5 C 12.10 - Vereinbarkeit der Entziehung der durch Einbürgerung erworbenen Staatsangehörigkeit unter Wahrung des Grundsatzes der Verhältnismäßigkeit im Falle des Erschleichens der Einbürgerung durch Täuschung mit dem Unionsrecht; Zulässigkeit der Entziehung der durch Einbürgerung erworbenen Staatsangehörigkeit bei möglicher Staatenlosigkeit für den Betroffenen und Verlust der Unionsbürgerschaft; Erforderlichkeit des Einräumens einer Frist für den Versuch der Wiedererlangung einer vor der Einbürgerung bestehenden Staatsbürgerschaft zur Wahrung des Grundsatzes der Verhältnismäßigkeit

Bundesverwaltungsgericht
Urt. v. 11.11.2010, Az.: BVerwG 5 C 12.10
Gericht: BVerwG
Entscheidungsform: Urteil
Datum: 11.11.2010
Referenz: JurionRS 2010, 34345
Aktenzeichen: BVerwG 5 C 12.10
 

Verfahrensgang:

vorgehend:

VG München - 12.02.2001 - AZ: M 25 K 00.3348

VGH Bayern - 17.06.2002 - AZ: 5 B 01.1385

BVerwG - 03.06.2003 - AZ: BVerwG 1 C 19.02

VGH Bayern - 25.10.2005 - AZ: 5 B 03.2462

BVerwG - 18.02.2008 - AZ: BVerwG 5 C 13.07

EuGH - 02.03.2010 - AZ: C-135/08

Fundstellen:

BayVBl 2011, 414-417

DÖV 2011, 413

DVBl 2011, 511

InfAuslR 2011, 207-211

NVwZ 2011, 760-763

NVwZ 2011, 8

VR 2011, 214

Amtlicher Leitsatz:

  1. 1.

    Wird eine Einbürgerung durch Täuschung erschlichen, dann verstößt es grundsätzlich nicht gegen Unionsrecht - insbesondere Art. 17 EG (= Art. 18 AEUV) -, wenn ein Mitgliedstaat einem Unionsbürger die durch Einbürgerung erworbene Staatsangehörigkeit wieder entzieht, vorausgesetzt die Rücknahmeentscheidung wahrt den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit (EuGH, Urteil vom 2. März 2010 - C-135/08 - NVwZ 2010, 509 <512> Rn. 59). Dies gilt auch, wenn der Betroffene dadurch staatenlos werden und die Unionsbürgerschaft verlieren kann.

  2. 2.

    Der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit kann es erforderlich machen, dem Betroffenen eine Frist für den Versuch der Wiedererlangung einer vor der Einbürgerung bestehenden Staatsbürgerschaft einzuräumen.

In der Verwaltungsstreitsache
...
hat der 5. Senat des Bundesverwaltungsgerichts
auf die mündliche Verhandlung vom 11. November 2010
durch
den Vizepräsidenten des Bundesverwaltungsgerichts Hund,
den Richter am Bundesverwaltungsgericht Prof. Dr. Berlit,
die Richterin am Bundesverwaltungsgericht Stengelhofen und
die Richter am Bundesverwaltungsgericht Dr. Störmer und Dr. Häußler
für Recht erkannt:

Tenor:

Die Revision des Klägers gegen das Urteil des Bayerischen Verwaltungsgerichthofs vom 25. Oktober 2005 wird zurückgewiesen.

Der Kläger trägt die Kosten des Revisionsverfahrens.

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